Therapeut erklärt Wie findet man den Partner fürs Leben?

Viele suchen sie, nicht alle finden sie: die große Liebe für immer. Foto: imago/Westend61/imago stock&people

Der Berliner Psychologe Wolfgang Krüger empfiehlt, sich bei der Suche nach Liebe nicht nur auf sein Herz zu verlassen, sondern auch auf den eigenen Verstand. Warum die Partnersuche durch Zufall selten gelingt und welche strategischen Vorkehrungen Suchende treffen sollten.

Psychologie/Partnerschaft: Nina Ayerle (nay)

Single zu sein hat durchaus Vorteile. Man kann seinen Alltag selbstbestimmt gestalten, so lange schlafen, wie man möchte, in den Urlaub, wann und wohin man will – und niemand redet einem ständig rein, wie man sein Leben zu leben hat. Keiner kritisiert einen ständig, weil man die Zahnpastatube wieder nicht richtig zugedreht hat oder die Spülmaschine immer so unkoordiniert einräumt.

 

Trotzdem ist das Singlesein für viele nur ein temporäres Lebensmodell. Nach einer gescheiterten Beziehung oder Ehe genießen es viele, erst einmal frei zu sein und ihr Leben nach den eigenen Wünschen zu gestalten. Denn auch in glücklichen Beziehungen muss man eben jeden Tag Kompromisse machen.

Plötzlich allein am Wochenende

Rund ein Viertel aller Singles sei aber auf der Suche nach einer Beziehung, sagt der Berliner Psychologe Wolfgang Krüger. „Vor allem in Krisenzeiten steigt das Bedürfnis nach einer langfristigen Beziehung sehr.“ Auch ab Mitte oder Ende 30 nimmt das Verlangen nach einer Partnerschaft zu. „Viele empfinden dann den Druck, schnell noch jemanden finden zu müssen, um eine Familie zu gründen,“ sagt Krüger. Aber auch Singles, die keine Kinder wünschen und jahrelang ein ausgefülltes, aktive Leben hatten, stellen dann plötzlich fest: Da ist niemand, mit dem man an den Wochenenden auf Partys oder ins Kino gehen kann. „Alle um einen rum sind dann meistens mit ihren Familien beschäftigt. Freundinnen sind schwanger oder daheim mit den Kindern“, sagt Krüger.

Doch genau das sei dann die beste Zeit, um auf Partnersuche zu gehen. „Ein glücklicher Single wird sein Leben kaum freiwillig aufgeben“, sagt der Psychologe. Erst wenn Gefühle von Einsamkeit immer häufiger auftreten würden, seien viele bereit, etwas zu unternehmen, um ihr Singledasein zu beenden. Das sei auch wichtig, denn zu Beginn der Partnersuche brauche es den festen Entschluss, wirklich eine Beziehung eingehen zu wollen. Aber es lohne sich, findet Krüger: „Viele Untersuchungen zeigen: Wer in einer Beziehung lebt, ist glücklicher und gesünder.“

Nur, viele gehen das Projekt Partnersuche oft falsch an. Auch weil uns oft eingetrichtert wird, dass eine Beziehung mit großer Verliebtheit einhergehen muss. Viele neigen dazu, sich allein auf die Chemie zu verlassen – springt der Funke nicht über, verlieren sie das Interesse an einem Gegenüber. Krüger rät, sich nicht nur auf die eigenen Gefühle bei der Suche zu verlassen, sondern durchaus den eigenen Verstand zu benutzen.

Leider ein Mythos: Wer nicht sucht, findet einen Partner

Krüger rät daher, die Suche nach einem Partner tatsächlich strategisch anzugehen, auch wenn dies für viele äußerst unromantisch klingt. Er rät, sich zunächst einige Fragen zu stellen: „Was war in meinen früheren Beziehungen gut? Was ist gescheitert? Was muss ich selbst anders machen?“ Der erste Schritt ist also immer eine Reise in die eigene Vergangenheit. Wie war das Verhältnis zu den Eltern? Wer war die vertrauteste Person? Gab es so jemanden überhaupt?

Problematisch ist, dass viele eine Beziehung suchen, weil sie alleine schlicht gar nichts mit sich anzufangen wissen. Sie suchen einen Partner als Zeitvertreib oder um sich nicht einsam zu fühlen. „Aber man sollte schon möglichst selbstständig sein und nicht bedürftig, wenn wir uns auf die Suche machen“, sagt Wolfgang Krüger. „Aus einer inneren Bedürftigkeit heraus zu suchen, das geht immer schief. Diese Beziehung halten selten wirklich lange.“ Der andere Part wird dann schlicht permanent in die Rolle gedrängt, diese Bedürfnisse erfüllen zu müssen – und diesem Druck hält selten jemand lange stand.

Wichtig sei daher, die eigenen Freundschaften zu pflegen (und nicht nur in der Singlezeit!), eigene Hobbys und Interessen zu haben sowie eine wichtige Aufgabe im Leben. Das kann der Job sein, aber vielleicht auch ein Ehrenamt oder ein Haustier. Krüger sagt, wer die Einstellung habe „Ich bin ein Geschenk für jemand anders“, der sucht auch anders. Man geht weniger falsche Kompromisse ein. Aber wie geht man da nun vor, bei dieser bewussten Partnersuche? „Ich empfehle immer, zunächst eine Liste zu schreiben mit zehn Eigenschaften, die der Traumpartner haben sollte“, sagt Krüger.

Wer nur nach Äußerlichkeiten sucht, wird kaum Glück haben

Je tiefsinniger diese Eigenschaften sind, desto besser wird im Übrigen die Partnerschaft werden. Wer nur zehn Äußerlichkeiten notiert, wird vermutlich nicht ganz so erfolgreich bei seiner Suche sein. So finden sich auf Dating-Apps in der Suchbeschreibung inflationär Angaben wie „sollte trainiert sein, blond, 190 groß“. Aber körperliche Eigenschaften sagen leider sehr wenig darüber aus, ob wir später mit jemandem eine glückliche Beziehung führen können.

„In einer langjährigen Partnerschaft kommt es vor allem auf eine respektvolle Stimmung an. Nur wenn man dazu in der Lage ist, entsteht ein gutes Partnerschaftsfundament, sodass die Liebe im Laufe der Jahre immer besser wird“, sagt Krüger. Um das bei der Partnersuche zu erkennen, benötige es gewisse Kenntnisse, sagt der Therapeut. Ein anderer Mensch habe immer Eigenschaften, die störend sind. Es sei daher wichtig zu wissen, ob wir mit diesen leben könnten. Krüger rät dazu, darauf zu achten, wie innerlich stabil jemand sei. Wer unter starken Stimmungsschwankungen leidet, klammert oder extrem eifersüchtig ist, ist selten wirklich bei sich. In einer Partnerschaft kann dies mitunter anstrengend werden.

„Innere Stabilität ist für eine Partnerschaft unendlich erholsam“, sagt Krüger. Ebenso wie eine sichere Bindungsfähigkeit. Menschen, die sich nach einem schönen Ausflug erst einmal drei Tage nicht melden und komplett abtauchen, seien dazu wenig geeignet, sagt Krüger.

Eine Partnerschaft ist keine Baustelle

Immer wieder würden vor allem Frauen ihm in der Therapie sagen, dass man doch jemand auch „für zwei Lieben“ könne oder jemand sich noch ändern könne. Das sieht der Psychologe anders: „Eine Partnerschaft sollte keine Baustelle sein.“ Wer den anderen erst reparieren muss, sollte seine Wahl überdenken. „Eine solche Warteposition ist anstrengend“, sagt Krüger. „Ständig zu bangen und zu hoffen verärgert uns meist auf Dauer und lässt den Magensäurespiegel in die Höhe steigen.“

Neben der inneren Stabilität und der Bindungsfähigkeit ist da noch eine dritte Sache, die eine Partnerschaft durch viele Höhen und vor allem Tiefen tragen kann. Und das ist: Humor. „Der andere muss kein Witzeerzähler sein“, sagt Krüger. Wichtiger sei eher: Könne er über sich selbst lachen, wenn auch mal etwas schiefgeht? Könne er das Leben mit Humor nehmen?

Um dies alles über einen anderen herauszufinden, rät der Therapeut, sich Zeit zu lassen beim Kennenlernen. Und nicht zu schnell Sex zu haben, damit man nicht sofort von den eigenen Gefühlen getrieben sei. Auch wenn dies für manche recht „altmodisch“ klinge. „Natürlich darf ich schnell verliebt sein, aber das sollte uns nicht blind machen. Wir müssen immer auch die Abgründe des anderen kennen“, sagt Krüger. Wie findet man die heraus? Bei Grenzerfahrungen zum Beispiel. „Eine Radtour im Regen oder eine Wohnung renovieren, solche Sachen“, sagt Krüger. „Danach lassen wir uns sehenden Auges auf jemanden ein.“

Spätere böse Überraschungen bleiben damit eher aus – wenn die Verliebtheit nachlässt.

Beziehungsexperte

Leben
Wolfgang Krüger, geboren 1948, studierte zunächst Betriebswirtschaftslehre und schwenkte dann auf Psychologie um und wurde Psychotherapeut. Er hat zahlreiche Bücher zu psychologischen Themen sowie über Beziehungen veröffentlicht und gibt, wie er selbst sagt, „praktische Lebenshilfe“. Seine Privatpraxis ist in Berlin.

Bücher
Sein neuestes Buch heißt „Das Glück der Liebe finden – Partnersuche mit Herz und Verstand“ und richtet sich an Singles, gerne eine langfristige, gesunde Partnerschaft möchten. (nay)

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