„Martina“ und „Sturm hat Drang“ – das sind die Titel der beiden neuen Stücke, die das Vollmond-Theater in diesem Jahr im Spitalhof zeigt. Die Premiere ist am Donnerstag.

Wer hätte gedacht, dass man auf die Melodie von „Guantanamera“ auch „Steckschraubenschlüssel“ singen kann? Sarah Mieth führt es den Zuschauerinnen und Zuschauern in der Rolle des Hausmeisters Kremski bei der Aufführung des Stückes „Sturm hat Drang“ des Vollmond-Theaters vor. Es ist nicht der einzige Moment, in dem man herzlich lachen muss – und das, obwohl die Komödie, die übrigens nichts mit der literarischen Epoche des Sturm und Drang zu hat, ein ernstes Thema hat. Denn Tobias Sturm hat Harndrang und möchte seinem Bedürfnis in einer Toilette des KaDeWe nachgehen. Noch im Vorraum kommen ihm jedoch ständig andere Menschen dazwischen.

 

Bevor das Publikum allerdings mit Tobias Sturm mitleiden kann, zeigt die Theatergruppe bei ihrer aktuellen Vorstellung das Stück „Martina“, das einen nachdenklich zurücklässt. Beiden Stücken gemein ist die Gender-Thematik. Die Premiere ist am Donnerstag, 19. März, im Spitalhof Leonberg.

Vollmond-Theater Leonberg zeigt, wie Hans zu Martina wird

Der arbeitslose Schauspieler Hans Marten verwandelt sich in „Martina“ zu einer Frau namens Martina Hansen. So kann er die einzig freie Rolle einer Polizistin beim Theater ergattern – denn er möchte wieder Geld verdienen. Er spielt die Frauenrolle so hervorragend, dass er sogar für einen Preis nominiert wird. Als er sich outet, fühlen sich insbesondere Kolleginnen und Kollegen von ihm hintergangen und empfinden es als Vertrauensbruch, das er ihnen etwas „vorgespielt“ hat. Und so drängt sich die Frage auf: Ist es verwerflich oder nicht, dass man sich verkleidet, um Arbeit zu bekommen? Der Regisseur Till Schneidenbach sagt: „Das Stück hat bewusst ein offenes Ende.“

Tobias Sturm hadert in „Sturm und Drang“ damit, welche der drei Toilettentüren er in seiner Not öffnen soll: die mit dem Zeichen für Männer, die mit dem Symbol für Frauen oder die dritte mit einem undefinierbaren, vielleicht diversen Zeichen. Da fragt es sich: Muss man sich so viele Gedanken über die Geschlechterfragen machen? Letztlich verlängert Sturm mit seiner Unentschlossenheit seine Qual.

Das Vollmondtheater tritt mit „Martina“ und „Sturm hat Drang“ am 19., 20. und 21. März, jeweils um 19.30 Uhr sowie am 22. März um 18 Uhr im Theater im Spitalhof in Leonberg auf. Foto: Simon Granville

Neben der Gender-Thematik gibt es in „Sturm hat Drang“ zwei weitere Themen, die zum Nachdenken anregen. Martina Wolf spielt die Influencerin Sandy Shiny schrill und überdreht, wodurch mehr als deutlich wird, wie fragwürdig die neuen Medien sind. Adel Hess als hochbetagte Ottilie von Gnadenberg schwelgt wiederum in Nazizeiten.

Daniel Messerschmidt ist in den Titel gebenden Rollen zu erleben. Er wie auch auch alle anderen Schauspieler überzeugen mit ihrer Darstellung und in den unterschiedlichen Rollen, in die sie in den beiden Stücken schlüpfen. Doris Fuchs verkörpert Erna Schröder, die resolute Putzfrau im Toilettenvorraum, mit Herz und Berliner Schnauze ebenso wie die unsensible Theaterregisseurin Alice. Tobias Kegler mimt in „Martina“ nicht nur den Freund und WG-Mitbewohner von Hans Marten, der zu seinem Kumpel steht, aber nicht gut findet, was er macht, und den Influencer Markus, der sich in Martina verliebt. Als Alt-Hippie Hacki weiß er Tobias Sturm wortgewaltig und bildlich zu vermitteln, was in der Toilette gerade mit ihm abgegangen ist. Franziska Kleiner gelingt es, als Schauspielerin Susanne und Ex-Frau von Hans Marten ein farbloses „Persönchen“ zu präsentieren, während sie als Schauspielcoach Colette Dupont in „Sturm hat Drang“ zur selbstbewussten, überspannten Künstlerin wird, die das Theatralische liebt.

Das Vollmond-Theater zeigt „Martina“ und „Sturm hat Drang“ im Spitalhof

Das Vollmondtheater tritt mit „Martina“ und „Sturm hat Drang“ am 19., 20. und 21. März, jeweils um 19.30 Uhr sowie am 22. März um 18 Uhr im Theater im Spitalhof in Leonberg auf.