Theater und Museen dringen auf Öffnung Bühnenverein: Lockdown Ende März beenden

Wann darf die Stuttgarter Oper wieder spielen? Der Bühnenverein fordert eine klare Perspektive. Foto: imago stock&people
Wann darf die Stuttgarter Oper wieder spielen? Der Bühnenverein fordert eine klare Perspektive. Foto: imago stock&people

Theater, Museen, Galerien, Opern, Ballett und die Kinos müssen sich gedulden im Lockdown – doch die Stimmen werden lauter, die einen Plan zur Wiedereröffnung fordern.

Stuttgart/Freiburg - Nach monatelangem Corona-Lockdown sollten Museen und Theater nach Überzeugung des Bühnenvereins spätestens Ende März geöffnet werden. „Es wäre gut, wenn man genau wie im vergangenen Frühjahr, als es eine Spirale der Verschärfungen gab, nun stufenweise auch wieder Lockerungen für die Kultur vorstellen würde“, sagt der Vorsitzende des Landesverbandes, der Freiburger Bürgermeister Ulrich von Kirchbach. Die Lage für die Bühnen und Museen spitze sich zu, und der dringende Bedarf sei da: „Das Digitale hat sich allmählich abgenutzt. Die Leute haben Hunger nach der Kultur, sie lechzen förmlich danach“, sagt von Kirchbach.

Die Politik müsse angesichts der sinkenden Zahl der Neuinfektionen eine Perspektive aufzeigen. Allerdings hätte die Kulturszene ein Gedankenspiel zum Öffnungsszenario bereits früher benötigt, kritisierte er: „Was Frau Eisenmann bei den Kitas vielleicht zu schnell gewollt hat, das kommt bei der Kultur womöglich etwas spät“, sagte er mit Blick auf die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Es gebe in den Theatern, Museen und auch in den Bibliotheken strenge Hygienekonzepte, Ansteckungen seien nicht bekannt geworden. „Da könnte man es auch mutiger angehen, ohne übermütig zu werden“, sagte von Kirchbach. „Die allermeisten werden verantwortungsvoll mit der Situation umgehen.“

Die Forderung: ein klares Bekenntnis zur Kultur

Beim Robert-Koch-Institut heißt es zu den Infektionswegen: „Zusätzlich findet in zahlreichen Kreisen eine diffuse Ausbreitung von Sars-CoV-2-Infektionen in der Bevölkerung statt, ohne dass Infektionsketten eindeutig nachvollziehbar sind. Das genaue Infektionsumfeld lässt sich häufig nicht ermitteln.“

Notwendig sei allerdings auch, dass Kommunen und das Land keinen Rotstift ansetzten, um nach den Milliardenausgaben wegen der Coronapandemie in den Kulturetats zu kürzen, sagte von Kirchbach. „Die nächsten zwei, drei Jahre werden sicher hart. Aber in diesem Zusammenhang ist es einfach wichtig, dass man auch Akzente setzt für die Kultur. Sie darf nicht als freiwillig angesehen werden, denn sie ist eine politische Pflichtaufgabe, die ein klares Bekenntnis benötigt.“

Stadtzentren durch Kultur „revitalisieren“

Aus seiner Sicht wäre es vollkommen kontraproduktiv und auch fatal, würden die Kommunen Investitionen in diesem Bereich drastisch zurückschrauben. „Das Leben muss zurück in die Innenstädte kommen. Und das wird vor allem geschehen, wenn die Museen und Theater wieder Angebote haben“, sagte von Kirchbach. „Die Kultur spielt eine große Rolle, wenn wir die Stadtzentren revitalisieren wollen.“

In der vergangenen Woche hatte die baden-württembergische Kunstministerin Theresia Bauer (Grüne) die Theater und Museen trotz eines vorliegenden Ausstiegsszenarios um Geduld gebeten. „Wir reden nicht über Zeitpunkte“, hatte die Grünen-Ministerin in Stuttgart gesagt. Es sei zunächst wichtig, die Inzidenz landesweit zu reduzieren. Danach würden Prioritäten gesetzt.

Es gibt einen Stufenplan, aber kein Datum

In einem gemeinsamen Papier hatten die Bundesländer zuvor einen drei Stufen umfassenden Plan „Kultur wieder ermöglichen“ entworfen. In dem Papier skizzieren die Kulturministerinnen und -minister den Weg für die Kulturszene aus dem Corona-Lockdown, um „der grundrechtlich geschützten Kunstfreiheit gerecht zu werden“.

Demnach sollen mit der Wiedereröffnung von Schulen und Kitas zunächst außerschulische Bildungsangebote der Kultureinrichtungen und der Musik- und Kunstschulen zugelassen werden. Spätestens mit der Eröffnung des Einzelhandels könnten dann Museen, Galerien, Gedenkstätten, Bibliotheken und vergleichbare Einrichtungen einen „Basisbetrieb“ anbieten, heißt es in dem Ausstiegsszenario weiter. In einer dritten Stufe – gekoppelt an die Öffnung der Gastronomie – sollten Veranstaltungen in Theatern, Opernhäusern und Konzerthäusern, Kinos und ähnlichen Veranstaltungsräumen möglich gemacht werden.

Das Papier hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Länder bei den Kulturressorts für ein Eröffnungsszenario angefordert.




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