Theaterhaus Jazztage Junge Löwen und alte Hasen
Das Jugendjazzorchester bietet zum Abschluss der Theaterhaus Jazztage eine musikalisch bunte Reise.
Das Jugendjazzorchester bietet zum Abschluss der Theaterhaus Jazztage eine musikalisch bunte Reise.
Ohrstöpsel weg, raus aus der Vereinzelung, rein ins Vergnügen! Achtundzwanzig Musikerinnen und Musiker – zwischen 16 und 24 Jahren jung – bilden das aktuelle Jugendjazzorchester Baden-Württemberg (LaJazzO). Das feiert mit einem Jubiläumskonzert das 40-jährige Bestehen des Jazzverbandes des Landes, der für die Szene von großer Bedeutung ist. Schön, dass das Festival mit einem vielversprechenden Blick in die Zukunft des Jazz ausklingt.
Vier ehemalige Mitglieder verstärken am Sonntagabend das LaJazzO: Klaus Graf (Landesjazzpreis 1991) hat seit fünf Jahren dessen Leitung inne, Vokalistin Anne Czikowski (2011), Gitarrist Christoph Neuhaus (2021) und der in New York lebende Geiger Gregor Hübner (1998) werden als formidable Solisten bejubelt. Frühere Mitglieder des LaJazzO wie etwa Mini Schulz, Sebastian Studnitzky, Clara Vetter oder Jakob Manz haben vorgemacht, wohin der Weg führen kann. Für Profis wie sie und viele andere war diese junge Bigband, 1981 von Bernd Konrad und Jiggs Whigham gegründet, das Sprungbrett ihrer Karriere. Durch sie erwarb sich Baden-Württemberg den nachhaltigen Ruf, eine der besten Jazzregionen Deutschlands zu sein.
Und schon scharren die ehrgeizigen Fohlen im Ländle wieder mit ihren Hufen. Vor dem Festivalauftritt hatten sie sich in die Musikakademie Schloss Weikersheim begeben, um unter der Ägide von Jazzprofessor Klaus Graf vier Tage lang intensiv zu proben. Schon vorher waren ihnen die Noten von zehn Kompositionen aus achtzig Jahren Bigband-Geschichte zugeschickt worden. Die mussten tipptopp beherrscht werden. Auch Musiker bekommen Hausaufgaben. Das im Theaterhaus mit zwei Sets präsentierte Festivalprogramm enthält Nummern wie den hundert Jahre alten Evergreen „Sweet Georgia Brown“, den coolen Jazzwalzer „All Blues“ von Miles Davis, das freche „Wiggle Waggle“ von Herbie Hancock, „Heartland“, den Signature Song von Pat Metheny, einen mitreißenden „Big Cat Shuffle“ von Alexander Bühl und „Maybe Someday“ mit seiner lebensfrohen Stimmung. Das hat Samuel Restle, der Landesjazzpreisträger des letzten Jahres, eigens für diesen Anlass komponiert.
Klaus Graf weiß als Lead-Saxofonist der mit einem Grammy ausgezeichneten SWR-Bigband wie guter Bigband-Jazz zu klingen hat. Es ist ihm offensichtlich eine Freude, dieses junge Jazzorchester nach vorne zu bringen. Er dirigiert locker und präzise. Seine positive Ausstrahlung überträgt sich direkt auf das junge Orchester. „Die mögen sich“, sagt anerkennend eine Besucherin. Die Bigband überzeugt mit strahlendem Kollektiv-Sound, knackigen Bläsersätzen, feuriger Rhythmusarbeit und tollen Solisten. Einige herauszuheben hieße, andere zu übergehen. Das wollen wir nicht.
Seit Jahrzehnten werden in dieser Talentschmiede heiße Eisen geformt. So wird es, wenn Euterpe, die Muse der Musik, das Kunstministerium und andere Förderer es gut meinen, auch zukünftig der Fall sein. Für die jungen Leute muss es jedenfalls erfüllend gewesen sein zu erleben, wie so ein mächtiger Kollektivklang Gestalt annimmt und selbst dazu beizutragen. Wie aufregend ist es erst, vor einem Festivalpublikum nach vorne ans Solisten-Mikrofon treten zu dürfen, um zu zeigen, was man so draufhat! Der Abend endet in ausgelassener Partystimmung mit der Souljazz-Nummer „Best of my Love“.
Die 36. Jazztage im Theaterhaus enden wiederum mit einer Gesamtbesucherzahl von 9000 – und einem Intendanten Werner Schretzmeier, der die 37. Jazztage für das Osterfest 2027 in Aussicht nimmt.