Tiefgarage in Sindelfingen Ein Hochbau unter dem Marktplatz – so ist der Stand beim Großprojekt

Mit den hohen Decken und den Säulen erinnert die Tiefgarage derzeit eher an eine Kirche als an eine Tiefgarage. Weitere Impressionen finden Sie in unserer Bildergalerie. Foto: Stefanie Schlecht

Die Sanierung der Tiefgarage Marktplatz in Sindelfingen ist sichtbar vorangeschritten. Auf die Abbrucharbeiten folgt nun der Rohbau. Diesen Mittwoch können Interessierte die Baustelle besichtigen.

Volontäre: Rouven Spindler (rsp)

Was sich derzeit unter dem Sindelfinger Marktplatz zeigt, gleicht einer riesigen Halle. Von der einen Hälfte der einstigen Tiefgarage ist nämlich kaum noch etwas übrig. Anstelle zahlreicher Parklücken auf drei Etagen ist Freiraum links und rechts zu sehen, hohe Mittel- und Statikstützen ragen zur Decke. Hier und da werkeln die Arbeiter mit kleineren Baumaschinen.

 

Klar ist: Die Sanierung der Tiefgarage Marktplatz ist fünfeinhalb Monate nach dem Baubeginn am 25. Juni sichtbar vorangeschritten. Das zeigt sich am Montag bei der Besichtigung in der Großen Kreisstadt, an der unter anderem Baubürgermeisterin Corinna Clemens, Projektleiterin Angelika Garthe und Jens Schlehe aus ihrer Kommunikationsabteilung teilnehmen.

Die Abbrucharbeiten sind im östlichem, dem oberen der beiden Bereiche, inzwischen abgeschlossen, die Zwischendecken sowie Seitenwände bereits entfernt. Der Rohbau beginnt. „Die Tiefgarage wird jetzt im Kern wieder neu aufgebaut“, sagt Jens Schlehe.

„Wie ein Hochbau, der unter Tage stattfindet“, beschreibt Projektleiterin Garthe das, was unter dem Marktplatz vor sich geht. Die Sanierung in zwei Abschnitten soll bis Ende 2028 andauern. Konkret heißt das laut den Verantwortlichen mit Blick auf Part eins: Mitte 2026 sollen Autofahrer im östlichen Abschnitt unter dem oberen Marktplatz wieder über die Vaihinger Straße einfahren und parken können. Dann wird auch der Aufzug wieder in Betrieb gehen.

Von der bisherigen Tiefgarage ist innen nur noch wenig zu erkennen. Foto: Stefanie Schlecht

Anschließend zieht die Baustelle westlich in Richtung Planie. Die derzeit geöffnete Zufahrt Spindel wird dann gesperrt, der Abschnitt darunter saniert. Dasselbe Spiel wie momentan also noch mal, nur in der anderen Tiefgaragenhälfte. Die Aufteilung in zwei Abschnitte erfolgte, damit „der Markt weiterhin immer stattfinden kann und die Hälfte der Stellplätze zur Verfügung steht“, begründet Garthe die damalige Entscheidung.

Kostenpunkt: 38 Millionen Euro

In diesem Jahr werde der erste Abschnitt noch vermessen und einer Statikprüfung unterzogen, 2025 sollen die neuen Zwischendecken nach und nach eingebaut und der Rohbau abgeschlossen werden. Im kommenden Herbst soll dann der Belag auf dem Marktplatz entfernt werden, „sodass wir an die Tiefgaragendecke kommen und diese neu abdichten können“, heißt es vonseiten der Projektgruppe. Der Markt mit seinen Ständen rutscht von da an weiter in Richtung Planie.

Das wird ein für die Leute drumherum wahrnehmbarer Eingriff, wie Corinna Clemens weiß – doch: „Man sieht, was man dafür im Stadtraum bekommt“, sagt die Baubürgermeisterin, die bislang auch nur auf Verständnis für die Baustelle gestoßen sei. Bis 2026 soll dann auch in der Tiefgarage alles Weitere abgeschlossen sein, darunter die gesamte Elektrik.

Im rechten Bildrand ist die Außenwand der Tiefgarage zu erkennen. Bis zu dieser ist alles abgetragen.  Foto: Stefanie Schlecht

„Die Baustelle ist im Zeit- und Kostenplan“, sagt Clemens. 38 Millionen Euro soll das Großprojekt kosten. 14,7 Millionen sind laut der Projektgruppe mit der ersten Tranche vergeben worden.

Öffnung am Marktplatz hat zentrale Bedeutung

Eine Baustelle mitten in der Stadt bringt eine große Herausforderung mit sich: Das Stadtleben oben soll so wenig wie möglich beeinträchtigt werden, wie Jens Schlehe erklärt. Aber das Problem habe gelöst werden können. Gemessen an der Gesamtfläche der Baustelle ist die Öffnung äußerst klein: Durch den fünf auf siebeneinhalb Meter großen Ausschnitt sind Bagger und Co. nach unten transportiert worden – und 5500 Tonnen an Bauschutt per Teleskoparm nach oben. „Das sind so circa 220 Lkw-Ladungen voll“, veranschaulicht Schlehe die Menge.

Bei einer Besichtigung am Samstag war das Interesse der Bürger groß, wie die Stadtverwaltung mitteilt. Daher wird es am Mittwoch, 11. Dezember, von 13 bis 14 Uhr erneut eine Führung geben. Wer Interesse hat, sich die Baustelle anzuschauen, gelangt über den Treppenabgang am Glockenspiel auf dem Rathausvorplatz in das UG 1.

Generalsanierung der Marktplatz-Tiefgarage

Bau
1982 wurde die Marktplatz-Tiefgarage eröffnet. Rund 20 Millionen Euro hat der Bau mit 420 Pkw-Stellplätzen seinerzeit gekostet.

Mängel
Schon in den 1980er Jahren wurde die Tiefgarage teilsaniert. Seit 2014 ist klar, dass all die Flickversuche nicht weiterführen. Die Garage mit drei Stockwerken muss saniert werden.

Kosten
Laut ersten Berechnungen sollte die Generalsanierung, die der Gemeinderat beschlossen hat, 28 Millionen Euro kosten. Durch die Preisentwicklung rechnet die Verwaltung nun mit rund 38 Millionen Euro.

Grünes Licht
Am 19. Juli 2022 stimmt die Mehrheit des Rates für den Entwurf und fasst damit den Baubeschluss.

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