Thomas Kellein ist tot Mit der „5 Kontinente Skulptur“ fing in Stuttgart alles an

Thomas Kellein Foto: Bergos AG

In der mitunter lauten Kunstwelt war Thomas Kellein ein leiser Denker. In Berlin ist er im Alter von 70 Jahren gestorben. Seine Jahre in Stuttgart sind unvergessen.

1982 betritt ein junger Kunsthistoriker die Bühne der Staatsgalerie Stuttgart. Das Haus ist auf dem Sprung in eine neue Liga, 1984 wird der Stirlingbau als „Neue Staatsgalerie“ eröffnet, eine Million Besucher wollen im ersten Jahr Architektur und Sammlung sehen. Thomas Kellein, 1955 in Nürnberg geboren, hält sich in der hochkarätigen Kuratoren-Riege eher im Hintergrund – und steht doch bald im Mittelpunkt.

 

Ein stilles Lächeln zeichnet den Mann mit den auffallenden Locken aus, scharfes Denken und eine präzise Sprache wecken bald Interesse über die Staatsgalerie hinaus. Kellein, seinerzeit Leiter des Archivs Sohm, schafft es, Begeisterung für zunächst sperrig wirkende Kunst zu wecken. Eine Schau zum Werk des US-amerikanischen Installationskünstlers Ad Reinhardt wird 1985 zum Triumph. Und als Kellein 1987 den Säulensaal der Alten Staatsgalerie zur Bühne für die „5 Kontinente Skulptur“ des US-amerikanischen Land Art-Künstlers Walter de Maria macht – später für die Mercedes-Benz-Kunstsammlung neu formiert – wird Kunst fast magisch.

Der Wechsel an die Kunsthalle Basel 1988 kommt scheinbar früh, Kellein aber, obgleich bald angefochten, setzt sich durch – mit Ausstellungen etwa zu Mike Kelley, Cindy Sherman oder Rachel Whiteread. 2010 überrascht Thomas Kellein mit der Übernahme der Leitung der Kunsthalle Bielefeld. Das bald als „Kunstwunder“ skizzierte Aufblühen der in Kelleins Zeit von einem städtischen Museum in eine gemeinnützige Betriebsgesellschaft umgewandelte Kunsthalle Bielefeld wirkt indes bis heute nach.

Von 2010 bis 2012 Direktor der von dem US-amerikanischen Minimal-Künstler Donald Judd initiierten Chinati Foundation in Marfa, Texas, übernimmt Thomas Kellein 2013 die Leitung der Kunstberatung des Bankhauses Berenberg. Weiter entstehen international orientierte und präsentierte Ausstellungen – im Museo Correr in Venedig etwa 2015 „War Paintings“ von Jenny Holzer und 2017 „The Home of My Eyes“ von Shirin Neshat. Thomas Kelleins als Berater formulierter Satz „Es ist wichtig, sich auf Werke zu konzentrieren, die einen wirklich berühren“, kennzeichnet auch das Wirken des Ausstellungsmachers und Hochschullehrers. Das von ihm mit entwickelte Projekt „Sweeter than honey. Ein Panorama der Written Art“, von Dezember an in der Pinakothek der Moderne in München zu sehen, wird nun zu Thomas Kelleins Vermächtnis. In Berlin ist er am vergangenen Montag nach schwerer Krankheit im Alter von 70 Jahren gestorben.

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