„Der kleine Prinz“ wird in der Theaterspinnerei Frickenhausen mit Schauspiel, Musik, Licht, Video-Filmen, Live-Zeichnungen und KI-generierten Bildern zu einem poetischen Plädoyer für Freundschaft und Menschlichkeit. Foto: gw
Die Theaterspinnerei Frickenhausen hat den literarischen Klassiker „Der kleine Prinz“ mit modernster Technik zu einem berührenden multi-medialen Erlebnis gemacht.
Gaby Weiß
07.05.2026 - 15:53 Uhr
Der Weltraum in seiner Weite, Leere und Stille hat Künstler und Denker immer wieder zur Beschäftigung mit philosophischen Grundfragen angeregt. So auch den französischen Autor Antoine de Saint-Exupéry in seiner märchenhaften Erzählung „Der kleine Prinz“ aus dem Jahr 1943. Die Theaterspinnerei im alten Bahnhof in Frickenhausen hat den Text nun mit Schauspiel, Musik, Licht, Videofilmen, Live-Zeichnungen und KI-generierten Bildern zu einem ästhetischen Gesamtkunstwerk geformt, das zu Herzen geht und das Premierenpublikum begeisterte.
Eine Notlandung in der Wüste soll den Piloten Antoine de Saint-Exupéry zu seiner Geschichte inspiriert haben. Zwischen Sand und Sternen erwacht der Abenteurer nach dem Crash als kleiner Prinz (Jens Nüßle). Der hat wegen einer komplizierten Liebesgeschichte mit einer feinnervigen Rose seinen klitzekleinen Heimatplaneten B 612 in Richtung Erde verlassen. Unterwegs begegnet er liebenswert-skurrilen Figuren, einer Königin, einem Säufer, einem Geometer und einem eitlen Narziss mit rotem Basecap. Für diese köstlichen Zeichentrickpersönlichkeiten wurden menschliche Bewegungen digital auf gezeichnete Charaktere übertragen, mit denen sich der kleine Prinz auf der Bühne unterhält.
„Der kleine Prinz“ eröffnet einen neuen Blick auf die Welt
Eine zweite Erzählebene ermöglicht einen Blick in den Kopf des kleinen Prinzen mit all seinen Träumen, Ängsten, Assoziationen und Gedanken. Hier trifft er auf Aletheia (Susie Rosina Pochert), benannt nach der Göttin der Wahrheit. Im Gespräch erkunden die beiden seine Erinnerungen und Gefühle auf der Suche nach dem Wesentlichen.
Premiere „Der kleine Prinz“ in der Theaterspinnerei Frickenhausen. Foto: gw
Dabei gewinnt der kleine Prinz jede Menge lebenskluger Erkenntnisse – vor allem über die Erwachsenen, die „über Sport, Politik und Krawatten reden“ und deren Verhalten ihm doch sehr sonderbar, merkwürdig und wunderlich vorkommt: Denen es wichtiger ist, Fragen zu stellen, als Antworten zu finden. Die häufig einsam sind, obwohl doch mehr als acht Milliarden Menschen auf der Erde leben. In der Konfrontation mit Vernunft, Verstand und Logik der Erwachsenen eröffnet das kindliche Staunen des kleinen Prinzen dabei einen neuen Blick auf die Welt.
Modernste Technik in der Theaterspinnerei Frickenhausen
Die technisch komplexe multi-mediale Inszenierung (Stephan Hänlein und Jens Nüßle) setzt auf optische Effekte. Da wird live gezeichnet (Marcus Dreisigacker), da wird bei jeder Vorstellung Material neu und wieder ein bisschen anders durch KI generiert und verfremdet. Einmal mehr überzeugen die Theatermacher durch liebevolle Details wie die atmosphärischen Klänge, den leuchtenden Sternenhimmel oder Aletheias funkelndes Spiegel-Kostüm (Helen Artz und Dagmar Nüßle).
Das Theaterstück mit dem Untertitel „Über die Zerbrechlichkeit der Welt. Eine Reise in die Phantasie auf der Suche nach Wahrheit“ lotet de Saint-Exupérys Werk philosophisch und poetisch aus. Durch ihre Interpretation schaffen die Theaterspinner – ohne dem Original zu nahe zu treten – eine zauberhafte Illusion und ein sinnliches Plädoyer für Freundschaft, Liebe und Menschlichkeit. Wie lautet doch das viel zitierte Geheimnis am Ende des Stückes? „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Weitere Vorführungen für Erwachsene und Kinder ab zehn Jahren gibt es am 9. und 10. Mai, am 12., 13., 19., 20., 27. und 28. Juni. Informationen und Tickets unter www.theaterspinnerei.de