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Theater der Altstadt Brandner Kaspar trickst den Tod aus

Von Anna Belting 

Was tun, wenn plötzlich der Tod an die Tür pocht? In dem komödiantischen Märchen „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ sichert sich ein gewitzter Schlosser und Jagdgehilfe mehr als eine Dekade Lebensjahre. Premiere ist am 15. März, Regie führt Susanne Heydenreich.

Bei den Proben zum „Brandner Kaspar“ (von links): Christian Sunkel spielt den Simon, Jörg Pauly den Florian und Franz Xaver Ott spielt den Brandner Kaspar. Foto: Veranstalter
Bei den Proben zum „Brandner Kaspar“ (von links): Christian Sunkel spielt den Simon, Jörg Pauly den Florian und Franz Xaver Ott spielt den Brandner Kaspar. Foto: Veranstalter

Die Erzählung hat Franz Kobell 1871 in oberbayrischer Mundart verfasst. Kobells Ururenkel Kurt Wilhelm wandelte sie in ein – ebenfalls auf Bayrisch verfasstes – Theaterstück um. Das Theater der Altstadt hat das Stück nun ins Schwäbische übertragen und in einer fiktiven schwäbischen Region angesiedelt. Der Brandner Kaspar ist ein Schlitzohr: Er hat noch keine Lust, sein irdisches Dasein zu beenden, und überredet den knochigen Gast zu einem Kartenspiel. „Der Tod trinkt während des sich ergebenden Dialogs etliche von Kaspars angebotenen Schnäpsen, die nicht ganz wirkungslos bleiben“, schildert Heydenreich Kaspars List. Dank der Schnäpse gelingt es dem Todgeweihten, den Tod zu beschummeln und so weitere 18 Lebensjahre zu gewinnen.

Monika Hirschle, bekannt aus Theater, Film und Fernsehen

In Heydenreichs Inszenierung übernimmt den Part des Todes Monika Hirschle, bekannt aus Theater, Film und Fernsehen, die auch selbst Mundart Theaterstücke schreibt. Die damalige Dramaturgin Katharina Altmann war Urheberin der Idee, die Rolle des Todes weiblich zu besetzen. „Die Gesellschaft ist schon lange im Dialog um die Anerkennung verschiedener Geschlechter und ihrer Gleichheit“, sagt Heydenreich. „Wo ist denn in Stein gemeißelt, dass der Tod männlich ist?“ Ihr gefällt „dieser androgyne Ansatz, diese Unbestimmtheit eines machtvollen Wesens, das durch die Unbestimmbarkeit etwas Unfassbares, Wesenloses bekommt“.

„Die Hierarchien sind im Himmel nicht anders als auf Erden“

Die feuchtfröhliche Auszeit bleibt indes nicht ohne Folgen: „Die Hierarchien sind im Himmel nicht anders als auf Erden“, so Heydenreich. Brandners Enkelin Marie, die infolge des unlauteren Handels zu früh abberufen wurde, erzählt Petrus alles, und der besteht darauf, den Richtigen ins Jenseits zu befördern. So lässt der Tod den Brandner Kaspar – angeblich auf Probe – die paradiesischen Freuden im Himmel kosten. Doch was ist, wenn vorher noch das Fegefeuer droht? „Wir alle haben Ängste und auch Hoffnungen und Sehnsüchte, die sich am Schluss doch nicht umsetzen lassen. Hier ist es nicht anders, ich glaube, das macht dieses Stück liebenswert“, sagt Heydenreich. Kurt Wilhelms Werk hat denn auch einen Siegeszug über die Theaterbühnen angetreten und wurde schon „zweimal legendär verfilmt“. Am Münchner Residenztheater war „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ ein Dauerbrenner mit über 1000 Aufführungen.

Derb, aber auch feinsinnig und berührend

Mikael Bagratunis musikalische Gestaltung wird das Stuttgarter Publikum mit Jagdmotiven und Wald­geräuschen in die Natur entführen und Siegfried Albrechts Bühnenbild ins fiktive Bergland. Im Stück treten neben den Protagonisten Jäger, Wilderer und Dorfbürger auf – einfache, direkte Menschen, die oft kein Blatt vor den Mund nehmen. „Trotz der Derbheit, mit der sich die Figuren manchmal behandeln, ist es aber ein Märchen und ebenso feinsinnig und berührend“, meint Heydenreich. Auch die Zärtlichkeit junger und älterer Liebender und treue Großvaterliebe prägen das Stück. „Der Tod ist unausweichlich, aber die märchenhafte Utopie bietet vorübergehenden Trost, das Schicksal und den großen Abschied zu akzeptieren“, sagt Heydenreich. So findet das Stück dann ein versöhn­liches Ende.

„Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“, ab 15. März, 19.30 Uhr, Theater der Altstadt, Tickets 07 11 / 99 88 98 18