Theaterhaus Stuttgart Osterzeit - Zeit für die Jazztage

Von Franz Krauder 

Eine Welt für sich Osterzeit heißt immer auch: Zeit für die Jazztage im Theaterhaus. Vom 18. bis zum 22. April feiern die Jazzfans hier renommierte und aufstrebende Künstler, die sich mal experimentell dem Genre annähern, mal auch ganz klassischen Jazz spielen.

4 Wheel Drive (von links): Wolfgang Haffner, Lars Danielsson, Nils Landgren und Michael Wollny. Foto: Veranstalter
4 Wheel Drive (von links): Wolfgang Haffner, Lars Danielsson, Nils Landgren und Michael Wollny. Foto: Veranstalter

Regionale Newcomer, internationale Jazzlegenden, junge Hüpfer und alte Haudegen finden sich hier gleichermaßen. Einiges geboten wird in diesen fünf Tagen, insgesamt stehen mehr als 15 Veranstaltungen auf dem Programm. Den Auftakt gestaltet unter anderem der Pianist Joachim Kühn, der anlässlich seines 75. Geburtstags eine Carte blanche erhält. Neben anderen Granden teilt er sich die Bühne zu diesem speziellen Geburtstagsfest mit seinem 15 Jahre älteren Bruder, dem Klarinettisten Rolf Kühn. Die beiden Brüder haben im vergangenen Jahr die German Jazz Trophy gewonnen. Als Special Guest ist zudem Till Brönner geladen. Der Trompeter ist ein absoluter Star der Jazzszene. Vor drei Jahren wurde er beispielsweise von Barack Obama anlässlich des International Jazz Day der Unesco gemeinsam mit 45 anderen Musikern ins Weiße Haus eingeladen.

Hip-Hopper Afrob und Weltmusiker Majid Bekkas

Im Saal daneben spielen am gleichen Tag die vier Herren von Web Web. Und sie sind nicht allein: An ihrer Seite agieren der bundesweit bekannte Hip-Hopper Afrob und der marokkanische Weltmusiker Majid Bekkas, der neben vielen das traditionelle Instrument Guembri beherrscht – eine Kastenhalslaute, die sich in den Maghreb-Ländern großer Beliebtheit erfreut. Was für eine Combo! Diese zusammengewürfelte Truppe entspricht ganz der Philosophie von Web Web: Sie lieben das Spontane, die Improvisation fern von Arrangements. Sich einfach mal zusammensetzen und gucken, was dabei rumkommt. Vier Ausnahmekünstler Für ein weiteres Highlight dürfte der Folgeabend sorgen: Unter dem Namen 4 Wheel Drive treten hier vier Ausnahmekünstler des Genres gemeinsam auf: der Posaunist und Sänger Nils Landgren, der Pianist Michael Wollny, Lars Danielsson an Bass und Cello sowie Wolfgang Haffner am Schlagzeug. Im Grunde eine Supergroup. Im Tank hat dieser Vierrad­antrieb nur eines: Jazz. Alle vier sind auch als Solokünstler so gefragt, dass sie diesen Zusammenschluss im Grunde gar nicht brauchten. Der Schwede Landgren gilt als einer der Größten seines Fachs, sein Landsmann Danielsson spielt den Bass so gefühlvoll wie sonst kaum jemand. Und die beiden Deutschen stehen den skandinavischen Kollegen in nichts nach: Wollny gewann 2015 und 2016 den Jazz Echo; und Wolfgang Haffner ist der Mann, den man in Deutschland an den Drums wissen will, wenn man formidablen Sound sucht. In Summe verspricht das eine wilde Fahrt.

Viele weitere Konzerte

Es stehen viele weitere Konzerte auf dem Programm der Theaterhaus Jazztage, die mit der Veranstaltung „Die letzten schönen Tage“ am 22. April enden. Der für Bassmusik zuständige Kurt Holzkämper und Mehrdad Zaeri aus dem Iran, der sich um die Illustration kümmert, betreiben ein inter­disziplinäres Projekt namens „Liebesfabrik“: ein besonderes Konzertformat, bei dem es nicht nur um Klang, sondern auch um Bild und Wort geht. Holzkämper spielt Bass, Zaeri illustriert live. Mittels Leinwandübertragung kann das Publikum verfolgen, zu welchen Formen und Figuren ihn die Töne inspirieren. Hier entsteht eine Welt für sich – also so wie auch an den fünf Jazztagen im Theaterhaus.

32. Theaterhaus Jazztage: 18. bis 22. April, Tickets 07 11 / 4 02 07 20