Theaterhaus Stuttgart „The Nutcracker Reloaded“ - Spektakel für die ganze Familie

Von Gabriele Metsker 

Mit dem „Nussknacker“ hat sich der schwedische Choreograf Fredrik Rydman einen zweiten Ballettklassiker vorgenommen und ihm ein völlig neues, ganz eigenes Gesicht gegeben. Denn mit „Swanlake Reloaded“ hat er bereits in ganz Europa Erfolge gefeiert. Nun kommt sein „Nutcracker Reloaded“ nach Stuttgart und macht im Januar im Theaterhaus Station.

Bei „Nutcracker Reloaded“ von Fredrik Rydman haben auch Darth Vader und Super Mario eine Rolle.   Foto: Kai Heimberg
Bei „Nutcracker Reloaded“ von Fredrik Rydman haben auch Darth Vader und Super Mario eine Rolle. Foto: Kai Heimberg

Zwar stammt Rydman aus der Jazz- und Hip-Hop-Szene, dennoch hat ihn die Musik von Peter Tschaikowsky sehr angesprochen, als er in einer „Schwanensee“-Inszenierung des Choreografen Mats Ek mitgetanzt hatte.

Die Musik ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. „Sie war so gut, so erzählend und hat so viele Schichten“, beschreibt er. „Viele der Rhythmen haben eine ungeheure Energie, das passt sehr gut zu zeitgenössischem Tanz und zu Streetdance.“ Nach seiner Meinung haben die klassischen Tänzer deren Potenzial noch gar nicht so richtig ausgeschöpft. „Das ist eine echte Goldmine. Etwas, das ich erforschen möchte.“ So ist es eigentlich nur folgerichtig, dass nun mit dem „Nussknacker“ das zweite große Stück mit Klängen von Tschaikowsky an der Reihe ist.

Überflüssig zu erwähnen, dass sowohl die Musik als auch die Geschichte und Choreografie in „The Nutcracker Reloaded“ ordentlich durchgeschüttelt und teilweise auch mit neuen Elementen versehen worden sind. Eine Sache hat sich dadurch indes nicht verändert: Rydmans „Nutcracker Reloaded“ ist wie der ehrwürdige „Nussknacker“ ein Märchen, das für die ganze Familie geeignet ist. Rydman findet sogar, dass seine Version weniger düster ist als die ursprüngliche Geschichte von E. T. A. Hoffmann. Sicher ist: Sie ist in der heutigen Zeit angesiedelt und wirft für den, der diesen Aspekt sehen möchte, auch einen kritischen Blick aufs Zeitgeschehen.

Müllkippe und Waise statt wohlhabender Familie

In „Nutcracker Reloaded“ steht ebenfalls ein Mädchen namens Clara im Mittelpunkt. Allerdings feiert sie nicht unterm Christbaum Weihnachten mit ihrer wohlhabenden Familie, sondern lebt als Waisenkind unter Bettlern auf einer Müllkippe und sehnt sich nach ihren Eltern. Anstelle des unheimlichen Onkels Drosselmeyer gibt es hier einen Organhändler, der freilich nichts Gutes im Schilde führt. Statt Zuckerfee und tanzenden Rohrflöten haben Super Mario und Darth Vader ihren Auftritt.

Neben dem Ensemble, zehn Tänzerinnen und Tänzer im Alter von 20 bis 30 Jahren, gibt es einen Erzähler, der allerdings zunehmend selbst Teil des Geschehens wird. Ein bisschen Ironie ist dabei durchaus im Spiel, wie Fredrik Rydman verschmitzt erklärt. Denn nun muss auf jeden Fall keiner mehr Sorge haben, eine mögliche Bedeutung der Tanzschritte nicht richtig zu verstehen.

Die Akteure auf der Bühne sind gefordert: Knapp zwei Jahre hat Rydman gesucht, bis er seine Company beisammenhatte. Seine Choreografie verlangt ihnen viel ab, vor allem Clara. Sie tanzt zwar fast die ganze Zeit über virtuosen Hip-Hop, zieht aber am Schluss dennoch die Spitzenschuhe an und zeigt, dass sie auch klassischen Tanz draufhat. „Sie ist einfach fantastisch“, schwärmt Rydman. Im Stück verleiht sie auf diese Weise Claras Traum Gestalt: einmal im Leben eine echte Ballerina zu sein. Andere Tänzer erweisen sich im Laufe des Stücks nicht nur als Hip-Hop-Asse, sondern ebenso als ausgezeichnete Jazz- oder Contemporary-Tänzer.

Energiegeladene Elektro-Beats und Popsongs

Der Umgang mit Tschaikowskys Musik ist in „Nutcracker Reloaded“ nicht weniger kreativ als der mit der Geschichte. Etwa die Hälfte der Stücke erklingt so, wie Tschaikowsky sie aufgeschrieben hat. Manche erklingen vielleicht an einer anderen Stelle, wenn Rydman die Musik dazu inspiriert hat, ihr eine andere Bedeutung zu geben als in der klassischen Variante.

Dazu hat er Komponisten beauftragt und ihnen teilweise im Studio tanzend demonstriert, wie er sich die entsprechende Passage vorstellt. So gibt es nun eine Reihe energiegeladener Elektro-Beats und Popsongs. Rydmans großer Wunsch ist, dass „Nutcracker Reloaded“ dazu beitragen kann, Kinder und Eltern durch das gemeinsame Erleben zusammenzubringen. So sei das bei ihnen in Schweden an Weihnachten, sagt Fredrik Rydman.

„The Nutcracker Reloaded“: 15. bis 20. Januar, wechselnde Zeiten, Theaterhaus, 07 11 / 22 11 05