Theater der Altstadt Stuttgart "Mutter Courage" - von der Kunst, eine Stumme zu spielen

Von gab 

Stefanie Friedrich spielt ab dem 1. November die Kattrin in Bert Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“ im Theater der Altstadt. Das Besondere: Ihre Figur ist stumm. Eine Herausforderung für die Schauspielerin.

Stefanie Friedrich (links) spielt die Kattrin in der Inszenierung von Brechts Mutter Courage am Theater der Altstadt. Susanne Heydenreich spielt die Mutter Courage. Foto: Sabine Haymann
Stefanie Friedrich (links) spielt die Kattrin in der Inszenierung von Brechts "Mutter Courage" am Theater der Altstadt. Susanne Heydenreich spielt die Mutter Courage. Foto: Sabine Haymann

Schauspieler müssen vor allem sprechen können: mit ihrer Stimme, ihren Gebärden, ihrer Mimik. So erzählen sie dem Publikum alles Wichtige über die Figur, die sie auf der Bühne darstellen. Stefanie Friedrich muss, wenn sie die Kattrin in Bert Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder" spielt, auf eines dieser elementaren Gestaltungsmittel verzichten: ihre Stimme. Denn Kattrin, die Tochter der Marketenderin Anna Fierling, ist durch ein traumatisches Erlebnis verstummt.

"Mein erster Gedanke, als ich die Rolle bekommen habe, war: Das ist ganz leicht. Da muss ich keinen Text lernen", sagt die Schauspielerin und lacht. "Direkt davor hatte ich ,Die Jungfrau von Orleans‘ gespielt. Das war sehr viel Text. Daher dachte ich – das mache ich mit links", erzählt Stefanie Friedrich. Dem war absolut nicht so, wie sie sehr schnell gemerkt hat. "Man kann nur noch mit dem Körper arbeiten, mit Gestik und Mimik." 

Durch das gesprochene Wort ist ganz klar, was gemeint ist. Auf einmal nur noch den Körper zur Verfügung zu haben, ist da nicht ganz einfach. Denn es ist wichtig, wie die 32-Jährige sagt, nicht zu übertreiben oder gar in Clownerie zu verfallen. "Die Bewegungen müssen natürlich sein und trotzdem vermitteln, was die Figur aussagen möchte. Da man auf der Bühne ist, darf die Bewegung nicht zu klein sein. Es muss auch die letzte Reihe erreichen." 

Mutter Courage: Jede Inszenierung ist anders

Sie hat sich viele Inszenierungen im Internet angesehen – sogar auf Russisch. Die Sprache war in diesem Fall nebensächlich. Keine sei wie die andere gewesen, erzählt Stefanie Friedrich. Schlussendlich hat sie durch viel Suchen und Ausprobieren herausgefunden, wie sie "ihre" Kattrin gestaltet. Ihre Kollegen haben ihr viel dabei geholfen, wie sie sagt. "Wie sie mit mir umgehen, was über Blickkontakt geschieht. Am Anfang ist sie extrem schüchtern und zurückhaltend, aber auch tough, denn sie ist im Krieg geboren und zieht mit ihrer Mutter und dem Wagen durch den Krieg", charakterisiert die Darstellerin ihre Figur. "Sie ist vorsichtig, bis sie weiß, wie sie mit den Menschen umgehen kann. Bei ihrem Bruder Schweizerkas ist sie zutraulich, das ist der Anständige, etwas Naive der beiden Brüder. Und zu ihrer Mutter hat sie ein sehr enges, vertrautes Verhältnis." Diese sei manchmal zu schützend um sie herum, findet Friedrich. Aber Kattrin sauge trotzdem das Leben auf, von dem sie umgeben sei.

Eine Haltung verkörpern

"Für mich entwickelt sie im Laufe des Stücks die Stärke, die sie schließlich bewusst den eigenen Tod in Kauf nehmen lässt, um das Leben der anderen zu schützen. Das finde ich das Schöne am Theater, dass sich eine Figur entwickeln kann", sagt die Schauspielerin. "Im Stück vergehen mehrere Jahre. Das macht etwas mit der Figur."

Stundenlang auf der Bühne zu stehen und nichts zu sprechen zu haben, das kann sehr anstrengend sein, weiß Friedrich jetzt. Für sie ist die Kattrin in "Mutter Courage" ein Rollendebüt. "Ich mag Kattrin total", erklärt Stefanie Friedrich mit strahlenden Augen. "Diese Rolle hat mich handwerklich deutlich weitergebracht. Und ich finde Kattrin sehr liebenswert: Sie hat eine Haltung, und sie steht dazu." 

"Mutter Courage und ihre Kinder": Wiederaufnahme am 1. November, 19.30 Uhr, Theater der Altstadt, Tickets 07 11 / 99 88 98 18 oder online.