Tiere im Freibad Nilgänse planschen inzwischen im vollen Becken mit

Von Götz Schultheiss 

Die Hitzewelle treibt nicht nur Menschen ins kühle Nass des Freibads Rosental in Stuttgart-Vaihingen, auch die seit einigen Jahren anwesenden Nilgänse stürzen sich mit ihren Küken in die Fluten. Das gefällt freilich nicht jedem.

Nilgänse im Vaihinger  Freibad gewöhnen  ihre Küken an den Umgang mit den   Badegästen von der Filderebene. Foto: privat
Nilgänse im Vaihinger Freibad gewöhnen ihre Küken an den Umgang mit den Badegästen von der Filderebene. Foto: privat

Vaihingen - Die Natur liegt dem Menschen nur dann am Herzen, wenn sie an dem ihr zugewiesenen Platz bleibt: irgendwo draußen, aber weit genug entfernt von den Orten des Freizeitvergnügens. Schnaken im Schlafzimmer sind ebenso deplatziert wie die Zecke unter der Achsel, die Tarantel auf der Sachertorte oder Nilgänse im Schwimmbad. Letztere tummeln sich nicht nur auf dem Rasen des Vaihinger Freibads. Wie die von der Hitzewelle geplagten Stuttgarter springen sie sogar ins Becken und nehmen dabei ihre Küken mit – und dies, obwohl sie, wie ihr Name sagt, aus Ägypten kommen und Hitze aushalten müssten.

Nicht nur Badegäste regen sich über die Gänse tierisch auf, sondern auch die Mitarbeiter des Ordnungsamts und der Bäderbetriebe. Das Federvieh ist sich nämlich der Tatsache nicht bewusst, dass es ohne gültige Papiere aus einem Drittland eingereist ist und sich hierzulande seit Jahren unberechtigt aufhält. Alle Versuche, die dumme Gans auf ihr rechtswidriges Verhalten hinzuweisen, sind fehlgeschlagen. Eigentlich wären die Tiere bußgeldpflichtig, die Mitarbeiter des Ordnungsamts haben aber bisher nur Fersengeld von ihnen gesehen. Anders läge der Fall, wenn sich ein eingewanderter Braunbär im Freibad tummeln würde. Den könnte man mit einem Honigbrot anlocken und ihn darauf hinweisen, dass er dort nicht hingehört. Mit Sicherheit bekäme man eine handfeste Antwort. Die Nilgänse dagegen machen sich schnatternd davon und kehren dreist zurück, wenn der Ordnungsdienst weg ist.

Vergrämen ist dem Tierwohl förderlicher als der Abschuss

Das ist ärgerlich, denn mit Nonchalance hinterlassen sie das, was sie gefressen und verdaut haben nicht nur auf dem Freibadrasen, sondern auch im Wasser. Das hatten sie übrigens auch im in Nilganskreisen beliebten Frankfurter Brentanobad gemacht, und weil man in ihrem Kot Salmonellen gefunden hat, wurden die Gänse abgeschossen. Daraufhin meldete sich ein Veterinär zu Wort, der dies überzogen fand und der mit der Aussage zitiert wird, dass man Salmonellen auch in anderem Vogelkot finde und dass man nur dann krank werde, „wenn man den Nilganskot durchkaut“. Im Vaihinger Freibad hat man die Gänse nicht abgeschossen, weil man glaubt, dass passionierte Nilganskot-Kauer unter den Badegästen eine vernachlässigbare Minderheit sind.

„Im Freibad Rosental sind seit einigen Jahren immer wieder Nilgänse unterwegs“, sagt Anna Sendler, eine Sprecherin der Stadt. In der Nachbarschaft des Freibads liege ein See, von dem aus die Tiere herüberflögen. „Sie finden im Bad ideale Bedingungen: sauberes Wasser, kurzes Gras, Nahrung und Schutz vor Füchsen“, teilt Anna Sendler mit. Die Tiere hielten sich vor allem nachts auf den Kletterinseln im Becken auf. Ihre Hinterlassenschaften würden täglich vor Öffnung des Bades aufwendig beseitigt: „Mit diesen umfangreichen Reinigungsarbeiten, der Wasseraufbereitung sowie der ständigen Kontrolle der Wasserqualität können wir die Hygienevorschriften einhalten.“ Badegäste sollten die Tiere weder füttern noch Nahrungsmittel auf der Liegewiese liegen lassen. Die Mitarbeiter versuchten die Nilgänse schnell unter Berücksichtigung des Tierwohls ohne Gewalt zu vergrämen.




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