Theaterkeller Sindelfingen Mokante Großstadtdichterin und Exil-Literatin
Das TheaterEnsemble Sindelfingen hat im Theaterkeller der Dichterin Mascha Kaléko eine sehenswerte „Ladies Night“ gewidmet.
Das TheaterEnsemble Sindelfingen hat im Theaterkeller der Dichterin Mascha Kaléko eine sehenswerte „Ladies Night“ gewidmet.
2023 hatte das TheaterEnsemble Sindelfingen erstmals erfolgreich eine „Ladies Night“ mit Texten von Lasker-Schüler, Kaschnitz und anderen präsentiert. Nun folgte der zweite Streich: Ende der Woche feierte mit einer Hommage an Mascha Kaléko die „Zweite Ladies Night“ Premiere. Als Rezitatoren traten Sabine Duffner, Sarah Kupke und die SMTT-Leiterin Maria Wunder, welche die Lesung mit Klarinette und Klavier bereicherte, auf.
1907 als Tochter jüdisch-österreichischer beziehungsweise jüdisch-russischer Eltern in Chrzanów in Galizien geboren, fühlte sich Mascha von den Eltern wenig gesehen, wie sie in einem Gedicht bekennt. 1918 zog die Familie nach Berlin. Ein Studium hielt ihr Vater nicht für notwendig, und Kaléko begann eine Bürolehre im Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands. Das illustriert das Ensemble mit einem Auszug aus der Kurzgeschichte „Mädchen an der Schreibmaschine“, wobei Sarah Kupke tatsächlich ihre Finger wie auf einer Maschine spielen lässt.
Das Ende der 1920er Jahre markierte einen Wendepunkt: Mascha Kaléko kam mit der Berliner Künstler- und Intellektuellen-Szene im Romanischen Café in Kontakt, veröffentlichte erste Gedichte und wirkte im Künstlerkabarett (Küka) mit. In dieser Zeit lernte sie auch ihren ersten Ehemann Saul Aaron Kaléko kennen. Das Café ist in Gestalt eines Projektionsbilds präsent, und auch die drei Darstellerinnen lesen an Tischen.
Maria Wunder untermalt Kalékos Kindheit und die Höhen und Tiefen der 1920er Jahre sensibel mit Klezmer-Klängen, Strawinsky und einem Dreigroschen-Oper-Song von Kurt Weill und Brecht. Beim „Grünen Kaktus“ von den Comedian Harmonists dürfen die Zuschauer mittun.
Doch die Jahre, in denen die Dichterin zu einer in ganz Deutschland gefragten Großstadt-Dichterin mit melancholischem, selbstironischen Stil avancierte, waren schnell vorbei. Ihre Texte wurden von den Nazis verboten, und 1938 emigrierte sie in die USA. Von der Sehnsucht und der Trauer der Emigranten erzählen Gedichte wie „Überfahrt“ oder „Auf einer Bank im Central Park“, von Momenten der Hoffnung Eva Cassidys Cover von „Over the Rainbow“. Auch ein erschütterndes Gedicht über den Holocaust ist zu hören.
Nach dem Krieg gelang es Kaléko, in Deutschland Fuß zu fassen. 1960 wanderte sie aber auf Initiative ihres zweiten Manns hin nach Jerusalem aus, wo sie sich jedoch isoliert fühlte. 1974 erwog sie eine weitere Wohnung in Berlin anzumieten, verstarb jedoch zuvor.
Am 17., 19. und 20. Dezember um 20 Uhr ist die Lesung noch einmal zu erleben. Karten gibt es über www.sindelfingen-reservix.de, im I-Punkt, unter der Telefonnummer 0721/94 325 oder über i-punkt@sindelfingen.de.