Anzeige Theaterhaus Stuttgart Matthias Brandt und Jens Thomas - Schumanns Schattensucher

Von gab 

Robert Schumann ist ein berühmter Komponist, dessen Musik seit bald 200 Jahren in Konzertsälen auf der ganzen Welt erklingt und die Menschen berührt. Erschütternd sind jedoch auch die Abgründe seiner Seele, die vor allem seine letzten Lebensjahre überschatteten. Der Schauspieler Matthias Brandt und der Pianist Jens Thomas nähern sich all dem mit gelesenen Worten und improvisierter Musik.

Matthias Brandt (links) und Jens Thomas ergänzen sich ideal. Foto: Mathias Bothor
Matthias Brandt (links) und Jens Thomas ergänzen sich ideal. Foto: Mathias Bothor

Eigentlich ist er uns heute sehr nah. Ja, okay: Robert Schumann wird, wissenschaftlich gesehen, zu den bedeutendsten Komponisten der Romantik gezählt. Immerhin hat er vor etwa 200 Jahren gelebt. Aber das heißt gar nichts. Warum genau das so ist, weiß das Publikum spätestens nach dem Abend mit Matthias Brandt und Jens Thomas am 29. September im Theaterhaus Stuttgart. Sein Titel: "Krankenakte Robert Schumann". Der bekannte Schauspieler und der Jazz-Pianist nähern sich Schumann auf ganz eigene Weise.

Brandt liest Passagen aus Peter Härtlings Biografie "Schumanns Schatten". Thomas schafft dazu aus dem Moment heraus Musik, die dem Gesagten weitere Wahrnehmungsschichten hinzufügt. Es ist nicht ihr erstes gemeinsames Projekt. Mit ihren Programmen "Psycho – Fantasie über das kalte Entsetzen" und "Life – Raumpatrouille & Memory Boy“ sind sie schon länger sehr erfolgreich unterwegs.

Menschliche Abgründe

Der "Mannheimer Morgen" lobt die Performance der beiden als einen "in Wort, Spiel und Klang grandiosen Bühnenabend". Beeindruckt zeigt sich auch die "Neue Westfälische": "Da wird kein Genie, das später verrückt wurde, ausgestellt, vielmehr bringen zwei Künstler den Mut auf, selbst in die menschlichen Abgründe hinabzusteigen." 

Und von denen gibt es im Leben des Robert Schumann nicht gerade wenige. Da ist der Verlegersohn, der eigentlich Jura studierten sollte und dann das Studium doch zugunsten von Literatur und Musik aufgibt. Tatsächlich ist er zunächst eher als Mitherausgeber und Rezensent der "Neuen Zeitschrift für Musik" bekannt denn als Komponist oder Musiker.

Dann ist da die dramatische Liebesgeschichte mit Clara Wieck, die erst nach dem Überwinden großer Hürden seine Frau wird. Und da sind immer wieder die Schwierigkeiten, beruflich Fuß zu fassen und ein Publikum zu finden, das seine Musik versteht. Vor allem aber ist da seine Psyche, die ihm von Jahr zu Jahr mehr zu schaffen macht und schließlich dazu führt, dass er sich von einer Brücke stürzt, gerettet wird und sich dann am 4. März 1854 in die vom Psychiater Franz Richarz 1844 eröffnete "Anstalt für Behandlung und Pflege von Gemütskranken und Irren" in Endenich bei Bonn einliefern lässt. Dort bleibt er bis zu seinem Tod 1856.

2006 sind die Endenicher Krankenakten zu seinem Aufenthalt und seiner Behandlung veröffentlicht worden. Peter Härtlings Buch "Schumanns Schatten" ist schon 1998 erschienen.

Preisgekrönte Künstler

Wie mag es in einem Menschen ausgesehen haben, der so geistreich und geschliffen zu schreiben vermochte, der so leidenschaftlich lieben und so tief berührende Musik komponiert hat und der zugleich zunehmend von Wahnvorstellungen und Halluzinationen gequält wurde? Matthias Brandt und Jens Thomas begeben sich gemeinsam auf die Spur.

Brandt, jüngster Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt, spielt an vielen bekannten Bühnen in Deutschland und war bis Ende 2018 als Münchner Kommissar in der Krimireihe „Polizeiruf 110“ zu sehen. Für seine Darstellung des Kommissars Hanns von Meuffels gewann er den Bambi und 2013 als bester männlicher Hauptdarsteller den Bayerischen Fernsehpreis.

Jens Thomas wurde unter anderem mit dem SWR-Jazzpreis, dem Internationalen Jazzpreis Nürnberg und dem Kunstförderpreis Niedersachsen ausgezeichnet. Die beiden arbeiten seit 2013 zusammen.

"Krankenakte Robert Schumann", Theaterhaus Stuttgart, 29. September, Tickets gibt es unter 0711/ 40 20 720 oder auf theaterhaus.com