Theater Rampe am Rotebühlplatz Stuttgart „Study of Slope“ – Erste kulturelle Pop-up-Veranstaltung im alten Kaufhaus

„Nix ist normal“- heißt es in dieser Saison bei Theater Rampe. Foto: Study of Slope/Lina Lapelytè

Die Rampe feiert mit Lina Lapelytės „Study of Slope“ Spielzeiteröffnung im alten Kaufhaus: Vom Reichtum an Ideen, optimistisch-schrägen Tönen und dem Zauber der Kultur im Off-Space.

Einst Horten, dann Kaufhof, nun Leerstand. Das Kaufhaus am Rotebühlplatz ist bekanntlich seit Anfang Januar nach der Filialschließung von Galeria Kaufhof in den Ruhemodus getreten. Seit Längerem sind dort kulturelle Pop-Up-Veranstaltungen im Gespräch. Nun gab es am Freitagnachmittag eine erste Wiederbelebung auf den Flächen in der Eberhardstraße 28. Als Erstveranstalter hat das Theater Rampe den Ort für seine Spielzeiteröffnung genutzt.

 

„Nix ist Normal“, gilt es für die kommende Saison, und richtet sich dabei erneut an die grundsätzlichen Fragen des menschlichen Daseins. Es geht um Politik, um Körper und Ideale, um Klassenverhältnisse – die Künstlerinnen und Künstler des experimentellen Theaters ergründen fiktionale Normen, und was sie mit uns als Menschen und als Gesellschaft machen - nur nicht müde werden.

Ist man am falschen Ort zur falschen Zeit?

Im Chorprojekt von Lina Lapelytė „Study of Slope“, einer Musiktheater-Performance, gibt es Menschen, die singen, es nicht können, und dennoch tun. Dabei erzählen sie, was sie sonst noch alles nicht können. Es beginnt mit einem Klirren und mäandernden Tönen, die sich allmählich zu einem Stück ergeben. Zwölf Protagonisten, alle nicht-professionell, wandeln im Erdgeschoss des alten Kaufhauses umher, vorbei an vergessenen Kleiderständern, alten Werbeplakaten und Kassenbereichen. Sie stehen auf der Rolltreppe und laufen in die Anprobe, vorbei an Pflanzen, die sich scheinbar schon ihren Weg gebahnt haben. Hier war das Kunstprojekt Bureau Baubotanik am Werk.

Das Singen ist bewusst verkehrt gewählt, doch das sich daraus ergebende Lied erzählt eine ganz prinzipielle Geschichte. Im Verlauf des auf 45 Minuten angelegten Stückes ergibt sich ein Spannungsbogen, der aufbegehrend optimistisch daherkommt und nach Ästhetik und Sinngebung fragt. Ist man am falschen Ort zur falschen Zeit? Was gilt als wertvoll und schön?

Weitere künstlerische Projekte im alten Kaufhaus

Die Erfahrung des Missklangs eröffnet neu Gedankenräume, die solche Fragen dann zulässt. Das geht nur im Theater.

Die litauische Performancekünstlerin Lina Lapelytė war bereits Solitude-Stipendiatin und gewann 2019 für ihre Arbeit Sun & Sea den Goldenen Löwen auf der Venedig Biennale. In den kommenden Monaten wird es noch weitere künstlerische Projekte im alten Kaufhaus in der Stadt zu sehen geben. Fraglos, dass das spannend ist. Der Umnutzung von Leerstand zu Kulturflächen obliegt doch immer ein Zauber, und ist auch schließlich eine Bereicherung für die Stadt.

Termine: 28.9., 2.+3.10. Jeweils 17, 18 und 19 Uhr. Eberhardstr. 28

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