Theaterhaus Stuttgart Scooter-Songs am Klavier - Techno trifft Klassik

Von Franz Krauder 

Im Rahmen der Reihe „Klassik? Klassik!“ interpretiert die Pianistin Olga Scheps Scooter-Songs am Klavier – am 22. Februar gastiert sie im Theaterhaus in Stuttgart.

Olga Scheps spielt im Theaterhaus Stücke von Scooter. Foto: Uwe Arens
Olga Scheps spielt im Theaterhaus Stücke von Scooter. Foto: Uwe Arens

„Döp döp döp dödö döp döp döp! Dö döp döp döp dödö döp döp döp!“ Wer jetzt einen mittelalten Herrn mit kurzen blonden Haaren vor dem inneren Auge sieht, kennt sich aus: Diese geschliffenen Zeilen stammen aus dem Epos „Maria (I like it loud)“ des Techno-Trios Scooter. Die Hyper-Hyper-Herrschaften um den charismatischen Frontmann H. P. Baxxter, der vor langer Zeit mal Hans Peter Geerdes hieß. Musiker, die möglichst laut und ekstatisch gehört werden wollen. Was aber, wenn man deren Kompositionen nun solo am Klavier spielt? Die Pianistin Olga Scheps macht genau das. Am 22. Februar gastiert sie im Rahmen der Reihe „Klassik? Klassik!“ im Theaterhaus und spielt „Scooter & more“. „Klassik? Klassik!“ steht für eine neue Perspektive auf das Genre der Klassik, für Experimente und musikalische Kreuzungen. Zu einem solchen Kontrast kam es in dieser Reihe aber wohl noch nie. Scooter am Flügel, „Hyper Hyper“ am Klavier – wie kommt man nur auf diese Idee? Olga Scheps ist in Moskau geboren und damit Russin. Scooter sind in Russland sehr beliebt, generell sind die Konzertkarten in Osteuropa heiß begehrt. Unvergessen der Skandal, als das Trio 2017 auf der annektierten Krim auftrat. Es hagelte Kritik aus dem Westen. Wenn Bands von solchem Format dort auftreten, als wäre es eine Selbstverständlichkeit, so tragen sie auch dazu bei, dass der Anschluss der Krim an Russland als selbstverständlich akzeptiert wird, hieß es. Zwischenzeitlich wurde gar spekuliert, ob die Musiker dafür inhaftiert werden könnten. Aber die Sache ging ja gut aus.

Ironie inklusive

Die 33-jährige Scheps kam allerdings schon im Alter von sechs Jahren nach Deutschland – sie ist also keine verrückt gewordene Hardcore-Anhängerin aus Russland, die H. P. Baxxter für den neuen Mozart hält. Hierzulande wird Scooter ja eher belächelt oder eben ironisch bejubelt. Wobei sich da immer auch die Frage stellt, ob diese Ironie nicht ohnehin schon im Wesen der Truppe liegt. Man kann sich jedenfalls schlecht vorstellen, dass H. P. Baxxter Texte wie „Every minute, every hour, got the power, take a shower“ und „Respect to the Man in the Ice Cream Van“ bierernst in sein Notizbuch schreibt. Die von Sven Helbig geschaffenen Arrangements müssen aber freilich ohne diese Höhepunkte der Lyrik auskommen. Ein gebrülltes „Yeeeaaaaaaaaahhh!!“ sucht man hier vergebens. Olga Scheps spielt nur Klavier. Also was heißt hier „nur“, sie macht das virtuos. Als Tochter des Pianisten Ilja Scheps, Professor an der Aachener Abteilung der Hochschule für Musik und Tanz Köln, wurde sie früh gefördert und gewann schon als Zwölfjährige Wettbewerbe wie „Jugend spielt Klassik“. Es folgten Stipendien, ein Studium mit Bestnote und Auftritte bei etlichen Veranstaltungen und Festivals. Heute spielt sie Werke von Peter Tschaikowsky und Frédéric Chopin in der Kölner Philharmonie oder der Russischen Staatskapelle in Moskau. Irgendwie entspricht das nicht dem Klischee des Scooter-Fans, auch wenn Scheps nach eigener Aussage so wie eigentlich jeder in diesem Land den Scooter-Titeln in ihrer Jugend auf Partys und Dorffesten immer wieder begegnete.

Flotte Achtel statt wummernde Bässe

Nein, Hintergrund der Platte, die auf dem Label der Band erschienen ist, ist das 25-Jahr-Jubiläum der Truppe. Wo andere ein Best-of-Album raushauen, gibt es bei Scooter eben eine Klassik-Interpretation. Was man ihnen bei aller Simplizität ihrer Songs eben lassen muss: Marketing beherrschten sie schon immer. Sitzt Scheps dann am Instrument und spielt die Titel, die sie gemeinsam mit H. P. Baxxter einstudiert hat, erkennt man die eigentlich synthesizer- und basslastigen Werke schon wieder: Aber aus dem Wummern und Dröhnen werden flotte Achtel und fein ­ziselierte Läufe. Das Ehrwürdige der Klassik fehlt diesen Stücken. Es sei eine schöne Erfahrung, auch mal bei der Entstehung eines Stückes dabei zu sein, sagt Olga Scheps. Was sie sonst spielt, entstand ja lange vor ihrer Zeit. Natürlich wird auch ihr klassisches Repertoire von Mozart bis Satie nicht zu kurz kommen. Dennoch darf das Publikum auf jeden Fall Frack und Abendkleid zu Hause lassen.

Olga Scheps: Scooter & more: 22. Februar, 20 Uhr, Theaterhaus, Tickets unter 07 11 / 4 02 07 20.