Tier im Leonberger Teilort Stammgast in Gebersheimer Garten: Was wurde aus Fasan Henry?
Ein seltener Fasan schaute über mehrere Jahre regelmäßig im Garten einer Gebersheimerin vorbei. Dann gab es einen Zwischenfall mit der Nachbarskatze.
Ein seltener Fasan schaute über mehrere Jahre regelmäßig im Garten einer Gebersheimerin vorbei. Dann gab es einen Zwischenfall mit der Nachbarskatze.
Ein Wal namens Timmy (oder heißt er doch Hope?) macht seit Wochen Schlagzeilen. Aber um den schwergewichtigen Meeressäuger soll es hier nicht gehen. Sondern um einen Fasan, der dieser Tage in Leonberg-Gebersheim aufgetaucht ist. Vermutlich ist es derselbe, über den wir jüngst berichtet haben.
Fasane sind in diesen Breiten eigentlich ziemlich selten, weil sie es lieber wärmer mögen. Dennoch fühlt sich das Tier, um das es im Folgenden geht, im Leonberger Teilort ziemlich wohl. Es hatte in der Vergangenheit offenbar seine Stammplätze – die es so häufig besuchte, dass ihm die Menschen dort einen Namen verpassten. Hier ist eine Geschichte aus dem Leben des Fasans Henry.
„Der Fasan tauchte vor knapp zwei Jahren zusammen mit einem Partner und zwei Hennen zum ersten Mal in unserem Garten auf“, schreibt die Gebersheimerin Ruth Frank unserer Zeitung. Sie wohnt im Dorf in Hanglage. „Das ermöglichte ihnen einen weiten Blick ins Tal und eine gute Abflugschneise am Abend.“ Regelmäßig habe sich das Quartett tagsüber am Vogelfutter bedient.
Im vergangenen Jahr sei es schließlich nur noch ein Fasan gewesen, der über längere Zeit immer wieder bei den Franks vorbeigeschaut habe. Sie gaben ihm den Namen Henry.
Ob dabei der Fasan gleichen Namens aus Michael Lewis’ Buch „Boomerang“ (2014) Pate gestanden hat? Die Antwort auf diese Frage hat Ruth Frank nicht mitgeschickt. In der Parabel, die Lewis im Buch erzählt, geht es um einen Fasan, der in einem Gebiet nach einem harten Winter und wie wild um sich schießenden Jägern als einziger übrig ist. Ohne Futterkonkurrenz frisst er immer mehr, wird riesig und gelangt zu einer gewissen Popularität. Schließlich verliert er die Fähigkeit zu fliegen. Irgendwann fällt er darauf einem Fuchs zum Opfer.
Was das mit dem Gebersheimer Henry zu tun hat? Mehr, als man vielleicht vermuten möchte. Auch wenn der hiesige Vogel – anders als jenes Federvieh in Lewis’ Parabel – nicht als Teil der Erklärung des Wirtschaftscrashs von 2008 herhalten muss. Jedenfalls tauchte der Fasan in diesem März erneut im Garten der Franks auf. „Leider war sein Besuch nur kurz, da er von Nachbars Katze aufgeschreckt und in die Flucht geschlagen wurde“, schreibt Ruth Frank. Seither habe sie ihn nicht mehr gesehen.
Und die Erkenntnis? Offenbar war der Fasan in Gebersheim noch nicht so fett gefressen, dass er seine Flugfähigkeit eingebüßt hat. Wann – und ob – er die Franks jemals wieder beehren wird, das steht derweil in den Sternen.