Heiß, heißer, High Heels: Im Theaterhaus feiert Frl. Wommy Wonder 30 Jahre Sommershow, Schwester Bärbel wird als Kunstfigur 20. Travestie zwischen Glitzer, Gags und großen Gefühlen.
„Das Leben ist wie Kuchenmachen“ – solche Weisheiten verdanken wir der Travestie. Und sollte es bei Frl. Wommy Wonder einmal derb zugehen, folgt garantiert im nächsten Moment eine philosophische Pointe. Prompt fällt der Kuchenvergleich in der Sommershow „Aber Hallo“ im Theaterhaus: „Wer keine Eier hat“, erklärt die Gastgeberin, „bekommt nix gebacken.“
Wommy muss Eier haben! Denn Abend für Abend tritt sie im Sommer an, wenn es die Menschen in die Biergärten drängt. Selbst Rekordtemperaturen können sie nicht stoppen. Seit 1995 schwänzt die Schwabendiva im Sommer ihren eigenen Urlaub. Seit 2005 ist Schwester Bärbel alias Marcelo Pivoto Bolter an ihrer Seite. Aus einem Zufallstreffer wurde eine Kultfigur.
Marcelo wollte gar nicht zur Bärbel werden
Die Geschichte von Schwester Bärbel beginnt vor 20 Jahren eher zufällig: Marcelo arbeitete damals backstage im Friedrichsbau Varieté, wo Wommy Wonder auftrat. Ihre damalige Garderobenfrau Steffi – im Hauptberuf Krankenschwester – gab den Sidekick auf der Bühne. Die Chefin nannte sie einfach Bärbel. Doch dann fehlte Steffi. Wommy, in Not und mit Improvisationstalent gesegnet, forderte Marcelo auf, einzuspringen. „Steck dir die schiefen Zähne aus dem Karneval in den Mund, und los geht’s“, lautete der Auftrag. Marcelo wollte zunächst nicht – und liebt es heute umso mehr.
Seither hat der gebürtige Brasilianer die Figur stetig weiterentwickelt und neue Facetten ausprobiert. In „Aber Hallo“ wird Bärbel etwa zur Influencerin – mit einem Labubu-Püppchen an der Handtasche. Diese breit grinsenden Plüschfiguren aus China können bis zu 900 US-Dollar kosten, wenn Insta-Stars sie in die Kamera halten. Auch als „Saftschubse“ und mit dem Bananen-Röckchen tritt Bärbel auf – und gönnt dem Publikum zwischen all dem schrägen Klamauk auch überraschend zarte Ausflüge in die Poesie.
Die Pointen fliegen so schnell, dass man kaum hinterherkommt
Wommy bleibt – ob als sie selbst oder in der Rolle von Elfriede Schäufele – ihrer Mischung aus Selbstironie und Schlagfertigkeit treu. Einer ihrer Sprüche: „Ich bin nicht dick, ich habe nur eine erweiterte erotische Nutzungsfläche.“ Die Pointen fliegen so schnell, dass man kaum hinterherkommt.
Privat hören die beiden Power-Mädels auf Michael und Marcelo – auf der Bühne liefern sie in ihrer Show „Aber Hallo“ eine Mischung aus Stand-up, schräger Lebensberatung, Kostümexplosion und wunderbar chaotischem Kontrollverlust, garniert mit philosophischen Einsprengseln. Das Publikum tobt.
Wommy spielt noch sieben Tage im Theaterhaus, dann aber überwiegend allein (plus Elfriede Schäufele), weil sich Marcelo in den Familienurlaub mit Mann und Kind verabschiedet.