Thüringen Tausende bei Demonstrationen aus Protest gegen Kemmerich-Wahl

Demonstranten in Erfurt. Sie skandierten: „Wer hat uns verraten? Freie Demokraten!“ Foto: dpa/Bodo Schackow
Demonstranten in Erfurt. Sie skandierten: „Wer hat uns verraten? Freie Demokraten!“ Foto: dpa/Bodo Schackow

Die überraschende Wahl des FDP-Politikers Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten polarisiert. Vor allem viele junge Menschen gehen deswegen auf die Straße.

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Erfurt - Als Reaktion auf die Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum neuen Thüringer Ministerpräsidenten ist es am Mittwoch in mehreren Thüringer Städten zu Protestdemonstrationen gekommen. Etwa 1000 Menschen versammelten sich am Abend vor der Staatskanzlei und bildeten dort eine Menschenkette. Demonstranten skandierten: „Wer hat uns verraten? Freie Demokraten!“ und „Nicht mein Ministerpräsident!“ Vor dem Eingang des Gebäudes brannten Kerzen, Demonstranten hielten ein Transparent „FDP und CDU: Steigbügelhalter des Faschismus“ in die Höhe. In Jena demonstrierten 2000 Menschen in der Innenstadt.

Der ehemalige Staatskanzleichef der rot-rot-grünen Landesregierung, Benjamin-Immanuel Hoff (Linke), erinnerte bei der Demonstration in Erfurt daran, dass vor dem Aufkommen des Nationalsozialismus bürgerliche Kräfte in Thüringen der NSDAP an die Macht verholfen hatten. Bereits am Nachmittag hatte es vor dem Landtagsgebäude eine Protestdemonstration gegen die Kemmerich-Wahl gegeben. Mit Trillerpfeifen und auf Plakaten äußerten die Demonstranten ihren Unmut über den Wahlausgang und ihre Sorge vor einem weiteren Erstarken der extremen Rechten in Thüringen.

Auch hier waren auf Plakaten historische Vergleiche zu lesen. „1930 erster Minister der NSDAP, 2020 erster Ministerpräsident mit Stimmen der AfD“, lautete die Aufschrift auf einen handgemalten Plakat. Vor 90 Jahren war mit dem später in den Nürnberger Prozessen als Kriegsverbrecher verurteilten und hingerichteten Wilhelm Frick der erste NSDAP-Politiker in eine deutsche Landesregierung gekommen.  

Auch in Weimar, wo sich bereits am Nachmittag 200 Menschen versammelt hatten, Gotha und Ilmenau kam es zu Demonstrationen.




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