Thomas Hornauer: Unternehmer und „Christbuddhist“ Früher Ehrgeiz

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Schon als Erstklässler sieht er sich als etwas ganz Besonderes, tut sich als Wortführer hervor, wo es nur geht – „das ist mein Kommunikationschakra.“ Er lernt alle Songs aus der Jukebox der elterlichen Schenke. Nach der Hauptschule macht er eine Handformerlehre bei Bauknecht. Abends ist er „Thomas Benz“, ein Schlagersänger in Schlaghosen und Pullunder. Er lässt sich als einer der ersten Männer im Remstal Dauerwellen machen, sein Spitzname: Joe Locke. Mit den Rangers spielt er Tanzmusik im Gmünder Lido, mit der Joe Locke Band macht er Cover-Rock.

Er wird Wirt des Colibri I und Colibri II – Kneipen, wo man das Bier in Bügelflaschen oder besser gleich in Kästen auf den Tisch stellt. Und der Wirt selber trinkt kräftig mit. „Ich musste erst meine Süchte abstreifen, um Mut, Temperament, Freude zu entfalten und frei zu werden für meinen grandiosen Lebensweg“, sagt Hornauer.

Er macht sich selbstständig mit Fotodrucken für T-Shirts. Sein Vertreternetz umspannt bald ganz Deutschland. Weil er für seine Kataloge gut aussehende Frauen braucht, gründet er auch gleich eine Modelagentur. Die Geschäfte laufen.

Reich mit Chat-Nummern

Doch Thomas Hornauer sattelt um, sichert sich 0190- und 01805-Nummern für kostenpflichtige Powerflirt-, Chat- und Astro-Lines, produziert dazu TV-Werbeclips. „Das Business explodierte“, sagt er. In Topjahren verzeichnet er Hundert Millionen Gesprächsminuten. Das Geld strömt nur so nach Plüderhausen.

Als der Landessender B.TV Insolvenz anmeldet, geht er „in den Markt rein wie eine energetisierte Welzheimer Wildsau“. Er kauft B.TV und macht daraus einen interaktiven Call-in-Sender mit Regionalberichten. Die teuren Telefonnummern gehören natürlich seiner Firma. Einmal tritt er mit der Joe Locke Band auf. „Ich musste mir erst einen Sender kaufen, um als Musiker ins Fernsehen zu kommen.“

Neu erfinden? Kein Problem!

Mitarbeiter erleben B.TV wie ein Wechselbad aus Gulag und Gummizelle. „Ich wollte zurückgehen in die Wildheit, emotionale Bindungen und Kreativräume schaffen“, sagt Hornauer. Am Ende verweigert ihm die Landesregierung die Sendelizenz. Seine Bilanz: „Social-Network und interaktive Telekommunikation erfunden. Zig Millionen verloren, als Geschäftsmann in den Dreck gezogen, als Mensch entehrt.“

Er macht mit österreichischer Lizenz weiter und geht selber vor die Kamera. Mit seinem Kanal Telemedial, einer Mischung aus Internationalem Frühschoppen und indianischer Schwitzhütte, erreicht er 60 Millionen Haushalte. Und nun wird es richtig abenteuerlich: Frauen und Männer machen Initiativtänze vor Aquarellbildern, summen Regenlieder, trommeln für den Weltfrieden. Hornauer verausgabt sich, stößt Jubelschreie aus wie ein Kind, heult gottserbärmlich, sagt Sätze wie „Im Hochmut empfange ich Wissen nicht in der Hingabe, sondern im Rahmen meiner Gestattung.“ Mitunter muss er sich aufregen: „Du kommst als Gast und willst mir sagen, ob ich an mein Handy rangehen darf? Das geht dich einen Scheißdreck an, lass dich einsalzen, du Nase“. Er bleibt stets überraschend: In einer Sendung befasst er sich gerade mit dem Thema Unterdrückung, als der Hund Bancho vor die Kamera trottet. Hornauer unterbricht den Monolog und streichelt Bancho lange den Kopf: „Na du, hasch a bissle a Wasser tronka, ja?“

Bei keiner Sendung weiß man vorher, was passiert oder wann Schluss ist: mal um 23 Uhr, mal um 3 Uhr – wie es eben gerade läuft. Hornauers Kanal gehört zu den abgefahrensten Kapiteln deutscher Fernseh-Geschichte – alles von 21 Uhr an gleich nach „Der kleine Prinz“ oder „Coco, der Affe“ auf Kika. 2008 ist Sendeschluss.