InterviewTheaterhaus-Jazztage in Stuttgart „Beim Kontrabass steht die Leiche daneben“

Von Tom Hörner 

Vor seinem Auftritt bei den Theaterhaus-Jazztagen mit seiner Band spricht der Entertainer Roland Baisch über Jazz und Humor – und erzählt einen Jazzmusikerwitz.

Entertainer Roland Baisch Foto: Anni Jurcec
Entertainer Roland Baisch Foto: Anni Jurcec

Stuttgart - Vor 18 Jahren hat der Entertainer Roland Baisch sein Count Baischy Orchester gegründet. Jetzt tritt er im Theaterhaus mit neuer Besetzung an.

Herr Baisch, kennen Sie den kürzesten Jazz­musikerwitz?
Bin mir nicht sicher. Ich kenne einen Jazzmusikerwitz, in dem ein Bassist vorkommt. Der ist nicht lang.
Und der geht wie?
Was ist der Unterschied zwischen einem Sarg und einem Kontrabass? Beim Sarg liegt die Leiche drin, beim Kontrabass steht sie daneben.
Lassen Sie uns über Jazz und Humor reden. Wie geht das zusammen?
Sehr gut, der frühe Jazz war ja in erster Linie Unterhaltungsmusik. Die Musik fand nicht in Konzerthallen statt, sondern in Kneipen, Bars und Bordellen. Stars wie Dizzy Gillespie oder Louis Armstrong waren auch Clowns, was ihnen von manchen Leuten vorgeworfen wurde.
Sie werden sich mit dem Count Baischy ­Orchester bei den Theaterhaus-Jazztagen auch von der komischen Seite zeigen?
Texte von Nat King Cole besitzen schon im Original jede Menge Witz. Oft geht es um eine verlorene Liebe und eine humorvolle Haltung, mit dem Schmerz umzugehen. Das ist eine Steilvorlage, um die ich als einer, der Jazz-Standards ins Deutsche übersetzt, nicht herumkomme. Aus Nat King Coles „I was a little too lonely, and I was a little too ­late“ wird bei mir „Ich war ein bisschen zu einsam, und du kamst ein bisschen zu spät“. Im Grunde sind das Schlagermelodien, die aber vertrackt gesetzt sind und sich dennoch einfach anhören. Das ist die Kunst.
Könnte man sagen, Sie nehmen sich nicht ernst, aber die Musik schon?
So ist es. Wir machen keine Parodie, sondern pflegen den respektvollen Umgang mit der Musik. Das Publikum bekommt einen Abend gepflegter Unterhaltung von Musikern, die sich der Tradition des Swings verpflichtet fühlen. Das Konzept verfolge ich seit 2000, aber es ist das erste Mal, dass ich mit dieser Formation auftrete: Mit dem Gitarristen Frank Wekenmann habe ich schon oft gespielt, aber noch nie mit Thilo Wagner, einem begnadeten Jazzpianisten, und Veit Hübner, dem tollen Bassisten von Tango Five. Meine Kollegen sind so gut, dass es eine Freude ist, denen zuzuhören.
Das heißt, Sie müssen aufpassen, dass Sie vor lauter Zuhören den Einsatz nicht verpassen?
Nein, aber ich muss mir halt die Texte merken, das ist schwer genug. Von den zwanzig Songs im Repertoire sind zehn neu. Es fällt mir nicht immer leicht, die Texte so zu übersetzen, dass sie auch im Deutschen swingen, aber ich glaube, es ist mir gelungen.
Sie haben eine amerikanische Ehefrau, prüft die Ihre Übersetzungen?
Nein, mein Englisch ist gut genug. Und wo ich nicht weiterkam, habe ich den Google-Übersetzer genommen. Bei „Straighten up and fly right “ kam eine Zeile wie „Lasst den Papa fliegen, dann geht‘s dem Affen schlecht“ heraus. Das Original ist dadaistisch. Das kann man nur mit weiterem Dadaismus toppen.
Hört sich an, als sollten Sie nicht im Theaterhaus, sondern in einer Bar auftreten.
Es wäre schön, wenn wir eine Bar hätten, das würde passen, aber ich fürchte, dafür ist die Halle vier zu klein. Ich denke, ein bisschen Traditionalismus muss erlaubt sein, in einer Welt, die immer mehr aus den Fugen gerät. Die Krux ist doch, dass man immer alles neu haben will. Wir verstehen uns als musikalische Museumswärter.
Es heißt immer wieder, die Trennung zwischen den Genres sei bei uns besonders ausgeprägt.
Da ist was dran. Wir unterscheiden nach wie vor zwischen E- und U-Musik, da gibt es sogar unterschiedliche Gema-Auswertungen. Unterhaltung wird bei uns nicht ernst genommen. Wenn man in Deutschland sagt „Ich mache Comedy“, bekommt man zu hören: „Ich mag keine Comedy, außer ernsthafte von Eckart von Hirschhausen.“ Wenn du dich in Amerika als Comedian zu erkennen gibst, heißt es: „Großartig, lass mal was ­hören.“ Was ist jetzt eigentlich mit dem kürzesten Jazzmusikerwitz?
Der ist steinalt: Ein Jazzmusiker geht an einer Kneipe vorbei. Ihr Bassistenwitz war besser.
Die 31. Theaterhaus-Jazztage gehen noch bis Ostermontag, 2. April. Das Count Baischy Orchester tritt am Fr 30. 3., Sa 31. 3. und So 1. 4. auf.




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