No Kids, happy Life
Den Stein ins Rollen gebracht hat Dawn Patricia Robinson, die auch selbst als Schauspielerin auf der Bühne zu sehen sein wird. „Das ist ein Thema, das mich schon länger beschäftigt hat, weil ich Mitte 30 bin und drauf gewartet habe, dass ich meinen Kinderwunsch kriege – der kommt aber nicht“, berichtet die Stuttgarterin. Nachdem sie ein Recherche-Stipendium zu gewählter Nicht-Mutterschaft bekommen und Interviews mit zahlreichen freiwillig kinderlosen Frauen geführt hatte, beschloss sie gemeinsam mit Regisseurin Luise Leschik ein Theaterstück dazu umzusetzen.
Auf Basis der ersten Recherche-Ergebnisse, wälzten die beiden Literatur und entwickelten eine Performance, bei der zwei Frauen unterschiedlichen Alters aufeinander treffen und das Thema Mutterschaft und Frausein aus ihrer Perspektive kritisch beleuchten. Ist die sogenannte biologische Uhr ein tatsächliches biologisches Phänomen oder nur ein gesellschaftliches Konstrukt? Wie sind wir eigentlich in die Situation geraten, dass Männern der Oscar für ihre Performance als Vorzeigedaddy verliehen wird, wenn sie mal drei Monate Elternzeit nehmen, während Frauen, die nicht die vollen drei Jahre ausschöpfen, sich Vorwürfe anhören müssen? Und was haben die Nazis eigentlich mit der ganzen Sache zu tun?
„Wir haben uns in dem Stück verschiedenen Aspekten des Themas gewidmet. Zum einen haben wir uns historisch genähert und dann verschiedene Bereiche, die wir wichtig fanden, integriert: etwa Sterilisation, das Birthstrike-Movement, bei dem sich Menschen dazu entscheiden aufgrund der Klimasituation keine Kinder zu kriegen und Abtreibung“, erzählt Luise. „Der Paragraph 218 existiert immer noch und noch immer sprechen viele Frauen nicht über das Thema. Die Stigmatisierung findet immer noch statt. Dadurch entsteht eine Scham, die auch mit dem Thema Nicht-Mutterschaft zusammenhängt.“ My Body, my Choice – die feministische, in der Abtreibungs-Debatte groß gewordene Parole inkludiert sämtliche den eigenen Frauenkörper betreffende Angelegenheiten.
Die tickende biologische Uhr ist Quatsch
Viel Inspiration lieferte den beiden auch das Buch „Die Uhr, die nicht tickt“ von Sarah Diehl. Die Autorin durchleuchtet darin die Entwicklung der Mutterrolle über die Jahrtausende hinweg und offenbart die Erkenntnis: Das mit der glorifizierten Mutterrolle war nicht schon immer so. „Ursprünglich waren Familien eine große Gruppe und in der war die Mutterfigur nicht die einzige oder wichtigste Rolle“, erzählt Luise. „Durch unter anderem bessere hygienische Bedingungen und Kapitalismus hat sich das erst später auf diese eine Frauenfigur zentriert – und das ist sehr erschreckend zu merken, finde ich.“
Auch der Unterschied zwischen Nicht-Müttern und Nicht-Vätern brennt den beiden Theater-Macherinnen auf der Seele und wird in der Theaterperformance thematisiert. „Wer fragt kinderlose Männer nach ihrer Familienplanung? Richtig, niemand. Währenddessen steht das Thema Kinder und Familie, vor allem bei Frauen in der Öffentlichkeit, immer im Vordergrund.“
Mit Humor gegen Stigma und Sexismus
Worauf kann man sich auf der Bühne gefasst machen? „Es gibt viel Input, viele Gedankenanstöße, aber auch viel Humor“, kündigt Luise an. „Musikalisch ist auch was dabei“, ergänzt Dawn schmunzelnd. „Wir haben einen Song geschrieben, einen Schlager, mit dem Titel ‚Ein Kondom drüberziehen‘.“ Facts zur männlichen Ejakulation und Verhütung sind vorprogrammiert. Außerdem interagieren die Frauen auf der Bühne mit Videomaterial von historischen Männerfiguren, die ihren Teil zur Glorifizierung der Mutterschaft und einem falschen Frauenbild beigetragen haben. Es wird also nicht nur informativ, sondern auch lustig und unterhaltsam werden im Theaterhaus.
I choose... No! A Story of Non-Motherhood, Theaterhaus, Siemensstr. 11, Stuttgart-Nord, 2.+3.6. 20.15 Uhr, 4.6. 18 Uhr