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Theater der Altstadt „Mutter Courage“ - Vom Geschäft mit dem Krieg

Von Gabriele Metsker 

Das Theater der Altstadt in Stuttgart schenkt sich zum 60. Geburtstag eine ganz besondere Produktion: Denn Bertholt Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“ hat es in dieser Form in all den Jahren hier noch nicht gegeben.

 Foto: Veranstalter
Foto: Veranstalter

Nicht jeder wünscht sich Frieden. Schließlich lassen sich in Kriegszeiten hervorragend Geschäfte machen, wenn man es richtig anstellt. Das war schon im Dreißigjährigen Krieg so, und das ist heute nicht anders. Deswegen mag Bertolt Brechts Stück „Mutter Courage und ihre Kinder“ in vergangenen Zeiten spielen. Auf der Bühne im Theater der Altstadt stehen aber blaue Öltonnen und Armee-Benzin­kanister aus dem Hier und Jetzt. Im Container arbeitet Mutter Courage am Computer. Kein Zufall.

Die Produktion, die sich das Theater der Altstadt zum 60. Geburtstag schenkt, wird von Uwe Hoppe inszeniert. Susanne Heydenreich, die Intendantin, spielt die Titelrolle. Schon einmal hatte sie diese Rolle vor etwa 20 Jahren. „Aber damals war ich zu jung“, sagt sie. „Ich habe jetzt eine andere Einstellung. Für das, was Brecht will, muss man ein gewisses Alter haben – und Lebenserfahrung.“ Eine große Aufgabe sei diese Rolle, meint Uwe Hoppe, der es „genial“ findet, wie Brecht die ziemlich kritische Aussage des Stücks „in eine witzige Handlung verpackt“. Das steht für ihn in keinerlei Widerspruch dazu, dass er es im Moment wichtig findet, ein Stück über Krieg zu machen. „Leider“, wie er hinzufügt.

Ein noch immer hochaktuelles Stück

Hochaktuell findet er Brechts Stück, das 1941 uraufgeführt wurde: „Merkantiles Verhalten führt dazu, dass Kriege weiterhin geführt werden“, bringt er die Essenz des Stücks auf den Punkt. „Der Krieg ist nix als die Geschäfte“ lautet das Motto der Courage in der siebten Szene. Und sie will zu den Gewinnern gehören. Dabei verliert sie ihre drei Kinder, von denen jedes einen anderen Vater hat: den kühnen Eilif, den ehrlichen Schweizerkas und die selbstlose, stumme Kattrin. An ihren Schicksalen wird deutlich, wie sich Werte in ihr Gegenteil verkehren können – je nachdem, ob gerade Krieg herrscht oder Frieden ist. Eilif wird in Kriegszeiten für sein Rauben und Morden als mutiger Held verehrt. Als er in Friedens­zeiten dasselbe Verhalten an den Tag legt, wird er dafür mit dem Tod bestraft. Schweizerkas, dem Redlichkeit über alles geht, bezahlt für die Verteidigung der Regimentskasse mit seinem Leben. Und Kattrin, die die Stadt vor einem Überfall durch Landsknechte warnt, überlebt dies ebenfalls nicht.

Im Stück kommen die einfachen Menschen vor

„Im Stück kommen die einfachen Menschen vor“, so Hoppe. „Hier wird mit Mitteln gearbeitet, die viel an Volkstheater erinnern. Da ist keine abgehobene Sprache und kein moralischer Zeigefinger. Und es gibt keine Lösung. All das ist hoch­aktuell. Es ist eines der ganz großen, guten Anti-Kriegsstücke.“

Obwohl es Hoppes erste Inszenierung von „Mutter Courage“ ist, sieht er seine Arbeit nicht als beängstigende Herausforderung. „Es macht einfach Spaß.“ Da werde gestorben, gehurt, gemordet und vergewaltigt: „Aber alles wirkt heiter. Das Stück will unterhalten.“ So singen alle zum Schluss zur Musik von Paul Dessau: „Und was noch nicht gestorben ist, das macht sich auf die Socken nun.“

Brecht hat dieses Stück immer wieder weitergeschrieben und verändert. Als Grundlage für die Aufführung im Theater der Altstadt hat Hoppe die autorisierte Fassung von 1949 gewählt, die auch nicht „eklatant umgeschrieben“ sei. Von Brecht selbst gibt es ein Buch mit sehr ausführlichen Regieanweisungen. Die hat Hoppe nicht immer befolgt – schon allein deswegen, weil sein Ensemble weniger groß ist als jenes, das Brecht zur Verfügung hatte. Aufmerksam studiert hat er es trotzdem. „Es war oft sehr hilfreich, um den Text zu verstehen. Um zu wissen, was er sich an dieser oder jener Stelle dabei gedacht hat.“

Ensemble überschaubar gehalten

Das Ensemble hat er mit Bedacht überschaubar gehalten, damit jeder genug zu spielen hat – und zu singen. Dass das Ganze als Spiel aus einer gewissen Distanz gedacht ist, machen die Akteure gleich zu Beginn deutlich, indem sie zum Bühnenrand gehen und sich dem Publikum zeigen, ehe sie ihre Positionen auf der Bühne einnehmen.

Eine besondere Produktion ist es, die sich das Theater der Altstadt zum 60. Geburtstag schenkt. Denn Brechts „Mutter Courage“ hat es in dieser Form in all den Jahren hier noch nicht gegeben. Von ihm stand 1979 „Die Gewehre der Frau Carrar“ auf dem Spielplan, 1993 eine stark gekürzte Version der „Courage“, außerdem Liederabende mit Kompositionen von Kurt Weill.

Uwe Hoppe jedenfalls ist begeistert vom Stück – und vom Ensemble: natürlich von Susanne Heydenreich als Mutter Courage, aber ebenso von Bernadette Hug als Yvette, Stefanie Friedrich als Kattrin, Irfan Kars als Eilif, Lou Bertalan als Feldprediger, Dirk Emmert als Koch sowie Ruben Dietze und Bernhard Linke in verschiedenen Rollen.

„Mutter Courage und ihre Kinder“: Premiere am 16. November, 20 Uhr, Theater der Altstadt, Karten unter 07 11 / 99 88 98 18