Theaterleute contra Anwohner Theatergruppe verlangt Polizeischutz

Von Christian Kempf 

Das Tischtuch zwischen dem Theaterhaufen in Steinheim-Kleinbottwar und den Nachbarn der Kelter scheint zerschnitten. Die Aufführungen im dortigen Gebäude sind den Anwohnern zu laut. Beide Parteien haben sich inzwischen an die Polizei gewandt. Die Theater Leute deshalb, weil vor ein paar Jahren einmal auf das Gebäude geschossen wurde.

Objekt des Zanks ist die Kelter in Kleinbottwar, das Bild rechts zeigt  ein Einschussloch aus früheren Streitigkeiten. Foto: Kuhnle/Brock
Objekt des Zanks ist die Kelter in Kleinbottwar, das Bild rechts zeigt ein Einschussloch aus früheren Streitigkeiten. Foto: Kuhnle/Brock

Steinheim - Viel umjubelt sind die „Krabat“-Inszenierungen, die der Theaterhaufen Bottwar derzeit auf die Bühne der Kelter in Kleinbottwar bringt. Weniger begeistert davon sind einige Anwohner. Ihnen geht der erhöhte Geräuschpegel gehörig gegen den Strich. Eine Familie hat sich bereits mehrfach an die Polizei gewandt. Nun haben auch die Macher des Stücks die Ordnungshüter kontaktiert – nachdem die Situation am vorigen Sonntag eskaliert ist.

Barbara Layer, Vorsitzende des Theaterhaufens, berichtet, dass das Publikum kurz nach 22 Uhr den Saal verlassen habe. „Die Leute haben sich draußen ganz normal unterhalten. Musik lief ebenfalls keine mehr.“ Trotzdem habe ein Nachbar die Besucher beschimpft, dass er die Nase voll habe von dem Radau. Zudem habe er eine dunkelhäutige Darstellerin rassistisch beleidigt. Zuschauer wollten den Mann beruhigen. Ein Akteur des Theaterhaufens habe ihm gegenüber überdies versichert, dass sich die Gesellschaft in fünf Minuten auflösen würde. „Dann hat der Anwohner gesagt, dass etwas passieren wird, wenn nicht gleich Ruhe ist“, erzählt Barbara Layer.

Die Theatergruppe bittet um Polizeischutz

Das ließ bei ihr sogleich die Alarmglocken schrillen. Vor zwei Jahren sei an gleicher Stelle auf das Schaufenster des Anwesens geschossen worden. Zu dem Zeitpunkt sei aber keiner der Theaterleute mehr da gewesen, erinnert sich Barbara Layer. „Wir haben das tags darauf entdeckt und die Polizei eingeschaltet.“ Zunächst dachte sie, das Einschussloch von damals gehe auf das Konto des sich jetzt so echauffierenden Nachbarn. „Ich habe Angst um die Mitspieler, dass sie nun ein Querschläger trifft“, sagt sie.

Also wandte sie sich am Montag an die Polizei mit der Bitte, ihrer Truppe während der noch ausstehenden sechs Aufführungen Schutz zu gewähren. Aber der Verein wolle auch das Gespräch mit dem Anwohner suchen. Wobei Barbara Layer erwähnt, dass man bereits versucht habe, die Anrainer etwa mit Entschuldigungsflyern und gedämpfterer Musik zu besänftigen. Dennoch: Die Kelter ist nicht schallgedämmt. „Zwei oder drei Nachbarn sind auf uns zugekommen, weil ihr Kind beziehungsweise die Oma nicht schlafen konnte“, sagt Barbara Layer. Auch hätten Anwohner die Polizei gerufen.

Die Polizei will die Streithähne zum Gespräch bewegen

In der sich nun zuspitzenden Lage wiederum wird die Polizei die Inszenierungen nicht in der vom Theaterhaufen gewünschten Form schützen können, stellt Alexandra Klinke, eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, klar. Man werde aber mit allen Beteiligten das Gespräch suchen, um die restlichen Aufführungen geordnet über die Bühne zu bringen. Bei Gefahr im Verzug könne man sich jederzeit per Notruf melden.

Was den Vorfall von vor zwei Jahren anbelangt, bestätigt Alexandra Klinke, dass ein so genanntes Diabolo, also ein Projektil aus einem Luftgewehr, bei der Kelter gefunden wurde. Ein Tatverdächtiger fehle aber nach wie vor. Besagter Nachbar habe sicher nichts mit dem Fall zu tun gehabt.

Der Ortsvorsteher würde ein Scheitern des Projekts bedauern

Dessen Familie hat sich auch beim Steinheimer Ordnungsamt beschwert, sagt Amtsleiter Rolf Englert. Der Ortsvorsteher Manfred Waters wiederum ist nach eigener Aussage von zwei Seiten auf den Lärm angesprochen worden. Er sei deshalb aufs Ordnungsamt zugegangen, damit man sich dort um den Fall kümmert, habe sich an Ort uns Stelle aber noch kein Bild von der Lage gemacht – von der wohl eine Tonbandaufnahme existiert. Ein Scheitern des Kulturprojekts finde er schade.

Derzeit gibt aber keine Anzeichen dafür, dass „Krabat“ abgeblasen wird. Barbara Layer will sich nicht einschüchtern lassen und die Aufführungen fortsetzen. Zumal alle rechtlichen Voraussetzungen dafür gegeben sind. Der Technischen Ausschuss des Gemeinderats habe einem entsprechenden Antrag bestätigt, sagt Ordnungsamtsleiter Englert. Die Konzession gelte bis 23 Uhr. Besagte benachbarte Familie, die namentlich nicht genannt werden will, beklagt jedoch, dass das Gebäude, in dem seit Ende April geprobt wird, teilweise bis 24 Uhr belegt gewesen sei. Mehrmals habe man vergeblich auf die Lärmbelastung hingewiesen. „Wir wollen einfach, dass zu einer gewissen Zeit Ruhe einkehrt“, sagt ein Familienmitglied – angeblich in Übereinstimmung mit anderen Nachbarn. Von Drohungen oder rassistischen Äußerungen sei ihm nichts bekannt.

Der Bürgermeister appelliert an die Vernunft aller Beteiligten

Der Bürgermeister Thomas Rosner findet, dass jene eine, tatsächlich etwas lautere Szene „bei gutem Willen“ die wenigen Male noch „ertragen“ werden könne. Künftig müsse jedoch das Thema Geräuschdämmung angegangen werden, zum Beispiel mit einem schallschluckendem Vorhang. Auch könnten die Stücke früher beginnen. Momentan enden die Vorstellungen am Freitag und Samstag gegen 23 Uhr, jene am Sonntag gegen 22 Uhr. „Mit ein wenig gutem Willen lassen sich sicher Kompromisse finden“, sagt Rosner.