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Ensemble Flamencos en route feiert Jubiläum Choreographin Brigitta Luisa Merki: „Tanzen ist urdemokratisch“

Von peix 

Mit fünf Frauen hat Brigitta Luisa Merki angefangen, als sie 1984 Flamencos en route gründete. Heute gehören zu dem freien Ensemble mehr als doppelt so viele Kunstschaffende. Was die Kompanie ausmacht, erzählt die Choreografin und künstlerische Leiterin im Interview.

Mit fünf Frauen hat Brigitta Luisa Merki angefangen, als sie 1984 Flamencos en route gründete. Heute gehören zu dem freien Ensemble mehr als doppelt so viele Kunstschaffende.  Foto: Alex Spichale
Mit fünf Frauen hat Brigitta Luisa Merki angefangen, als sie 1984 Flamencos en route gründete. Heute gehören zu dem freien Ensemble mehr als doppelt so viele Kunstschaffende. Foto: Alex Spichale

2018 feierte Ihr erfolgreiches Stück „rondo flamenco“ Premiere. Bei der aktuellen Tour zeigen Sie – neben der Neukreation „ay! viñetas de Lorca“ – das Stück wieder. Warum?

Das Rondo passt wunderbar in ein Jubiläumsprogramm. Es ist ein helles, lebendiges Stück, das zeigt, was uns nach über 50 Stücken noch ausmacht.

Nämlich?

Die Vielschichtigkeit des Flamencos und die Konstante unseres Kollektivs, das mich mit grandiosen Leuten arbeiten lässt, um gemeinsam unsere künstlerische Handschrift weiterzuentwickeln, in die jede und jeder sich einbringt. Das heißt, eine große künstlerische Freiheit zu leben, gleichzeitig allen Beteiligten die Sicherheit zu bieten, damit sie nicht ständig andere Engagements annehmen müssen, um zu überleben. Das ist nicht einfach für eine freie Tanzkompanie – wir sind von Fördergeldern abhängig.

Rondos tauchen im Mittelalter auf, waren im Barock beliebt. Die Wurzeln des Flamencos sind älter. Geht das zusammen?

Bestens! Im Rondo kommt jeder zum Zug. Ich gehe frei damit um. Es ist wie ein ständiger Dialog im Kreis, in den immer neue Ideen kommen. Jede Künstlerin, jeder Künstler trägt das eigene Genre, die eigene Kultur bei – ein Zusammenkommen und Auseinandergehen, Geben und Nehmen ohne Vorgaben, ohne Wertungen.

Ist es in diesen politisch und gesellschaftlich gespaltenen Zeiten eine Botschaft, dass man gemeinsam Lösungen finden kann?

Der Abend war nicht politisch gedacht – schön, wenn er als Inspiration für gesellschaftliche Phänomene dient. Es werden kulturelle Gegensätze versöhnt, Grenzen aufgehoben. Der Kreis ist eine Urform, in ihm zu tanzen und zu musizieren eine urdemokratische Friedensbotschaft: Alle dürfen sich einfügen, Kontakt aufnehmen.

Sie präsentieren das „rondo flamenco“ in „neuem Glanz“. Das heißt?

Die Besetzung hat sich seit 2018 geändert. Jede Neubesetzung bringt eine neue Kraft ein, an die man vorher nie gedacht hätte. Da ist etwa eine uralte Milonga aus Uruguay, die die Spanier von Südamerika nach Europa zurückbrachten. Da ist unter anderem Sängerin Karima Nayt, die ihre arabische Kultur in den Kreis einbringt, wie alle anderen das Ihrige dazutun.

Flamenco ist Unesco-Welterbe. Was kann er uns heute sagen?

Unter Francos Herrschaft litt der Flamenco: Er wurde mit bestimmtem Image an Touristen verkauft! Der wahre Flamenco findet anderswo statt. Klar, es gibt Vorbilder, Vokabular und Technik, das muss beherrscht werden. Doch ganz gleich, welche Tanzsprache ich wähle, ob ich Ballett in Spitzenschuhen, Flamenco in Schuhen oder beides in Socken tanze, der menschliche Ausdruck ist so unendlich wie die Freiheit, diese Sprache zu nutzen, zu hinterfragen, zu brechen. Die Kunst hat die Macht, neue Per­spektiven aufzuzeigen.