Theaterhaus Stuttgart Tanztheater: Egon Madsen als König Lear

Von Daniela Eichert 

Egon Madsen bringt im Januar „König Lear“ in einer Choreografie von Mauro Bigonzetti auf die Theaterhaus-Bühne. Die komplexe Geschichte, die William Shakespeare einst in ein großes Bühnendrama verwandelte, wird im Tanzstück in der Person Egon Madsens verdichtet.

Tänzer Egon Madsen (links) und Choreograf Mauro Bigonzetti hat das gemeinsame Tanztheater-Projekt „Egon king Madsen lear“ zusammengebracht. Am 19. Januar wird Premiere im Theaterhaus gefeiert.  Foto: Holger Reuker
Tänzer Egon Madsen (links) und Choreograf Mauro Bigonzetti hat das gemeinsame Tanztheater-Projekt „Egon king Madsen lear“ zusammengebracht. Am 19. Januar wird Premiere im Theaterhaus gefeiert. Foto: Holger Reuker

„Prinz von Dänemark“ ist der große Tänzer Egon Madsen immer wieder genannt worden – geboren worden ist er nämlich im dänischen Ringe, ehe ihn seine Wege zum Stuttgarter Ballett führten. Dort wurde er damals von John Cranko entdeckt und Teil des „Stuttgarter Ballettwunders“. Dennoch wird es nicht „Hamlet“ sein, der diesen Titel ja ebenfalls trägt, den Madsen im Januar auf der Bühne des Theaterhauses in einer Choreografie von Mauro Bigonzetti bringen wird – zumal er den „Hamlet“ bereits in der gleichnamigen Choreografie von John Neumeier tanzte. König Lear ist’s, der die beiden Männer zu ihrem gemeinsamen Projekt inspiriert hat.

Warum gerade er? Auch Lear, so erklärt Madsen, ist ein älterer Mann. Lear möchte abdanken und daher sein Königreich unter seinen drei Töchtern aufteilen. Aber wie soll er das am besten anstellen? Und welche der drei Frauen liebt ihn am aufrichtigsten? Die komplexe Geschichte, die William Shakespeare einst in ein großes Bühnendrama verwandelte, wird im Tanzstück Bigonzettis in der Person Egon Madsens verdichtet. Ihn hat der Tanz-Journalist Günter Pick mal „Schauspieler in Schläppchen“ genannt. Und genau das ist es, was für Madsen die Darstellung dieser historischen Persönlichkeit so interessant macht.

Es geht nicht in erster Linie ums Tanzen, sondern um das Charisma von König Lear

„Ich habe in meinem Leben so viele verschiedene Charakterrollen gespielt“, erzählt der 77-Jährige. Er sei damit immer erfolgreich gewesen. Immer wieder seien Menschen auf ihn zugekommen mit dem Vorschlag – oder vielleicht sogar mit der Bitte? –, er solle doch noch einmal etwas von Shakespeare auf der Bühne darstellen.

„Meine Stärke ist es wohl, dass ich zum Beispiel einfach auf der Bühne sitze und vor mich hinschaue – das hat auf viele Zuschauer Eindruck gemacht und manchmal Gänsehaut verursacht.“ Er schmunzelt. „Bei der Darstellung des König Lear geht es ja nicht in erster Linie ums Tanzen, sondern um das Charisma dieses Mannes.“ Ihm und Bigonzetti kommt es dabei darauf an, die Tiefe erfahrbar zu machen, die in diesem älteren Menschen steckt.

Egon Madsen und Mauro Bigonzetti: Nachbarn in der Toskana

Der Tänzer Egon Madsen und der Choreograf Mauro Bigonzetti wohnen auf zwei benachbarten Hügeln. Nein, nicht am Rand des Stuttgarter Kessels, sondern in der italienischen Toskana. „Wir verstehen uns gut“, verrät der Tänzer. In „König Lear“ kann Madsen all die vielen Facetten funkeln lassen, die seine Künstlerpersönlichkeit über so viele Jahre in so vielen unterschiedlichen Rollen geformt haben. Das fängt beim unvergessenen Gremio in John Crankos „Der Widerspenstigen Zähmung“ an, geht über den wundervollen Sancho Panza in „Don Q.“ bis hin zum Kaiser in Kenneth MacMillans „Mayerling“.

„Egon king Madsen lear“, so heißt das Tanztheaterstück, funktioniert aber anders als all diese Werke. Das fängt schon bei Mauro Bigonzetti an, der hier nicht nur Choreograf ist, sondern Choreograf und Regisseur zugleich. Und das setzt sich in der Sprache fort, die bei dieser Produktion eine wichtige Rolle spielt. Natürlich findet keine Inszenierung des Shakespeare-Stückes statt. „Wir nehmen Texte, die wir wichtig finden“, erklärt Madsen. Er selbst wird einen Teil davon selbst sprechen. Etliche Passagen werden von Schauspielern des Theaterhaus-Ensembles gelesen. „Man kann ja nicht erwarten, dass das Publikum Shakespeares ,König Lear‘ kennt.“

„Der Körper kann im Alter ganz wunderbare Dinge ausstrahlen“

Für ihn liegt der Fokus ganz klar auf den starken Emotionen, die der König durchlebt und durchleidet. „Es geht um die Liebe, aber auch um die Verzweiflung, die in König Lear sind“, beschreibt er. Seine gesamte Energie, Kraft und all seine darstellerischen Möglichkeiten möchte Madsen einbringen, um die Situation gegenwärtig zu machen, an der König Lear zugrunde geht. Oft habe er, Madsen, die Menschen zum Lachen gebracht, „jetzt gehört es dazu, dass auch ein paar Tränen fließen. Ich war immer der Schöne, der Nette. Jetzt möchte ich auch einmal die andere Seite darstellen.“

Nicht erst jetzt ist Madsen – der seit vielen Jahren auch Gauthier Dance, die Tanz-Company des Theaterhauses, coacht – die Arbeit mit dem alternden Körper wichtig. Das hat er schon auf eindrucksvolle Weise bewiesen, als er von 2000 bis 2007 das Nederlands Dans Theater III leitete – das Ensemble für Tanzende über 40. „Der Körper kann im Alter ganz wunderbare Dinge ausstrahlen“, ist Madsen überzeugt. Wenn einer den Beweis dafür erbringen kann, dann sicher er.

Info: „Egon king Madsen lear“: Premiere am 19. Januar, 19.30 Uhr, weitere Vorstellungen 22. bis 25. Januar, jeweils 20 Uhr, Theaterhaus, Tickets unter 07 11 / 40 20 720 oder auf der Homepage des Theaterhaus Stuttgart.