Theater in Marbach Auf der Schillerhöhe dräuen Umsturz und Unheil
Das Theater unter der Dauseck zeigt Schillers Frühwerk „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“. Bei diesem Drama geht es um die Versuchung der Macht.
Das Theater unter der Dauseck zeigt Schillers Frühwerk „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“. Bei diesem Drama geht es um die Versuchung der Macht.
Ein Stück von Schiller, beginnend auf der Terrasse des Schiller-Nationalmuseums und weitergespielt in Sichtweite seiner Statue: Das Oberriexinger Theater unter der Dauseck bietet den Marbachern einen Theaterspaziergang der besonderen Art. Die Schauspielertruppe präsentiert unter der Regie von Eva Mann „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“ von 1784. Mit dem Untertitel „Ein republikanisches Trauerspiel“, ein wildes Drama um Macht und Herrschaft, Rebellion und Verrat, Totschlag und Liebe, angesiedelt im Genua des Jahres 1547.
Zwei Moderatoren mit unterschiedlichem Temperament, Andrea Banse als korrekter Traugott und Elke Ruhl als hemdsärmeliger Haderer, führen die Zuschauer in und durch die Szenen rund um das Schillermuseum und um das Literaturmuseum der Moderne herum. Auch mit der augenzwinkernden Hilfestellung der Moderatoren erfordert es mitunter eine gewisse Konzentration, angesichts mehrerer Verschwörungen die Übersicht zu behalten. Wer den Inhalt des „Fiesco“ kennt, tut sich leichter.
Die Herrschaft der Familie Doria in Genua ist brüchig, starke Kräfte fordern eine Republik. Fiesco, ein charismatischer Adeliger, spielt eine zunächst undurchsichtige Rolle: Frönt er nur seinen Liebschaften, oder strebt er ernstlich an die Spitze einer Rebellion? Fabian Friedl mimt die Titelfigur, voller Energie, einen Mann, der mit Schläue und Verstellungskünsten die Fäden zieht. Hin- und hergerissen zwischen seinem Ehrgeiz, selber Fürst und Herrscher Genuas zu werden, und dem edleren Bestreben, seine eigenen Ambitionen hintanzustellen, um der Freiheit zum Sieg zu verhelfen. „Sei frei, Genua, und ich dein glücklichster Bürger.“ Schiller hat zwei mögliche Schlusspointen geschrieben. Der Clou dieses Spaziergangs: Das Publikum stimmt darüber ab, welches Ende es lieber sehen will…
Alle Akteurinnen und Akteure tragen zusammen die gewittrige, panische Atmosphäre und das Unheil rund um den Umsturz auf die Schillerhöhe. Günter Hanauer spielt mit brutaler Ellenbogen-Mentalität den Gianettino Doria, den Gegenspieler Fiescos, ein von der Macht deformierter Charakter. Brigitte Neumann verkörpert als arrogante Schwester Julia Zynismus und Koketterie. Michael Doufrain überzeugt als Republikaner Verrina, ein strenger, aufrichtiger Kämpfer für die Freiheit.
Hervorragend agiert Susanne Zehender als Hassan. Von Fiesco gewonnen, schleicht, hastet und intrigiert sich dieser Halsabschneider durch Genua, ein Finsterling, der darauf besteht: „Einen Schurken könnt ihr mich schimpfen, aber den Dummkopf verbitt ich mir.“ Emotional berührend spielt Silke Kutterer die Leonore, Fiescos unglückselige Gattin. In ihrem Elend erkennt sie, die an die Liebe glaubt, die Versuchungen der Macht: „Die Herrschaft hat eherne Augen.“ Und: „Selten steigen Engel auf den Thron, seltener herunter.“
Als Regisseurin hat Eva Mann genau diese Frage beschäftigt, was die Macht mit den Menschen macht: „Sie korrumpiert und zerstört die Person und ihre Beziehungen.“ Dieser Aspekt sei bei „Fiesco“ am stärksten spürbar. Im übrigen, meint die Schweizer Regisseurin, die sich auch als Autorin und Schauspielerin einen Namen gemacht hat, einen Schiller in der Schillerstadt Marbach zu inszenieren, sei schon immer „ein Traum“ von ihr gewesen.
Auftakt ausverkauft
15-mal spaziert das Theater unter der Dauseck mit „Fiesco“ über die Schillerhöhe. Die Premiere am Freitag, 4. Juli, ist ausverkauft. Gespielt wird ferner an allen Freitagen bis 1. August um 20 Uhr, an allen Samstagen ab 5. Juli mit Ausnahme des 19. Juli, bis zum 2. August um 20 Uhr, ferner an allen Sonntagen vom 6. Juli bis 3. August um 19 Uhr, zusätzlich am 20. Juli schon um 14 Uhr.
Eintrittspreise
Vorverkauf über www.theater-dauseck.de oder 0 71 41/9 39 09 36, Eintritt 20 Euro, Schüler und Studierende 8 Euro. Restkarten können zwei Stunden vor Spielbeginn bei der Abendkasse nachgefragt werden, 01 62/7 07 78 79. Die Aufführung eignet sich für Menschen mit körperlichen Einschränkungen.