Thomas Hornauer: Unternehmer und „Christbuddhist“ Die Exzentriker

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„Indem sie Wünsche, Sehnsüchte und Fantasien an unserer statt ausleben, erinnern sie uns daran, wie viel Freiheit wir verschenken“, schreibt der Autor Frank Müller in einem Aufsatz über Exzentriker. Der Psychologe David Weeks vom Royal Edinburgh Hospital hat sich wissenschaftlich mit den Sonderlingen beschäftigt. Einige Kriterien fand er bei fast allen Exzentrikern: Sie sind intelligent, unangepasst, kreativ. Ihre Mission ist, die Welt zu verbessern und die Menschen glücklich zu machen. Sie haben den Hang zu abstrusen Sprachneuschöpfungen. Sie betrachten sich gar nicht als absonderlich, vielmehr ist der Rest der Welt aus dem Tritt geraten. Und sie haben einen schelmischen Sinn für Humor. Passt auch ganz gut auf Hornauer.

Raus aus der gesellschaftlichen Domestizierung

Früher war das Exzentrikertum eng mit dem Hochadel verbunden. „Extravaganzen erfordern eine gewisse Entlastung vom unmittelbaren Daseinsdruck“, schreibt Frank Müller. Dies galt auch für Lord Rokeby (1712–1800), der während einer Kur beschloss, als Lurch weiterzuleben und fortan den Großteil seiner Tage am eigenen Pool zubrachte. Der reiche Kaufmann Joshua Norton rief sich an einem Septemberabend 1859 zum Kaiser der USA aus, erklärte die Verfassung für ungültig, löste alle Parteien auf, druckte 25- und 50-Dollar-Scheine in seiner eigenen Währung. Zwanzig Jahre lang soll er in seinen Fantasieuniformen durch die Straßen patrouilliert sein.

„Ich gehe den Weg der Seltenen“, sagt Hornauer. „Ich tu seit zwölf Jahren nichts anderes, als mich von der gesellschaftlichen Domestizierung zu befreien. Das kostet Kraft ohne Ende.“ In seinem Büro hängen Fotos von seinen Töchtern. Am Wochenende hat er die Mittlere in Konstanz besucht, wo sie studiert. Die Große ist Kindergärtnerin, die Kleine sucht gerade eine Lehrstelle. Sie sind alle katholisch und noch „sehr im Bürgerlichen verhaftet“, meint der Vater. Er wollte ihnen drei Corvettes schenken, die er als Geschäftswagen nutzte. Aber sie fahren lieber Polo und Golf. Schon durch ihre Mutter seien sie nie verschwenderisch erzogen worden, sagt Hornauer. Aber auch er brauche keinen Luxus: „In meiner Villa bewohne ich zwei, drei Zimmer, betrete ganze Etagen wochenlang nicht.“ Morgens fährt er dann runter ins Städtle zum Frühstücken und zum Steine­klopfen mit seinen Mitarbeitern.

Erkenntnis nach anstrengenden Stunden

Warum nennt seine Assistentin Hornauer „Königliche Hoheit“? „Weil er es ist. Weil keiner ist wie er“, sagt sie. Sie sei immer niedergedrückt worden. Er habe ihr Selbstbewusstsein gegeben und die Kraft, ihre Ängste zu überwinden. Neulich ist sie zum Beispiel nachts allein mit dem Auto nach München gefahren, früher undenkbar. Sie lerne im Alltag mit seiner Majestät, aber auch durch seine Vorträge oder bei Empfängen, bei denen er sich gern in einen indischen Maharadscha-Mantel hüllt.

Am besten wird das Gespräch mit Hornauer, wenn er nach recht anstrengenden fünf Stunden seinen predigenden Ton etwas runterfährt, nicht mehr so arg angibt und nicht mehr so arg esoterisch redet. Wenn er von Zweifeln erzählt, von seinen Herzproblemen, von seiner Familie – seiner Frau, die im Nachbarort wohnt, den Kindern, für die sie immer das gemeinsame Sorgerecht hatten. Wenn er von seiner Liebe zur Musik spricht, den Kinks, den Bellamy Brothers. Wo der Mensch durchscheint, kommt er dem Königsein am nächsten.