Anzeige Theaterhaus Stuttgart „Klassik? Klassik!“ geht in die zweite Runde

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Grenzgänger und Pioniere erkunden auf der Grundlage klassischer Klänge aufregendes musikalisches Neuland im Theaterhaus Stuttgart. Hier kann jeder zuhören und sich von der Kraft der kreativen Neuentdeckungen mitreißen lassen.

Schaffen einen eigenen Musikkosmos: Matthias Bartholomey (Cello) und Klemens Bittmann. Foto: DYNAMO/MaxParovsky 8 Bilder
Schaffen einen eigenen Musikkosmos: Matthias Bartholomey (Cello) und Klemens Bittmann. Foto: DYNAMO/MaxParovsky

Viele würden ihr das gar nicht zutrauen: Sie kann berühren und tiefe Emotionen wecken, Leidenschaft entfachen, zum Lachen bringen, die Zeit vertreiben, einfach Spaß machen. Doch, doch: Genau sie ist gemeint, die sogenannte klassische Musik. Dass sie so viel mehr kann, als die meisten Menschen ihr zutrauen, das möchten das Theaterhaus im Allgemeinen und Programmmacher Wolfgang Marmulla im Besonderen in der Reihe „Klassik? Klassik!“ zeigen, die es seit 2018 gibt.

Nur folgerichtig: Denn schließlich sind ja auch die Theaterproduktionen des Theaterhauses für ein Publikum gedacht, das nicht zwangsläufig Germanistik studiert haben muss, um sich von dieser Bühnenkunst mitreißen zu lassen. Und im Bereich Tanz gibt es Gauthier Dance für alle, die auch ohne Vorkenntnisse für die Bewegungskunst brennen.

Ein eigenes Musikensemble steht bislang nicht auf dem Plan. Dafür gibt es nun die Reihe „Klassik? Klassik!“. Außergewöhnliche Künstler und Ensembles aus vielen verschiedenen Genres testen hier mit großer Begeisterung Grenzen aus und übertreten diese beherzt mit ganz viel Kreativität. Experimentierlust ist Programm, und das führt zu verblüffenden, faszinierenden und manchmal auch urkomischen Ergebnissen – vermutlich vor allem deswegen, weil sich alle Künstler nicht um das angeblich Ehrwürdige der klassischen Musiktradition scheren, deren Vokabular sie doch alle aus dem Effeff beherrschen.

Dass ausgerechnet Wolfgang Marmulla sich der Gestaltung dieser Reihe verschrieben hat, ist übrigens kein Zufall. Er selbst ist als Jugendlicher zunächst einmal leidenschaftlicher Rock- und Pop-Fan gewesen. Weil seine damalige Freundin aber in einem Amateur-Orchester spielte, entdeckte er nach und nach für sich die aufregende Welt der klassischen Musik, die ihm bislang fremd gewesen war und in der so immens viel Potenzial steckt. Die Reihe „Klassik? Klassik!“ hat er also bewusst so konzipiert, dass wirklich jeder ohne Mühe seine eigene Entdeckungsreise starten kann. Es ist jedes Mal eine andere.

Das Publikum verführen

Die, zu der die Hanke Brothers einladen zum Beispiel: Sie waren Teil der Initialzündung, die letztlich dazu führte, dass aus der Idee zu einer solchen Reihe im vergangenen Jahr Realität geworden ist, wie Wolfgang Marmulla erzählt. Die Brüder Fabian, Jonathan, Lukas und David Hanke spielen Tuba, Klavier, Bratsche und Blockflöte. Manchmal kommen noch Posaune, Violine, Orgel, Cajon oder Gesang dazu. Und das groovt einfach. Ihre klassische Ausbildung und die Erfolge in diesem Bereich hindern sie kein bisschen daran, sich virtuos über alle Genre-Schubladen hinwegzuspielen und dabei das Publikum zu verführen. Am 27. September präsentieren sie bei ihrem Konzert im Theaterhaus ihre Debüt-CD „Elements“.

Eine ganz andere Facette bringen nur zwei Tage später, am 29. September, der Schauspieler Matthias Brandt und der Musiker Jens Thomas mit. Sie gestalten aus Peter Härtlings Roman „Schumanns Schatten“ eine Wort-Toncollage, welche die komplexe Persönlichkeit Robert Schumann auf eindrucksvolle Weise lebendig werden lässt. Künstlerische wie biografische Komponenten spielen dabei gleicherweise mit.

Großartige Klänge, die süchtig machen

Sich von der Musik forttragen lassen und aus dem Alltag wegträumen – das geht wunderbar, wenn Matthias Bartolomey (Cello) und Klemens Bittmann (Violine, Mandola) auf dem Podium sind. Ihr Ziel: ein zeitgenössisches Repertoire entwickeln und einen eigenen Musikkosmos schaffen. All das auf der Basis der klassischen Musiktradition. Großartige Klänge, an denen nur eines gefährlich ist: Sie können süchtig machen. Wer sich gerne auf dieses wunderbare Abenteuer einlassen möchte, kann das am 3. Oktober tun.

Dass das Publikum nicht aus dem Lachen herauskommt, obwohl da einer im Frack am Klavier sitzt und der andere eine Violine in der Hand hält – das ist ein untrügliches Indiz dafür, dass der Geiger Aleksy Igudesman und der Pianist Hyong-ki Joo am Werk sind. Virtuos wie respektlos werden die ehrwürdigen Instrumente bearbeitet, und Ohrwürmer aus den Charts erfahren eine Ernsthaftigkeit bei der Bearbeitung, die einem die Lachtränen in die Augen treibt.

Hat da einer gesagt, dass bei Konzerten nicht in Socken und kurzen Hosen gespielt werden darf? Wer weiß, welcher hochkarätige Schabernack ihnen beim Konzert am 17. Oktober einfällt, das in Zusammenarbeit mit der Süddeutschen Konzertdirektion Erwin Russ stattfindet.

Chorwohlklang und Elektro-Sound

Weitere Facetten folgen im November und Dezember. Mit Sven Helbig und dem Chor der Bolschoi Oper Minsk mischen sich am 28. November samtiger Chorwohlklang und pulsierender Elektro-Sound. Die hypnotischen Bilderwelten des isländischen Video-Künstlers Máni M. Sigfússon fügen dem eine weitere Dimension hinzu.

Cameron Carpenter präsentiert dann, ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Süddeutschen Konzertdirektion Erwin Russ, am 2. Dezember die Königin der Instrumente auf seine ganz besondere Weise: Er ist mit einer Orgel auf Tour, die nach seinen eigenen Plänen angefertigt wurde. Für sein Album „Revolutionary“ wurde Carpenter als erster Organist überhaupt für einen Grammy nominiert.

Am 11. Dezember spielt das Verworner-Krause-Kammerorchester auf: Das ungewöhnliche Ensemble bringt die neue Technoproduktion "Der Golem" mit. Headbangende Dirigenten sind dabei nicht ausgeschlossen. Was genau sich hinter dem Begriff "17th Century“"Jazz verbirgt, darüber klärt dann das Ensemble Il Giratempo zusammen mit der Sängerin Laila Salome Fischer und dem Jazzkomponisten Magnus Mehl am 1. Februar 2020 auf.

"Klassik? Klassik!", Theaterhaus Stuttgart, Tickets unter 07 11 / 4 02 0 7 20 oder hier.