Theater der Altstadt Stuttgart „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“: Eine Seelenreise

Von lyf 

Regisseur Bruno Klimek gibt mit der Bühnenfassung von Peter Høegs gleichnamigem Roman „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ sein Debüt am Theater der Altstadt. Am 22. November ist Premiere.

Schnee ist im Theaterstück „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ ein zentrales Thema. Am 22. November ist Premiere im Theater der Altstadt.  Foto: Adobe Stock/Vadym Cherenko
Schnee ist im Theaterstück „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ ein zentrales Thema. Am 22. November ist Premiere im Theater der Altstadt. Foto: Adobe Stock/Vadym Cherenko

Wenn die anstehende Bühnenproduktion im Theater der Altstadt ein Bild wäre: Es wäre alles vorhanden. Und das, obwohl die Proben gerade erst begonnen haben. Trotzdem weiß Regisseur Bruno Klimek bereits, worauf es ihm bei „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ ankommt.

Allerdings kann der 1958 in Stuttgart geborene Hochschuldozent, Theater- und Opernregisseur, der mit der Bühnenfassung von Peter Høegs gleichnamigem Roman sein Debüt am Theater der Altstadt gibt, das fertige Bild im Kopf bisher nur unscharf sehen. Damit das Diffuse zugunsten klarer Konturen schwindet, braucht er die Schauspieler. Erst mit ihren Ideen, ihrer Präsenz, ihren Stimmen, ihrem Ausdruck werden Inhalt und Form konkret. Premiere ist dann am 22. November.

Klimek hat sofort zugesagt, als er das Angebot bekam, „Fräulein Smilla“ auf die Bühne zu bringen. „Anders als die aus meiner Sicht missglückte Verfilmung hatte ich das Buch in guter Erinnerung und gleich eine mögliche Besetzung vor Augen“, erzählt er.

Smilla wird von Stefanie Friedrich gespielt

„Während Peter Høeg in seinem Roman viele verschiedene Welten entstehen lässt, vom Krimi ins Mysteriöse wechselt und auch gesellschaftskritische Fragen stellt, muss sich das Theaterstück allerdings viel stärker fokussieren.“ In seiner Version nach der Textfassung von Andreas Herwarth, in der es auch um Zugehörigkeit und Identität gehen wird, sollen Smilla und der tote Inuit-Junge Jesaja im Zentrum stehen, dessen Schicksal durch die Hauptfigur imaginiert wird. Smilla wird von Stefanie Friedrich gespielt.

Smilla sei eine rätselhafte Frau, klug, gebildet, dennoch auf Sozialhilfe angewiesen, unfähig, mit anderen in Beziehung zu treten. „Das Stück spielt in Smillas Kopf“, umreißt Klimek seinen Ansatz. „Indem sie sich auf die Suche nach dem Schicksal Jesajas macht, begibt sie sich auf die Suche nach sich selbst.“

So erübrigt sich ein Bühnenbild im klassischen Sinn. „Das Publikum erlebt eine psychologische Situation, keine räumliche“, sagt Klimek, der optisch vor allem auf die Wirkung von Licht und Schatten setzen will.

„Fräulein Smillas Gespür für Schnee“: Kälte wird akustisch erzeugt

Es liegt nahe, einen Opernregisseur auch nach dem Einsatz und der Rolle von Musik zu fragen. Doch Klimek hat festgestellt, dass er, seit er sich dem Musiktheater verschrieben hat, als Theaterregisseur auf Musik lieber erzichtet. Wohl aber will er einen Klangraum erzeugen. Dafür hat er die Sounddesignerin Nathalie Brum mit einer Stichwortsammlung rund um Eis, Schnee und Kälte versorgt. Nun ist es an ihr, daraus einen akustischen Erlebnisraum zu erschaffen.

Bleibt die Frage, ob das Publikum Høegs Romanvorlage gelesen haben sollte, bevor es das Stück auf der Bühne sieht. „Das ist mir völlig wurscht“, so Klimek. „Hauptsache, die Zuschauer lassen sich von der Geschichte mitnehmen, tauchen ein in Smillas Welt und sind am Ende so beeindruckt von der Inszenierung, dass sie noch in 25 Jahren daran zurückdenken.“

Info: „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“: Premiere 22. November, 19.30 Uhr, Theater der Altstadt, Tickets 07 11 / 99 88 98 18 sowie online.