Theater tri-Bühne Popsongs im Kaninchenbau

Alice steckt fest: (v. l.) Yeva Ruban, Vitalii Kamskov, Natalja Maas, Maksym Shchur und Olha Sizykh Foto: Tri-Bühne/Anton Avdieiev

Das Theater tri-bühne spielt Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ – als buntes Spektakel mit anspielungsreich ausgewählter Musik.

Alice fällt tiefer und tiefer in den Kaninchenbau. Unter der Erde trifft sie die seltsamsten Leute, und der Sinn, die Logik gehen dort andere Wege. Die Heldin in „Alice im Wunderland“, dem neuen Stück am Theater tri-Bühne, ist nicht mehr das brave aber schlaue Mädchen, das sie im viktorianischen Zeitalter war – sie hat sich verwandelt in eine punkige Göre mit blauem Haar, Jeansrock und Lederjacke. Das weiße Kaninchen, dem sie folgt, ist ein Schauspieler im weißen Trenchcoach. Überhaupt scheint Alice nicht in einen Kaninchenbau gefallen zu sein, sondern in ein psychedelisches Wurmloch der Popmusik.

 

Es beginnt mit einem Piano-Loop, aus dem ein Lied wird. Sebastian Huber, der musikalische Leiter der Show, spielt die berühmte Grinsekatze, tritt hervor und singt Lou Reeds „Perfect Day“, während der Rest des schillernden Ensembles sich auf weißen Plastikstühlen um eine Alice schart, die Kopf steht. Auf der Bühne gibt es sonst nur einen Torbogen, um den sich Moos rankt, ein Paar Möbel und einen Flügel, überwuchert. Köpfe schauen aus wallenden roten Samtvorhängen hervor, die an „Twin Peaks“ erinnern. Eine Schauspielerin singt „White Rabbit“, das Stück von Jefferson Airplane, mit dem „Alice im Wunderland“ zur Parabel der Drogenerfahrung wurde. „I started a Joke“ von denn Bee Gees kommt hinzu, und Alice singt auch „Que Sera“, einst von Doris Day, nun, in Moll, in der Version der Pixies.

Drumherum ein Kommen und ein Gehen der skurrilen Gestalten: Stephen Crane ist die giftgrüne Raupe mit der elektrischen Gitarre, die lässig an einer E-Zigarette saugt, ist außerdem die Königin mit den schweren, tiefen, hängenden, blassen Brüsten. Sebastian Huber spielt auch ein Murmeltier. Nika Altukhova, Vitalii Kamskov, Stefan Kirchknopf, Stefani Matkovic, Yeva Ruban, Makysm Shchur, Olha Sizykh und Aki Tougiannidis sind zu sehen in vielen Rollen. Und Natalja Maas ist Alice, immer neugierig, frech, verblüfft und manchmal sehr kokett.

Schon 1865 erschienen

„Alice in Wonderland“ erschien zuerst 1865. Es zählt zu den berühmtesten Büchern der Welt, es entzückt Kinder, Erwachsene, Logiker, Philosophen, es wurde viele Male verfilmt. Aber man muss, wie eine Zuschauerin nach der Vorstellung versichert, Lewis Carrolls Buch durchaus nicht gelesen haben, um sich an diesem Schauspiel zu erfreuen. Vielleicht ist die Lektüre eher abträglich, verführt sie doch dazu, Vergleiche zu ziehen, Ordnung zu schaffen, im Wunderland. Florian Dehmels Inszenierung setzt auf die Verwirrung, Überwältigung, die die bunte, schrille Aneignung des Stoffes durch ein sehr spielfreudiges Ensemble bieten kann.

Vorstellungen 5., 7. und 8. Feb. und im März

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