Theaterhaus-Jazztage Humor, Rasanz und klare Klänge aus dem Norden
Weltklassejazz aus Skandinavien sorgt für ein furioses Festivalfinale: Der Finne Iirto Rantala und der Schwede Martin Tingvall beeindrucken am Theaterhaus-Flügel.
Weltklassejazz aus Skandinavien sorgt für ein furioses Festivalfinale: Der Finne Iirto Rantala und der Schwede Martin Tingvall beeindrucken am Theaterhaus-Flügel.
Die 33. Jazztage im Theaterhaus mit insgesamt fünftausend Besuchern klangen aus, wie sie begonnen hatten: mit Weltklassejazz aus Skandinavien. Den Auftakt macht Iirto Rantala, ein untersetzter Finne aus Helsinki in einem längs gestreiften, zebraartigen Anzug im selben Weiß und Schwarz wie die Klaviertasten, die er so beeindruckend zu bedienen versteht.
Der Mann strahlt bei seinen selbstironischen Ansagen einen erfrischenden Humor aus, der den etwa 700 von Krieg, Corona und Klimakrise bedrückten Menschen im großen Saal an diesem Abend richtig guttut. Rantala ist kein Musikclown, der mit musikalischen Mätzchen punkten will, sondern ein begnadeter Tastenvirtuose, der sich spielend zwischen den Genres bewegt und nicht nur mit seinen Ansagen für grenzenloses Vergnügen sorgt. Auf einen Ragtime, der eine rasante Verfolgungsjagd in einem Stummfilm untermalen könnte, folgt eine Bebop-Nummer ebenfalls in atemberaubendem Tempo, bevor bei „Woman“, der Entschuldigungsballade von John Lennon, die hübsche Melodie auf dem perlenden Fluss der Töne strahlen darf.
Ganz anders Martin Tingvall am nach der Pause frisch gestimmten Flügel, der mit Omar Rodriguez Calvo am Kontrabass und Drummer Jürgen Spiegel ein seit zwanzig Jahren eingespieltes Trio bildet. Viele erinnert das dank seiner Intensität, Präzision und unbändigen Spiellust an das legendäre Trio des 2008 tödlich verunglückten Esbjörn Svensson. Tingvall, der schwedische Landsmann, geht athletisch zupackend und mit geschmeidiger Härte zu Werk.
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Seine Klavierklänge sind klar konturiert und steuern seine mitreißenden Kompositionen. Rhythmus-Mann Spiegel treibt sie an wie aus einem Maschinenraum heraus, während Calvo mit seinem wunderbar kantablen Bassspiel tänzerische Noten ins Spiel bringt. „Dance“ heißt das aktuelle Album der Band. Das herausragende Konzert führt wie eine kleine Weltreise nach Jamaika mit Offbeat-Phrasierungen von Reggae-Rhythmen, einer sich langsam drehenden Rumba nach Südamerika, zu einem temperamentvollen Mambo nach Kuba, einem „Slow Dance“ bis nach Arabien und einem liebevoll klingenden Sommerlied schließlich in die südschwedische Heimat von Bandleader Martin Tingvall.