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Theater Tri-Bühne Stuttgart Theaterstück „Leonardo – Doppelnatur“: Ein Genie wirft Fragen auf

Von Lydia Franz 

Das Theater Tri-Bühne taucht mit seinem Stück „Leonardo – Doppelnatur“ in die Welt des „Universalgenies“ Leonardo da Vinci ein. Auch Wissenschaftler und Galeristen von heute sind Teil der Geschichte, die über Fragen von Finanzierbarkeit, Ethik und Moral streiten.

Detaillierte Bühnenbilder gehören zur Inszenierung „Leonardo – Doppelnatur“ dazu. Das Theater Tri-Bühne spielt das Stück noch bis Ende April.   Foto: Stefan Kirchknopf
Detaillierte Bühnenbilder gehören zur Inszenierung „Leonardo – Doppelnatur“ dazu. Das Theater Tri-Bühne spielt das Stück noch bis Ende April. Foto: Stefan Kirchknopf

Der Mann aus der Nähe des toskanischen Ortes Vinci, an dessen 500. Todestag im vergangenen Jahr gedacht wurde, faszinierte Anja Panse bereits im Kindesalter. „Ich wollte schon lang ein Stück über Leonardo machen“, erzählt die auch als Schauspielerin und Theaterregisseurin tätige Bühnenautorin während einer Probenpause am Theater Tri-Bühne.

„Da im Jubiläumsjahr viel über sein Leben und Wirken berichtet wurde und die Aufmerksamkeit für seine Person da war, schien mir die Zeit reif für dieses Vorhaben.“ Und so beschäftigte sich die Frau, die auf ihren Italien-Reisen auch die biografischen Orte Leonardos besucht hatte, für ihr neues Stück abermals mit dem 1452 geborenen Universaltalent, das so viel Schönes, aber auch Bedrohliches hinterlassen hat.

Leonardo war nicht nur Maler und Zeichner, sondern auch Anatom, Naturforscher, Erfinder, Architekt, Komponist, Bildhauer, Bühnenbildner und Ingenieur. „In dieser Funktion entwickelte er Kriegsmaschinen und war mit Tyrannen im Bund, die seine Geldgeber waren.“ Auch aufgrund dieser dunklen Seite des hellsichtigen Geistes wählte Panse den Titel „Leonardo – Doppelnatur“. Unter ihrer Regie wird dieses Werk am 19. Februar im Theater Tri Bühne uraufgeführt.

Lebhafte Wortwechsel in „Leonardo – Doppelnatur“

Bei den Proben: Es braucht eine Weile, bis der Blick in dem Gewimmel der Szenerie Halt findet. So viel gibt es dort zu entdecken: eine herzogliche Tischgesellschaft, dargestellt von den teils kostümierten Schauspielern, die den krausbärtigen Leonardo in ihre Mitte nehmen, davor ein ausgestopfter Fuchs, über allem eine Wäscheleine, an der Zeichnungen und Notizen baumeln, hinten mediterrane Topfpflanzen, ein Skelett, Fundstücke, hier und da sind Puppen zu entdecken, an der Seite wird an einer Statue gemeißelt.

Die lebhaften Wortwechsel sind gespickt mit Details aus Leonardos Leben, etwa seine Linkshändigkeit oder der Grundsatz, die Welt allein aus der Erfahrung heraus begreifen zu wollen. Mit dieser Abkehr von der gottgegebenen biblischen Weltsicht bringt der forschende Geist einen Vertreter des Klerus gegen sich auf – und das Herzogpaar zum Lachen. Dazwischen scheint das Geschehen auf der Bühne einzufrieren: Ein Tableau entsteht, das an Leonardos Wandgemälde „Das Abendmahl“ erinnert. Die Autorin und Regisseurin lässt das Publikum ins Atelier und Laboratorium des Tausendsassas blicken, der seiner Zeit weit voraus war.

Doch wie schon bei ihrem 2017 im Berliner Theater unterm Dach uraufgeführten Stück „Rosa – Trotz alledem“ über die für Frauenrechte eintretende Marxistin Rosa Luxemburg interessiert Anja Panse sich darüber hinaus für die Parallelen zu gegenwärtigen Konflikten. Schließlich werfe Leonardo beispielhaft Fragen auf: Wie frei sind Kunst und Wissenschaft, wenn sie von finanziellen Mitteln abhängen? Ist ein Erfinder verantwortlich für die Folgen seiner Einfälle?

Puppen, denen man in die Köpfe schauen kann

Für die Darstellung der Gegenwart nutzt Anja Panse Puppen, denen man in die Köpfe schauen kann. Auch Sigmund Freud, der sich als Analytiker mit Leonardos Bindungsstörung befasst hat, wird zum Leben erweckt. „Diese mosaikartige Struktur von historischer Betrachtung und Bezügen zum Hier und Jetzt habe ich schon bei ,Rosa‘ realisiert“, sagt sie.

Nicht nur der epochenübergreifende Ansatz hat Tri-Bühne-Intendantin Edith Koerber auf Anja Panse aufmerksam werden lassen. „Ich beobachte sie schon länger. Mir gefällt ihre Arbeitsweise, gerade mit Stadttheatern und freien Ensembles“, sagt Koerber. Nun freut sie sich darüber, dass Panses Tri-Bühne-Debüt als Uraufführung nach Stuttgart kommt.

Dort trifft das langjährige Ensemblemitglied Sebastian Huber, der auch für die Musik verantwortlich zeichnet, auf Neuzugänge wie Franziska Sophie Schneider und Stefani Matkovic, die bereits unterm Tagblatt-Turm auftrat, und auf Arne van Dorsten als Gast. Er hat in Panses „Rosa“ mitgewirkt und bereichert das Team mit der Zusatzqualifikation als Puppenspieler. Gemeinsam ist den Darstellern, dass alle mehrere Figuren verkörpern – moderne wie historische. Nur Peter Kaghanovitch spielt allein die Person da Vincis. Doch als Doppelnatur hat die ohnehin viele Facetten.

Info: „Leonardo – Doppelnatur“: 4. März, 20 Uhr, weitere Termine im März und April, Theater Tri-Bühne, Tickets 07 11 / 2 36 46 10 und auf dieser Webseite