Theodor-Heuss-Haus in Stuttgart Eine erstklassige Adresse

Das sanierte und wiedereröffnete Theodor-Heuss Haus auf dem Killesberg Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Das Theodor-Heuss-Haus auf dem Killesberg wird standesgemäß mit einem Bürgerfest wiedereröffnet. Als Anlaufstelle für Demokraten ist es jederzeit einen Besuch wert, kommentiert Jan Sellner.

Stadtleben/Stadtkultur: Jan Sellner (jse)

Theodor Heuss – Spitzname „Papa Heuss“ – hätte wohl auch als Touristiker seinen Weg gemacht. Schon in jungen Jahren schwärmte der spätere erste Bundespräsident in höchsten Tönen von der Stadt: „Gelt, Stuttgart gehört doch zu den wunderbarsten Punkten!“, schrieb der 22-Jährige an seine spätere Frau Elly. Nichts gegen Brackenheim, wo Heuss herstammte, Stuttgart aber war . . . sein „Sehnsuchtsort“, wie OB Frank Nopper jetzt bei einem Festakt mit dem amtierenden Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier betonte.

 

Ein Haus, das jedermann offen steht

Hier, in Stuttgart, verbrachte das Ehepaar Heuss die ersten vier Nachkriegsjahre – in der Löwenstraße in Degerloch. Hier betätigte Heuss sich später auch als Häuslebauer auf einem Grundstück im Feuerbacher Weg, das er und seine Frau, die 1952 verstarb, noch gemeinsam ausgewählt hatten. Das mit Bausparverträgen finanzierte Haus wurde sein Alterssitz. Von 1959 bis zu seinem Tod 1963 lebte er dort.

Heute steht das von einer Stiftung getragene und gepflegte Heuss-Haus jedermann offen. Nach eineinhalbjähriger Sanierung wurde es am Dienstag wiedereröffnet. Aus diesem Anlass findet dort an diesem Wochenende ein Bürgerfest statt, das man auch als ein Fest der Demokratie verstehen kann – passend zu der neuen Dauerausstellung mit dem Titel „Demokratie als Lebensform“. Sie zielt bewusst ins Persönliche, weil Demokratie keine abstrakte Regierungsform ist, sondern den Einsatz von Demokraten erfordert, die Demokratie leben. An Theodor Heuss lässt sich das anschaulich zeigen.

Die Demokratie fällt nicht vom Himmel

Sein Haus ist ein Lernort. Gerade auch für junge Leute, die wie selbstverständlich mit Demokratie aufgewachsen sind. Man lernt dort, dass sie nicht vom Himmel fällt, sondern immer wieder neu errungen werden muss, gerade in Zeiten, in denen ihre Gegner zahlreicher zu werden scheinen. Man erfährt dort auch, was zur Demokratie gehört: ein aufgeklärtes Menschenbild, Gleichberechtigung und Dialog auf Augenhöhe, Respekt vor der Mehrheit und vor Minderheiten gleichermaßen, der faire Wettbewerb der Argumente. Auch dank Theodor Heuss verbindet sich diese Lebensform mit Stuttgart.

Die Stadt, ein Sehnsuchtsort? Auf jeden Fall ist der Feuerbacher Weg 46 für Demokraten eine erstklassige Adresse.

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