Theater der Altstadt Augenmenschen sind im Vorteil

Von Gabriele Metsker 

Es ist wie im echten Leben: Da muss man eine Person auch erst kennenlernen, ehe man sich ein Bild von ihr machen kann. Wenn Sibylle Schulze die Kostüme für eine Theaterproduktion gestaltet, ist das genauso – ein Blick hinter die Kulissen.

Isabella Winter, Sibylle Schulze und Susanne Heydenreich (von links) im Gespräch. Foto: Nathalie Veit
Isabella Winter, Sibylle Schulze und Susanne Heydenreich (von links) im Gespräch. Foto: Nathalie Veit

Viel Überlegung, Erfahrung, Kreativität und handwerkliches Können sind notwendig, damit nachher auf der Bühne alles ganz selbstverständlich wirkt. Wie in „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ im Theater der Altstadt. Zuallererst, erzählt Schulze, liest sie immer das entsprechende Stück intensiv durch. Dann recherchiert sie über die Zeit, in der das Stück spielt, und über den Autor. Und natürlich tauscht sie sich mit dem Regisseur aus, denn bei ihm laufen schließlich alle Fäden der Produktion zusammen. Das ist nicht immer einfach, wie sie über die Jahre erfahren hat. „Nicht jeder Regisseur ist ein Augenmensch. Da können die Vorstellungen ganz unterschiedlich sein.“ Dann ist es wichtig, dass man gut vermitteln kann, was man meint. „Manchmal funktioniert das nicht. Dann wird es schwierig.“

Gemeinsame Sprache gefunden

Mit Susanne Heydenreich ist das zum Glück ganz anders. Mit der Intendantin des Theaters der Altstadt hat die Kostümbildnerin schon viele Produktionen gemacht. Beide haben eine gute gemeinsame Sprache gefunden. „Sibylle ist auf liebevolle Weise den Charakteren und Privatpersonen zugewandt“, unterstreicht die Intendantin, die schon mal Kleinigkeiten aus ihrem privaten Fundus beisteuert, wenn sich trotz intensiver Suche ein passendes Accessoire partout nicht finden lässt. Denn es kommt auf jede Kleinigkeit an: So spielt das Thema Tracht beim „Brandner Kaspar“ eine wichtige Rolle, weil es für Erdverbundenheit und Tradition steht. Zugleich soll das Ganze schwäbisch und nicht bayerisch grundiert sein. Deswegen wird beispielsweise vollständig auf Lederhosen verzichtet. Sibylle Schulze, die gelernte Herrenschneiderin und Gewandmeisterin ist, nähert sich den Figuren gerne zeichnerisch an. Hilfreich ist es für sie, wenn sie dann schon weiß, wer die Rolle spielen wird. „Die Körperlichkeit ist für mich sehr wichtig“, sagt sie. Beim „Brandner Kaspar“ mussten viele Kostüme neu angefertigt werden. Da hatte der Fundus nicht viel Passendes geboten, obwohl er auf drei Stockwerken zu je 60 Quadratmetern eine beeindruckende Vielfalt bereithält. In solch einem Fall arbeitet Sibylle Schulze mit Isabella Winter zusammen. Winter kümmert sich um alles, was mit Organisation, Zu- und Nacharbeit zu tun hat, und hilft auch beim Anfertigen neuer Kostüme.

Viel unterwegs um Stoffe zu finden

Um entsprechende Stoffe zu finden, ist Sibylle Schulze viel unterwegs. Vier Stoffläden gibt es in der Nähe des Theaters. Einer von ihnen hat auch Reste von Filmproduktionen. Natürlich stöbert Schulze auch viel im Internet – und auf Flohmärkten und in Secondhandläden. Denn wo sonst findet man Schuhe oder Kleider mit Gebrauchsspuren? Die sind für manche Figuren, wie etwa die armen Leute im „Brandner Kaspar“, essenziell. Wenn sie nicht fündig wird, müssen die Schauspieler dann schon mal zwei Wochen in Bergschuhen durch den Wald marschieren, damit sie die richtige Patina bekommen. „So ein Füllhorn an Ideen, so eine Fantasie“, schwärmt Susanne Heydenreich und schaut beide Frauen an: „Echte Frauenpower!“

„Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“: ab 18. April, meist 19.30 Uhr, Theater der Altstadt, Tickets 07 11 / 99 88 98 18