Theaterhaus Stuttgart Igudesman & Joo begeistern mit Musik-Comedy

Von fkr 

Sie haben den Musik-Oscar für "Sherlock Holmes" abgeräumt - Am 17. Oktober gastiert das Musik-Comedy-Duo Igudesman & Joo im Rahmen der Reihe "Klassik? Klassik!" im Theaterhaus Stuttgart. Hier stehen Künstler mit frischen Ideen fürs Genre im Fokus.

Klassik muss nicht auf klassische Weise daherkommen. Zumindest finden das Aleksey Igudesman (links) und Hyung-ki Joo. Als Musik-Comedy-Duo Igudesman & Joo treten sie am 17. Oktober im Theaterhaus Stuttgart auf.  Foto: Julia Wesley
Klassik muss nicht auf klassische Weise daherkommen. Zumindest finden das Aleksey Igudesman (links) und Hyung-ki Joo. Als Musik-Comedy-Duo Igudesman & Joo treten sie am 17. Oktober im Theaterhaus Stuttgart auf. Foto: Julia Wesley

Das Video beginnt. "Wir sind Igudesman und Joo", sagt der Mann im Vordergrund. Hinter ihm steht einer mit einer Geige in der Hand und einem Plüschelefanten auf dem Kopf. Er fährt fort: "Und wir haben eine neue Show: Die Rettung der Welt!" Ein Donnern folgt. "Am 17. Oktober sind wir damit in Stuttgart!" Na, dann ist ja alles klar.

Um das zu präzisieren: Am 17. Oktober gastieren Aleksey Igudesman und Hyung-ki Joo im Theaterhaus. Sie wurden im Rahmen der Reihe "Klassik? Klassik!" herbestellt. Denn immerhin will "Klassik? Klassik!" zumindest die Klassik retten: Künstler mit frischen Ideen fürs Genre stehen im Fokus.

Zum Programm gibt es auch ein Buch mit dem Titel "Rette die Welt!". Igudesman zufolge ist’s "ein Buch über Kreativität und darüber, wie man als Pianist Geige spielen kann." Joo, den man im eingangs erwähnten Video an der Geige sieht, ist eigentlich Pianist.

Aleksey Igudesman ist Komponist und Filmemacher

Vielleicht hat er ein paar Tricks von seinem Kollegen Igudesman gelernt. Der ist nämlich nicht nur ein vorzüglicher Streicher, sondern auch Komponist, Filmemacher, Schauspieler, Poet, Unternehmer und Komiker. Er sei, so Igudesman, in Leningrad geboren worden – und das schon in sehr jungen Jahren!

Oscar für Fimmusik zu "Sherlock Holmes"

Das war 1973. Als Sechsjähriger kam er mit seiner Familie nach Deutschland. Doch schon mit zwölf Jahren ging’s für ihn an die Yehudi Menuhin School bei London – eine Lehranstalt für musikalisch besonders begabte Kinder. Studiert hat er dann in Wien. Er schreibt nicht nur Violinsonaten und Gedichte, sondern auch Filmmusik – unter anderem gemeinsam mit Hans Zimmer, was ihm für den Film "Sherlock Holmes" eine Oscar-Nominierung in der Rubrik "Beste Filmmusik" einbrachte.

Bei allem Erfolg sei aber auch darauf hingewiesen, dass Igudesman laut Selbstauskunft nie einen Wettbewerb für sich entscheiden konnte – weil er an keinem teilgenommen hat.

Hyung-ki Joo hat Billy Joels Klavieralbum eingespielt

Zurück zu seinem kongenialen Partner, der in England als Sohn koreanischer Eltern zur Welt kam. Oder wie er über sich selbst sagt: Er ist britisch, aber sieht koreanisch aus, oder andersrum, oder beides. Auch er ist ein sehr humorvoller Musiker, der sein Instrument aber ebenso beherrscht wie Igudesman. Im Alter von acht Jahren saß er erstmals am Klavier, später ging auch er auf die Yehudi Menuhin School, wo er Aleksey Igudesman kennenlernte. Damals dachte er, dass er im Kreise der anderen Musikgenies und Wunder­kinder keine Chance hätte.

Doch die Selbstzweifel waren unangebracht. An der Manhattan School of Music studierte er schließlich. Obwohl er kleine Hände hat, wie er sagt. Trotzdem spielt er besser als zum Beispiel Billy Joel. Das kann man so sagen, wenn man diese Geschichte kennt: Joel hat 1993 mit "River of Dreams" sein letztes Pop-Album veröffentlicht. In der Folge arbeitete er an "Fantasies & Delusions", einer Platte mit Solo-Klavierstücken, die er selbst geschrieben hatte. Das Problem: Er konnte sie nicht spielen. Darum kontaktierte er Joo, der es konnte. 2001 erschien das Album.

Auf dem Cover liest man allerdings nicht den Namen Hyung-ki Joo, sondern Richard Joo – für den US-amerikanischen Markt hatte Joo seinen Vornamen geändert.

Igudesman & Joo: Blödsinn trifft auf Bach

So witzig beide also daherkommen mögen: Joo und Igudesman sind Könner. Wenn sie Fähigkeiten und Witz zusammenlegen, entsteht daraus eine einzigartige Show.

Für die Namensfindung des Projekts haben die beiden angeblich ein paar Jährchen gebraucht. Dass dann am Ende „Igudesman & Joo“ rauskam, ist auch schon wieder komisch. Gemeinsam haben sie so an die 50 Millionen Youtube-Klicks gesammelt.

Ihr Programm ist eine Mischung aus Slapstick und Virtuosität. Blödsinn trifft auf Bach, Mumpitz auf Mozart. In "Die Rettung der Welt" zeigen die beiden nicht nur, wie sie es geschafft haben, Klassik und Humor zu verbinden. Sie bringen ihrem Publikum auch Übungen bei, mit denen man Kreativität in den Alltag bringt. Das steht alles in ihrem Buch, aber der Live-Unterricht ist freilich nicht zu ersetzen.

Igudesman & Joo: 17. Oktober, 20 Uhr, Theaterhaus, Tickets 07 11 / 4 02 07 20 oder online