Leonberg wird zur Bühne: Renommierte Ensembles und lokale Gruppen zeigen ein vielfältiges Programm mit bekannten Stars und packenden Stoffen. Der Vorverkauf beginnt am 1. März.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Zum fünften Mal veranstaltet die Stadt die Leonberger Theatertage. Ein Festival, das zeigt, wie lebendig Theater heutzutage sein kann. Professionelle Ensembles aus ganz Deutschland teilen sich mit Amateurgruppen aus Leonberg vom 14. bis 30. April die Bühnen der Engelbergstadt.

 

Veranstaltet vom Amt für Kultur und Sport vereinen die Theatertage Gastspiele renommierter Landes- und Stadttheater mit inklusiven Projekten, Musiktheater, szenischen Lesungen und einem starken Fokus auf Kinder- und Jugendtheater. Jahr für Jahr wird Leonberg so zu einem Ort lebendiger Begegnung, an dem gesellschaftliche Fragen, große Geschichten und poetische Momente aufeinandertreffen. Nach Möglichkeit werden die Leonberger Amateurtheatergruppen mit einbezogen. Erstmals ist in diesem Jahr auch die Stadthalle mit einer Veranstaltung beim Festival vertreten.

Das Programm der Leonberger Theatertage spannt einen weiten Bogen, von gesellschaftskritischem Schauspiel über literarische Stoffe und Musiktheater bis hin zu Inszenierungen für die jüngsten Zuschauerinnen und Zuschauer. Theater soll dabei Raum geben, um nachzudenken, mitzufühlen und gemeinsam zu erleben.

Was ist der Reiz, wenn öffentlich geliebt, gestritten und gekämpft wird?

Den Auftakt im Schauspielbereich macht das Stück „Kampf der Reality Shows“ des Landestheaters Tübingen (Dienstag, 14. April, Theater im Spitalhof). In einer eigens entwickelten Stückfassung nehmen die Regisseurin Hannah Frauenrath und ihr Ensemble eines der prägendsten Medienformate unserer Zeit unter die Lupe. Reality Shows versprechen Authentizität, Nähe und den Blick auf den „ganz normalen Menschen“. Doch was ist eigentlich real an diesen Formaten? Welche gesellschaftlichen Normen werden reproduziert, welche Rollenbilder verstärkt – und warum schauen wir so fasziniert zu, wenn öffentlich geliebt, gestritten und gekämpft wird?

Mit Tempo, Humor und analytischer Schärfe entsteht eine Show, die unterhält und zugleich zum kritischen Nachdenken anregt. Besonders für ein junges Publikum ab 14 Jahren öffnet das Stück einen Reflexionsraum über Medienkonsum, Selbstinszenierung und gesellschaftliche Erwartungen.

Einen ernsten, hochaktuellen Ton schlägt „Ein deutsches Mädchen“ an (Mittwoch, 15. April, Beat Baracke, und Donnerstag, 16. April, Schulvorstellung). In der Bühnenfassung der gleichnamigen Autobiografie von Heidi Benneckenstein erzählt das Junge LTT vom Landestheater Tübingen die Geschichte einer Kindheit und Jugend in der rechtsextremen Szene. Schonungslos und zugleich differenziert zeigt das Stück die Mechanismen ideologischer Abschottung, familiärer Prägung und schleichender Radikalisierung – und macht deutlich, wie wichtig Begegnung, Bildung und Ausstiegshilfen sind.

Auf den rätselhaften Spuren von David Bowie

Ein Höhepunkt der Theatertage ist das Musiktheater „Loving the Alien“ (Donnerstag, 17. April, Theater im Spitalhof) der Badischen Landesbühne. Der Regisseur Alexander Schilling schickt Musiker und Schauspieler auf eine Expedition in das Leben und Werk von David Bowie. Ausgangspunkt ist ein geheimnisvoller Raumschiffabsturz, bald wird klar: Die gefundenen Spuren führen zu David Bowies zahlreichen Kunstfiguren, zu Major Tom, Ziggy Stardust, dem Thin White Duke.

Doch je näher man David Bowie kommt, desto rätselhafter wird er. „Loving the Alien“ ist kein klassisches Biopic, sondern ein Kaleidoskop, das Bowies Songs, seine Verwandlungskunst und den Mythos um seine Person feiert.

„Robin Hood“ wird im Theater im Spitalhof gespielt. Foto: Lebenshilfe

Mit „Robin Hood“ (Sonntag, 19. April, Theater im Spitalhof) zeigt das inklusive Theater „alledabei“ der Lebenshilfe Leonberg, wie lebendig und selbstverständlich kulturelle Teilhabe sein kann. Zum zehnjährigen Jubiläum hat die Gruppe eine humorvolle, liebevolle Version der Robin-Hood-Geschichte entwickelt .

Der Schauspieler Helmut Zierl gibt besondere Einblicke

Einen sehr persönlichen Ton schlägt Schauspieler Helmut Zierl mit der szenischen Lesung „Follow the Sun – Der Sommer meines Lebens“ an (Dienstag, 21. April, Theater im Spitalhof). Er erzählt von einem prägenden Sommer im Jahr 1971, von Ausbruch, Orientierungslosigkeit, Freiheit und Selbstfindung. Die Geschichte eines 16-Jährigen, der mit wenig Geld und großen Fragen der Sonne entgegenzieht, wird zur universellen Erzählung über Werte wie Respekt, Demut und Toleranz. Ein eindringlicher Abend mit einem der bekanntesten deutschen Schauspieler – der seine eigene Geschichte erstmals öffentlich teilt.

Mit „Die Therapie“ nach Sebastian Fitzek (Mittwoch, 29. April, Stadthalle) steht ein psychologisch spannender Theaterabend auf dem Programm. Das Berliner Kriminal Theater bringt den Bestseller als intensives Schauspiel auf die Bühne. Die Geschichte um ein verschwundenes Mädchen, einen trauernden Vater und eine rätselhafte Therapie entwickelt einen Sog, der das Publikum bis zum Schluss in Atem hält.

Schwerpunkt: Kinder- und Familientheater in Leonberg

Ein besonderer Schwerpunkt der Leonberger Theatertage liegt auf dem Kinder- und Familientheater. Mit Produktionen für verschiedene Altersgruppen öffnen sie schon den Jüngsten die Tür zur Theaterwelt. Ob das farbenfrohe, poetische Stück „Das schrillste Blau“ (Mittwoch, 15. April), das spielerisch für Vielfalt und Anderssein wirbt, oder „Dunkel“ (Freitag, 24. April), das behutsam die Angst vor der Nacht thematisiert: Hier wird Theater zum Erlebnisraum, der Mut macht und die Fantasie beflügelt.

Humorvoll geht es weiter mit „Kaputt“ (Montag, 27. April), einem Stück zum Kaputtlachen über Missgeschicke, Reparieren und Neubeginnen. Mit „Heidis Geheimnis“ (Dienstag, 28. April) wird eine berührende Geschichte über Freundschaft, Abschied und Heimkommen erzählt – einfach, improvisiert und voller Poesie. Klassische Märchen dürfen ebenfalls nicht fehlen: „Vom Fischer und seiner Frau“ (Donnerstag, 30. April) überzeugt mit Schauspiel, Pantomime und Fantasie, während „Hans im Glück“ als Open-Air-Vorstellung bei freiem Eintritt den Schulhof der Spitalschule in eine Bühne der Vorstellungskraft verwandelt.

Karten zum Festival

Preise
Der Vorverkauf beginnt am 1. März. Karten für die einzelnen Vorstellungen kosten zwischen 10 und 25 Euro für Erwachsene und 5 bis 10 Euro für Kinder, Schüler und Studenten. Karten sind bei Reservix, in der Stadthalle Leonberg sowie an der Tages-/Abendkasse erhältlich.

Frühbucherrabatt
Bis zum 15. März gibt es einen Frühbucherrabatt für die drei Stücke „Ein deutsches Märchen“, „Loving the Alien“ und „Follow the Sun“. Außerdem lockt das Angebot „Bring a friend“ bei den Abendvorstellungen (ausgenommen „Die Therapie“ und „Robin Hood“): So lange der Vorrat reicht, ist hier die zweite Karte kostenfrei.