Tiere im Sommerloch „Wir mögen einen gewissen Grad an Aufregung“

Das erste Sommerloch-Tier war Nessie, ein Seeungeheuer, das es im Sommer 1933 in die Zeitung schaffte. Niemand hat es bis heute gesehen. Eine Zeitungsente?
Woher der Begriff der Ente kommt, weiß ich nicht. In Zeitungen aus früheren Jahrhunderten finden Sie aber auch schon Seemannsgarn. Reisende berichten von fabelartigen Wesen, die es wahrscheinlich nie gegeben hat.
Aber warum kochen solche Geschichten immer im Sommer hoch? Begünstigen Hitze und Langeweile den Glauben an Monster?
Langeweile auf jeden Fall. Wenn Sie sich im Urlaub entspannen, ertappen Sie sich nach einigen Tagen bei dem Gedanken, es könnte mal wieder was passieren. Wir alle mögen einen gewissen Grad an Aufregung.
Ist das der einzige Grund?
Nein, solche Nachrichten kommen auch deswegen gut an, weil sie das Bedürfnis nach Smalltalk befriedigen. In dem Punkt ist Lotti unschlagbar. Jeder kann mitreden. Das Thema ist unverfänglich.
Hierzulande haben es vor Lotti schon der Alligator Sammy, der Problembär Bruno und die Kuh Yvonne zu Hauptdarstellern im Sommerlochtheater gebracht. Welche Voraussetzungen müssen Tiere erfüllen?
Es gibt zwei Strategien. Entweder sind die Tiere unheimlich putzig wie die Kuh, die plötzlich ausbüxt. Da ist ein Bruch, der sich für so eine Geschichte wunderbar eignet. Oder die Tiere sind bedrohlich wie Lotti, aber durch ihre Größe auch wieder nicht richtig ernst zunehmen. Wäre Lotti ein Fünf-Meter-Alligator, wäre das schwierig.
Welches ist Ihr liebstes Sommerlochtier?
Die Kuh fand ich schon ziemlich gut, weil man der nicht zugetraut hätte, dass sie auf dem Weg zum Schlachter ausbüxt.
Yvonnes Geschichte soll 2014 sogar als Zeichentrickfilm ins Kino kommen. Arbeitstitel: die Kuh, die ein Reh sein will. Geht da die Phantasie nicht ein bisschen weit?
Ja, man geheimnisst sehr viel in diese Sommerlochtiere hinein oder handelt Probleme an ihnen ab, die den Tieren egal sind. Jeder Hausdackel kennt das. Man denkt, der versteht ganz viel. Dabei versteht er nur: Futter und Blablabla.
Warum heißt Lotti Lotti?
Namen sind dazu da, die Tiere emotional aufzuladen. Erst dann funktionieren sie als Geschichte. Da sind die Medien schon halb in Richtung Walt Disney unterwegs.
Das heißt, Lotti ist die kleine Schnappschildkröte in uns allen, die bei über 30 Grad plötzlich aus dem Schlamm kriecht, um jeden in die Wade zu beißen, der ihr in die Quere kommt?
(lacht). Natürlich projizieren wir in die Sommerlochtiere Teilaspekte von uns hinein. Also, ich als Vater dachte: O Gott, der arme Junge. Mein Mitgefühl gilt dem Opfer. Ich finde, der Name Lotti geht gar nicht. Bei mir hätte die Schnappschildkröte Kriemhild gehießen.




Unsere Empfehlung für Sie