Kaiserpinguine sind imposante Vögel. Für ihren Nachwuchs durchleben sie oft eine Tortur des Hungerns und Ausharrens. Im vergangenen Jahr starben unzählige Küken dennoch. Droht die größte Pinguin-Art auszusterben?

Wochenend-Magazin: Markus Brauer (mb)

Kaiserpinguine leiden einer neuen Analyse zufolge massiv unter dem Verschwinden von Meereis in der Antarktis. Das starke Schmelzen des Eises führte im vergangenen Jahr zum Tod wohl aller Küken in vier von fünf Kolonien in der Bellingshausensee, wie aus der Studie des British Antarctic Survey hervorgeht.

 

Satellitenbilder zeigen demnach, dass die von den Pinguinen als Brutstätten verwendeten Eisflächen komplett verschwunden waren, bevor die Küken ihr wasserdichtes Gefieder ausgebildet hatten.

Die Reise der Kaiserpinguine

Der Kaiserpinguin erreicht eine Körpergröße zwischen 100 und 130 Zentimeter und wiegt zwischen 22 und 37 Kilogramm. Foto: Imago/stock&people
Ausgewachsene Kaiserpinguine haben einen schwarzen Kopf, ein schwarzes Kinn und eine schwarze Kehle. Foto: Imago/stock&people
Jungvögel ähneln den Erwachsenen. Allerdings sind sie noch etwas kleiner und ihre Ohrenflecken sind anfangs weißlich. Foto: Imago/stock&people
Der Kaiserpinguin ist der am südlichsten lebende Pinguin. Er ist gleichzeitig das einzige Wirbeltier, das im antarktischen Inlandeis über längere Zeit verweilen kann. Foto: Imago/stock&people
Kaiserpinguine haben laute trompetenartige Rufe. Ihre Lautäußerungen sind überwiegend in den Brutkolonien zu hören, gelegentlich geben sie allerdings auch auf offenem Wasser Kontaktlaute von sich. Foto: Imago/Zoonar/Fritz Poelking
Die Brutgebiete liegen auf Meereis zwischen dem 66° und 78° S. Brutkolonien finden sich am Rand von Antarktika, der antarktischen Halbinsel und angrenzenden Inseln. Foto: Imago/stock&people
Die Zahl der geschlechtsreifen und damit fortpflanzungsfähigen Kaiserpinguine wurde bisher auf 270 000 bis 350 000 Individuen geschätzt. Foto: Imago/stock&people
Neuerdings ist nach Auswertung von Satellitenaufnahmen von einer Zahl von 595 000 Tieren in 46 Kolonien auszugehen. Foto: Imago/stock&people
Brutkolonien liegen gewöhnlich auf flachem Meereis und befinden sich entweder in der Nähe der Eiskante oder bis zu 18 Kilometer weiter Inland. Häufig liegen sie im Windschatten von Eisklippen, Eishügeln oder Bergen. Foto: Imago/stock&people

Der völlige Brutausfall sei eine direkte Folge des beispiellosen Verlusts an Meereis, der in den letzten Jahren in der Region aufgrund des Klimawandels zu verzeichnen war, heißt es in einer Mitteilung zur Studie.

Die in der Fachzeitschrift „Communications Earth & Environment“ veröffentlichten Ergebnisse untermauern dem Team um den Kartografen Peter Fretwell zufolge Vorhersagen, wonach bei andauernder Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts 90 Prozent aller Kaiserpinguin-Kolonien so gut wie ausgestorben sein dürften.

Größte Pinguine

Kaiserpinguine (Aptenodytes forsteri) werden mehr als einen Meter groß und sind die am südlichsten lebende Pinguin-Art. Sie sind die meiste Zeit des Jahres, von April bis Januar, auf stabiles Meereis angewiesen, das mit dem Festland verbunden ist.

Ihre Eier legen sie zwischen Mai und Juni. Es dauert 65 Tage, bis die Küken schlüpfen, flügge werden sie aber erst im Dezember und Januar – dem arktischen Sommer.

Kaiserpinguine in der Antarktis

Verwechslungsmöglichkeiten bestehen ausschließlich mit dem Königspinguin. Dieser ist etwas kleiner. Foto: Imago/stock&people
Der Kaiserpinguin ist ein Seevogel und jagt ausschließlich im Meer. Er ernährt sich von Fischen, Tintenfischen und Krill. Kaiserpinguine jagen in Gruppen. Foto: Imago/stock&people
Sie schwimmen direkt in einen Fischschwarm hinein, bewegen sich dort schnell hin und her und schnappen nach allem, was vor ihre Schnäbel kommt. Kleinere Beutetiere fressen sie direkt im Wasser, mit größeren Beutetieren müssen sie an die Wasseroberfläche kommen, um sie dort zu zerteilen. Foto: Imago/stock&people
Bei der Jagd legen die Kaiserpinguine große Entfernungen zurück und erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 36 Stundenkilometern und Tiefen von bis zu 535 Metern. Foto: Imago/stock&people
Kaiserpinguine pflanzen sich im Alter von drei bis sechs Jahren erstmals fort. Sie wandern bis zu 200 Kilometer landeinwärts über das gefrorene Meer zu ihren Brutplätzen. Foto: Imago/stock&people
Als Sichtjäger spüren sie die Beute nicht durch ihr Gehör oder Echolot auf, sondern müssen sie sehen, um sie zu fangen. Foto: Imago/stock&people
Notfalls können sie bis zu zwanzig Minuten unter Wasser bleiben. Je heller es ist, desto tiefer tauchen sie. Foto: Imago/stock&people
Pinguine haben ein Gefieder, welches sich im Lauf der Evolution speziell angepasst hat. Sie besitzen viele kurze Federn, die zusammen ein dichtes Gefieder bilden. Mit Hilfe des Schnabels und der Füße reiben die Pinguine ihr Gefieder mit einem ölig-tranigen Drüsensekret ein, welches von der Bürzeldrüse (Hautdrüse) gebildet wird. Foto: Imago/stock&people
Das Gefieder wird dadurch vollständig wasserdicht. Das Sekret hält die Federn weich und geschmeidig und hemmt außerdem das Wachstum von Pilzen und Bakterien. Foto: Imago/stock&people
Unter dem Pinguingefieder haben Pinguine außerdem noch eine dicke Fettschicht, die jedoch außer beim Kaiserpinguin nicht signifikant zum Kälteschutz beiträgt. Das Gefieder macht rund 90 Prozent der Isolierung bei einem Pinguin aus. Foto: Imago/stock&people

Pinguine können ohne Eis nicht brüten

Doch Ende November 2022 erreichte die Ausdehnung des Meereises in der Antarktis wie schon im Vorjahr ein Allzeittief. Am stärksten betroffen war demnach die zentrale und östliche Region der Bellingshausensee, wo das Eis komplett verschwand.

In den fünf dort betrachteten Kolonien brüten den Angaben zufolge jeweils etwa 630 (Rothschild Island) bis 3500 Paare (Smyley Island). Insgesamt gibt es Dutzende Kolonien mit Hunderttausenden Tiere in der antarktischen Region.

„Wir haben noch nie gesehen, dass es Kaiserpinguinen in diesem Ausmaß in einer Saison nicht gelungen ist, zu brüten“, erklärt Peter Fretwell. Der Verlust an Meereis in dieser Region während des antarktischen Sommers dürfte es sehr unwahrscheinlich gemacht haben, dass Küken überlebt haben.

Meereis ist fast komplett verschwunden

Extreme geringe Ausdehnungen des Meereises in der Antarktis nahmen in den vergangenen Jahren zu. So wurden die vier Negativ-Rekorde der vergangenen 45 Jahre anhand von Satellitenaufnahmen allesamt seit 2016 verzeichnet. Die niedrigste Ausdehnung wurde in den vergangenen beiden arktischen Sommern festgestellt.

„Jetzt, im August 2023, liegt die Meereisausdehnung in der Antarktis immer noch weit unter allen bisherigen Aufzeichnungen für diese Jahreszeit“, erklärt Caroline Holmes, eine Polar-Klimaforscherin beim BAS.

Das Team verwendete für die Analyse Bilder der europäischen Copernicus-Satellitenmission „Sentinel-2“, die das Gebiet in der Antarktis seit 2018 kontinuierlich überwacht.