Theater in Bad Cannstatt Skurril mit Stil

Von Gabriele Metsker 

Das Ensemble des Kulturkabinetts hat mit „Mr. Butler“ englischen Humor vom Feinsten mit Witz und Unerschrockenheit auf die Bühne gebracht.

Und am Ende  kommt doch wieder alles anders, als man denkt. Foto: Gabriele Metsker
Und am Ende kommt doch wieder alles anders, als man denkt. Foto: Gabriele Metsker

Seelberg - Gibt es tatsächlich einen Mörder, der Sir Robert Charles auf dem Gewissen hat? Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich nebensächlich in Eric Idles Schauspiel „Mr. Butler“, das am Freitag im Kulturkabinett (KKT) Premiere gefeiert hat. Zum ersten Mal in der fast zehnjährigen Geschichte seines Bestehens hat sich das KKT-Ensemble an ein bestehendes Stück eines Autoren gewagt – auf einhelligen Wunsch der Akteure. Bislang haben sie ihre Stücke immer selbst entwickelt. Insofern war es gleich eine doppelte Premiere. Und sie war ein voller Erfolg.

Zusammen mit der Regisseurin Katharina Wanivenhaus haben die sehr professionell und mit großer Leidenschaft agierenden Amateure das Zwerchfell ihres Publikums ordentlich strapaziert und zugleich auf herrlich böse Weise Blicke in die Abgründe der menschlichen Seele gewährt. Autor Eric Idle, Gründungsmitglied von Monty Python und damit ausgewiesener Experte für tiefschwarzen englischen Humor, lieferte ihnen dafür die passenden Dialoge. Vordergründig finden sich in „Mr. Butler“ die Mitglieder der Familie Charles im Salon ein, um die lebenserhaltende Maschine abzuschalten, an die Sir Robert angeschlossen ist. Dass diese mitunter ein drolliges Eigenleben führt, ist ein kleines dramaturgisches Sahnehäubchen – umgeben von Kitschporträts der englischen Royals an der Wand.

Weitaus skurriler gebärden sich indes Lady Charles (Susanne Geisel), ihre Kinder Hugo (Lukas Kunze), Nigel (Arno Vogel) und Annabelle (Katharina Weiss) sowie die Hebamme Kitty (Sabine Steck) und natürlich der Butler der hochwohlgeborenen Familie (Hansi Schübel). Wie es sich für echte Angehörige der Oberklasse gehört, verbringen sie ihre Zeit stilvoll mit sinnlosen Tätigkeiten: etwa mit dem Wettstreit, wer in seiner Tageszeitung die Meldung mit den meisten Todesopfern findet. Dass sie so richtig die Contenance verlieren, das schafft eigentlich nur das Elektrizitätswerk, dem sie noch eine Menge Geld schulden für den Strom, der Sir Roberts Maschine am Laufen hält. „Und das kann man noch nicht einmal von der Steuer absetzen“, wie Hugo höchst indigniert anmerkt.

Weitere Aufführungen von „Mr. Butler“ folgen

Aber es kommt noch schlimmer: Da taucht ein Journalist auf, der in Wirklichkeit ein Polizist ist (Peter Rautenberg) und ein Polizist, der im echten Leben als Journalist sein Geld verdient (Katharina Weiss). Um die Familienehre zu retten, werden diese unliebsamen und höchst proletarischen Subjekte gerne in den Schrank gesperrt. Trotzdem kommt nach und nach eine ungeheuerliche Neuigkeit nach der anderen ans Licht. Auch Familienfreund Ronnie (André Kiesler) spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Wenn er die Zeit dazu findet – denn schließlich gilt es, die Tennis-Spiele in Wimbledon am Bildschirm zu verfolgen.

„Nichts ist, wie es bleibt“: Der Untertitel des 1981 uraufgeführten Stückes könnte treffender nicht sein. An keiner Stelle ist die Handlung vorhersehbar. Das macht aber nichts, denn die Akteure tun alles dafür, dass das Publikum den Moment auskosten kann und aus dem Erstaunen, Erschrecken und Kapputtlachen nicht herauskommt. Schlotternd verstecken sie sich hinter dem Sofa, um der Zahlungsaufforderung des Elektrizitätswerkes zu entgehen. Mit großer Hingabe wird ein Elefantenstoßzahn – wohl noch aus den goldenen Zeiten des British Empire – mal wahlweise zum Tennisschläger oder zum Phallussymbol. Das hat wiederum der Butler Mr. Butler gar nicht nötig – ihn vernascht die Tochter des Hauses so gar nicht ladylike. Und das nicht nur einmal.

Ungerührt stilvoll nehmen dann doch alle ihren Sherry, ehe es an die feierliche Abschaltzeremonie geht. Denn ihren Snobismus pflegt die Familie Charles mit größtmöglicher Hingabe. „Er war langweilig über jede Vorstellung hinaus“, bemerkt die Witwe in spe zum fast schon Verstorbenen. „Und er war stolz darauf. Eine Idealbesetzung für die Politik.“ Unversehens wird der durch das ständige Piepsen der Maschine stets sehr präsente Sir Robert im Verlaufe der Handlung vom Verteidigungsminister zum Premierminister, den man selbstverständlich am Leben halten muss. Und dann kommt doch wieder alles anders, als man denkt.

Info: Zu sehen ist „Mr. Butler“ im KKT nochmals am 12., 13. und 14. Mai sowie am 1. und 2. Juni. Karten gibt es unter der Telefonnummer 0711/56 30 34.

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