Thomas Gottschalk Will nicht „hinnehmen, dass mich im Netz Influencerinnen zur Ordnung rufen“

Thomas Gottschalk moderiert eine Sonderausgabe der ZDF-Kultsendung „Wetten, dass..?“ Foto: dpa/Jan Woitas
Thomas Gottschalk moderiert eine Sonderausgabe der ZDF-Kultsendung „Wetten, dass..?“ Foto: dpa/Jan Woitas

Moderator Thomas Gottschalk sorgt sich um das Diskussionsklima in der Gesellschaft. Auch Ordnungsrufe aus den sozialen Netzwerken will er „weder begreifen noch hinnehmen.“

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Hamburg - „Ich weiß, dass ich vieles heute nicht mehr sagen könnte, was mir einst Lacher und Beifall beschert hat“ schreibt Gottschalk in einem Gastkommentar für den „Spiegel“ (Samstag). „Aber ich behaupte weiterhin bockig, dass die ‚Sieben Zwerge’ Schneewittchen das Leben gerettet haben und dass die Welt kein bisschen besser wird, wenn es dann doch ‚Sieben Kleinwüchsige’ waren. Nicht im Märchen, nicht im Unterhaltungsfernsehen, in dem ich immer noch unterwegs bin.“

Eine junge Generation, die woke und ernsthaft unterwegs sei, halte ihn für einen jener alternden weißen Männer, „die nichts dazugelernt und den Schuss nicht gehört haben“. Er wolle es aber „weder begreifen noch hinnehmen, dass mich im Netz Influencerinnen zur Ordnung rufen, die sich erst ihre Fingernägel ankleben, bevor sie mich beschimpfen“, so Gottschalk, der am Samstag eine Sonderausgabe der ZDF-Kultsendung „Wetten, dass..?“ moderiert.

Gottschalk vermisst den Freiraum

„Dass ich weder vor ein Mikrofon noch vor eine Kamera gehöre, behaupten Dutzende kluger und engagierter Journalisten seit Jahrzehnten. Sie mögen ja recht haben. Aber was ich da von mir gebe, ist eine Meinung, man kann anderer sein, und ich finde das völlig in Ordnung“, schreibt der Moderator.

„Man konnte mal streiten, ohne sich zu beschimpfen. Das scheint mir verloren gegangen zu sein“, beklagt Gottschalk. „Einer anderen Meinung zu sein darf Widerspruch und meinetwegen auch Widerstand erzeugen. Aber keinen Hass. Und da stehen wir gerade.“ Es gehe mittlerweile immer um alles. „Die Guten gegen die Bösen. Woke oder tot. Die Aufgewachten gegen die Entschlafenen. Dazwischen gibt es nichts.“

Er vermisse diesen Freiraum, bekennt der Moderator. „Im Graubereich zwischen Richtig und Falsch durfte man ein Suchender sein, der zwar immer strebend sich bemüht, aber eben auch irrlichtert, blödelt und provoziert. Ich habe mal irgendwo gelesen, ich hätte die Leichtigkeit ins deutsche Fernsehen gebracht. Das war zu Beginn meiner Karriere nicht meine Absicht. Es ist auch nicht mein Ziel, sie an deren Ende wieder mitzunehmen.“




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