Erfolg für das Stuttgarter Theater von Armin Petras: Die Kritiker haben Peter Kurth zum besten Schauspieler gewählt, Katharina Knap zur besten Jungschauspielerin.

Kultur: Tim Schleider (schl)

Stuttgart - Große Ehre für das Stuttgarter Schauspielensemble: Bei der jährlichen Bilanz der Fachzeitschrift „Theater heute“ haben die deutschen Theaterkritiker gleich zwei ihrer Titel an das Staatstheater unter Leitung von Armin Petras vergeben: Peter Kurth ist zum „Schauspieler des Jahres“ gewählt worden, Katharina Knap zur besten Nachwuchsschauspielerin. Beide gefielen den Kritikern am besten in der Tschechow-Inszenierung „Onkel Wanja“ von Robert Borgmann, die im Mai ja auch schon zum Berliner Theatertreffen eingeladen worden war.

Peter Kurth (57) gehört schon seit längerer Zeit zur ersten Schauspielergarde im Land und ist nicht nur dem Theater-, sondern auch dem Film- und Fernsehpublikum wohlbekannt. Dass es Armin Petras vor einem Jahr gelungen war, ein solches Künstlerkaliber aus der Hauptstadt mit ins Stuttgarter Ensemble zu bringen, sorgte durchaus für Aufsehen und zeugt vor allem von der künstlerischen Verbundenheit der beiden. Das Stuttgarter Publikum hat Kurth in der vergangenen Saison nicht nur als Wanja, sondern auch als Kommissar in Friedrich Dürrenmatts „Versprechen“ und als Galileo Galilei überzeugt.

Die 32-jährige Katharina Knap ist Armin Petras zuliebe vom Burgtheater Wien nach Stuttgart gewechselt – und hat sich durch ihre Auftritte als Frau Brigitte im furiosen „Zerbrochenen Krug“ und als Theresa in der Studioproduktion „Fahrerflucht/Fluchtfahrer“ sofort hervorgetan. Und gemeinsam mit Peter Kurth und dem übrigen Ensemble schaffte sie es, dass der „Onkel Wanja“ in Stuttgart nicht nur durch eine anspruchsvolle Inszenierung, sondern auch durch seine darstellerisch-psychologische Dichte den Zuschauer traf.

Bilanz der ersten Petras-Saison kann sich sehen lassen

Zum „Theater des Jahres“ haben die 44 Theaterkritiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz das Berliner Gorki-Theater gewählt. Nach dem Wechsel des Ex-Gorki-Intendanten Armin Petras hat die neue Chefin Shermin Langhoff das kleine Haus im Herzen der Hauptstadt mit einem multikulturellen Ensemble, vielen kritischen Themen und einer popkulturell geprägten Ästhetik völlig neu aufgestellt. Die Energie, die seitdem vom Gorki ausstrahlt, wurde bereits im Frühjahr auch von der Theodor-Heuss-Stiftung gewürdigt, die Langhoff in Stuttgart mit einer Heuss-Medaille auszeichnete. Auf Platz zwei in der Gesamtwertung kamen die Müchner Kammerspiele – und immerhin auf Platz drei das Stuttgarter Staatsschauspiel.

Summa Summarum eine tolle Bilanz für die erste Petras-Saison. So stark wie diesmal wurde das Stuttgarter Schauspiel von der überregionalen Kritik lang nicht mehr wahrgenommen.

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