Theaterstück zur Finanzkrise Mit der Bank will man es sich nicht verderben

Kultur: Roland Müller (rm)
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Sie klären Dinge auf, die eigentlich die Medien aufklären müssten . . .
 . . . aber nur schwer aufklären können. Ein Journalist, der über diese Zusammenhänge und die teils windigen, teils kriminellen Praktiken der Branche berichtet, erhält schnell keine Informationen mehr. Er wird nicht mehr zu Hintergrundgesprächen unter vier oder sechs Augen eingeladen. Er wird auch nicht mehr vom Pressesprecher vertraulich auf dem Handy angerufen.

Er wird von Infos abgeschnitten?
Komplett. Es existiert ein subtiles System von Privilegien und Sanktionen. Und wer von Sanktionen betroffen ist, muss anderen Kollegen hinterherschreiben, was keinem Chefredakteur gefällt. Also neigt man dazu, es sich mit einer Bank nicht zu verderben.

Trotzdem sind Banken nicht unangreifbar. Hunderte von Beamten haben unlängst die Deutsche Bank wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung durchsucht . . .
Mit der Staatsanwaltschaft an seiner Seite steht man als Journalist nicht mehr alleine da. Das vereinfacht vieles.

Nachdem Sie sich intensiv in die Bankwelt eingearbeitet haben: Kennen Sie jetzt deren inneres Betriebsgeheimnis?
Ja. Es ist ein Glaubenssatz, der die hohen Gewinne einiger weniger zur Glücksformel für alle erklärt, ja, verklärt hat: das Mantra des trickle down, demzufolge die Gewinne irgendwann von oben nach unten durchsickern. Man brauche nur Geduld, dann komme das große Geld auch bei denen ganz unten an. Aber nichts da: spätestens 2007 hat jeder gesehen, dass das ein Irrglaube war, dass die Kluft zwischen oben und unten immer größer wurde – und dass man, im Gegenteil, Steuergelder in Milliardenhöhe brauchte, um die Institute zu retten.

Könnten Sie mit Ihren Kenntnissen mittlerweile als Finanzminister arbeiten?
Da gibt’s Bessere. Ich schaffe es ja nicht einmal, meine Steuererklärung alleine hinzukriegen.




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