Theater der Altstadt Wommy Wonder hat was zu feiern

Von Gabriele Metsker 

Michael Panzer alias Frl. Wommy Wonder feiert 35-jähriges Bühnen­jubiläum in diesem Sommer im Theater der Altstadt. Im August und September gibt es abwechselnd drei Gastspielshows voller Kabarett, Comedy, Chanson und Travestie für Herz, Hirn und Zwerchfell.

Frl. Wommy Wonder feiert ihr feiert 35-jähriges Bühnen­jubiläum ausgiebig im Theater der Altstadt. Foto: Veranstalter
Frl. Wommy Wonder feiert ihr feiert 35-jähriges Bühnen­jubiläum ausgiebig im Theater der Altstadt. Foto: Veranstalter

Eine Dame altert selbstverständlich nicht. Aber wie schafft es Frl. Wommy Wonder, so unverändert frisch und überraschend zu bleiben?

Danke fürs Lob ... das Geheimnis meiner Optik ist „Entfernung und Beleuchtung“. Ich bin eine Abstands-Schönheit und eher die 30-Watt-Attraktion. Auf die Nähe und im Hellen fällt das Urteil sicher anders aus. Ich versuche halt, alles authentisch und stimmig zu präsentieren, sodass Herz, Hirn und Zwerchfell gleichermaßen angesprochen werden. Insofern gibt es bei mir eine große Bandbreite von Inhalten, die ich gegen den Strich bürste, und die ganze Klaviatur der Gefühle. Meine Shows sind Achterbahnen der Emotionen und so was wie ein Rendezvous mit dem Publikum, wo beide Seiten sich aufs Gegenüber freuen und hinterher etwas mitnehmen.

Natürlich pflegt eine echte Dame sorgsam ihren Stil. Haben sich die Garderobe und das Styling von Frl. Wommy Wonder trotzdem im Lauf Ihrer Karriere verändert und sich von Modetrends beeinflussen lassen?

Da sich meine Figur ständig ändert, ohne dass ich das wollte, und sich auch mein Programm ständig entwickelt, passe ich meine Garderobe entsprechend an. Von Modetrends beeinflussen lassen kann ich mich nicht, weil die meist für dürre Kleiderständer konzipiert sind und an mir lächerlich wirken würden. Grazile Formen sind in meiner Gensequenz nicht verankert. Insofern liegt meine Herausforderung darin, aus unförmigen Grundstrukturen eine passable Optik zu modellieren. Da bei mir im Publikum aber viele dieselben Probleme haben, bin ich wohl auch Inspiration für andere.

Hat sich die Herstellung ihrer unverwechselbaren Perücken gewandelt?

Ja, als ich die vor 20 Jahren mit dem hyperbegabten Joey Love konzipiert habe, wurden wir müde belächelt. Damals waren die Frisuren rudimentärer, heute sind sie filigraner. Das benötigt viel Arbeit und Talent, was viele nicht haben, die hemmungslos abkupfern und meist auf dem Stand sind, den Joey vor 20 Jahren schon hinter sich gelassen hat. Er ist einfach der Champ!

Wie kann man es schaffen, über so viele Jahre elegant auf Killer-Heels zu stöckeln?

Elegant stöckle ich nur, wenn es sich um eine ebene Fläche handelt. Auf Kopfsteinpflaster leidet die Grazie, und Treppen habe ich schon immer gehasst. Das liegt daran, dass ich über die Oberweite hinweg nicht den Boden sehe und die meisten Stufen nur für Größe 38 bis 40 geeignet sind. Mit Größe 46 muss man die Treppe schräg nehmen, sonst steht man mit dem halben Schuh im Freien und kippt. Seit ich mir auf einer zu schmalen Stufe einmal den Knöchel angebrochen habe, geht mein Körper bei Treppen in natürliche Abwehrhaltung. Mit meinem Orthopäden bin ich zwischenzeitlich auf Du und Du, mit Kniescheibenentzündung auch ...

Wie kriegt Michael Panzer es hin, dass Wommy Wonder und Elfriede Schäufele sich nicht ins Gehege kommen oder gar eifersüchtig aufeinander sind?

Die beiden leben in erzwungen-friedlicher Koexistenz, weil sie eigentlich wissen, dass die eine ohne die andere nicht kann und sie sich in Optik und Humor ergänzen. Jede für sich funktioniert, aber beide zusammen sind wie Yin und Yang. Das schweißt irgendwie zusammen.

Der Schwabe kann wunderbar über sich selbst lachen

Welche Rolle spielt bei alledem das Schwäbische?

Sprachlich passe ich mich an. Im schwäbischen Umfeld blitzt das Schwäbische durch, in Norddeutschland tritt es etwas zurück. Seltsamerweise funktioniert dort Elfriede Schäufele wunderbar – allen Unkenrufen zum Trotz. Vom Humor liebe ich das, was Schwäbisch ausmacht: Diese pointierte, furztrockene Sicht aufs Leben, die in dem Wort „knitz“ so wunderbar beschrieben ist. Und entgegen der landläufigen Vorurteile kann der Schwabe wunderbar über sich selbst lachen – es muss halt herzlich formuliert sein. Herablassende Vorwürfe mag der Schwabe nicht. Zu Recht!

Woher bezieht Michael Panzer über so viele Jahre die Inspiration für seine Programme?

Aus dem Alltag. Da findet oft unfreiwillig Realsatire statt, die man, „nur noch“ ein wenig überspitzt formuliert, auf die Bühne bringen muss. Und leider gibt’s momentan auch viel zu viel, was man nur noch mit Humor ertragen kann. Insofern tut’s mir auch selbst gut, Sachen, über die ich mich ärgere, mit Witz verdaulich zu machen.

Wie stehen Frl. Wommy Wonder und Elfriede Schäufele zu Themen wie Digitalisierung und Globalisierung?

Da haben beide dieselbe Meinung: Braucht’s nur, wenn’s nötig ist, beherrschbar bleibt, bezahlbar ist und die Menschen einander näherbringt. Und da hapert es bei den meisten Projekten gewaltig. Das Übel unserer Zeit ist eh oft, dass das zugrundeliegende Thema eigentlich wichtig und nützlich wäre, aber viel zu schnell übertrieben, konterkariert und ad absurdum geführt wird.

Wofür liebt das Publikum Frl. Wommy Wonder, Elfriede Schäufele und Michael Panzer?

Vielleicht für Authentizität – und dafür, dass da Figuren auf der Bühne die Probleme beschreiben und meistern, die die meisten im Publikum ebenfalls kennen. Das befreit und verbrüdert. Außerdem stehen da Typen auf der Bühne mit Ecken, Macken und Kanten, bei denen eine Heidi Klum wahrscheinlich sagen würde: „Tut mir leid, ich habe heute kein Foto für dich!“

Frl. Wommy Wonder – „Reizend! Die Jubiläums-Show“: 1. August bis 1. September, wechselnde Anfangszeiten; Frl. Wommy Wonder – „Reizend! Die große Show“: 3. bis 15. September, wechselnde Anfangszeiten; „Wommy trifft ... Ein Abend mit Freunden“: immer dienstags im August, 19 Uhr; Theater der Altstadt, Tickets gibt es unter 07 11 / 99 88 98 18 oder online.