Tierheim Esslingen Ein Einzelzimmer für Minka

Eines der Pensionszimmer für Katzen ist im Tierheim Esslingen bereits belegt, wie sein Leiter Horst Theilinger demonstriert. Eine Katze und ihr Nachwuchs sind hier untergekommen. Foto: Roberto Bulgrin

Das Tierheim Esslingen bereitet sich auf die stressige Ferienzeit vor. Viele Tierbesitzer bringen die Mitarbeitenden in Turbulenzen.

Reporterin: Simone Weiß (swe)

ZEsslingen - immer frei“, steht in großen Lettern auf dem Flyer. Doch Horst Theilinger erstickt euphorischen Freudentaumel auf verfügbaren Wohnraum in Esslingen sofort im Keim: „Leider kann niemand bei uns einziehen“, witzelt er. Der Leiter des Esslinger Tierheims hat keine Wohnungen zu vergeben, sondern sucht mit dem Slogan Paten für Hunde- und Katzenzimmer im Neubau der Einrichtung. Kurz vor und in den Ferien herrscht im Tierheim immer Hochkonjunktur. Jeder gespendete Cent ist willkommen.

 

Die WG-Zeiten sind out. Für Pflegetiere stehen selbstverständlich Einzelzimmer bereit. Wenn die Besitzer im Urlaub sind, können sie ihre Lieblinge im Tierheim abgeben und dort versorgen lassen. Doch das Verhalten mancher Tierfreunde verursacht Stress in der Einrichtung am Nymphaeaweg: Einige Leute, so berichtet Horst Theilinger, melden sich am Vortag ihrer Reise und wollen eine Unterkunft für ihr Haustier haben. Das aber ist vollkommen ausgeschlossen. Eine Vorlaufzeit von etwa vier Monaten werde benötigt, sagt der Tierheimleiter. 21 Hundezwinger und sechs Pensionszimmer für Katzen stehen zur Verfügung. Teilweise werden dort aber auch die eigenen Tiere untergebracht und versorgt.

Corona-Run blieb aus

Qualvolle Enge herrscht dort nicht. Denn der befürchtete Andrang nach dem letzten Pandemieschub ist bisher ausgeblieben. Etwa eine Million Haustiere wurden in Deutschland während der Corona-Wellen angeschafft. Homeoffice, Kurzarbeit, Entlassungen und Kontaktbeschränkungen sorgten für mehr Freizeit und Einsamkeitsgefühle, die manche Menschen durch ein Haustier kompensieren wollten. Wenn die Einschränkungen gelockert und die Arbeitszeiten wieder normalisiert werden, so die Befürchtung, könnten die neuen Hausgenossen im Weg sein und ausgesetzt oder im Tierheim abgegeben werden. Davon blieb das Tierheim in Esslingen laut Horst Theilinger bisher verschont. Die Abgabe von Fundtieren sei überhaupt recht unterschiedlich: „Mal kommt eine Woche, zwei Wochen lang gar nichts – und dann sind es plötzlich zehn Tiere in einer Woche.“

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Selbst in der Ferienzeit sei die Anzahl der ausgesetzten, aufgefundenen oder abgegebenen Tiere nicht mehr so groß wie in früheren Zeiten. Tätowierungen und Chips helfen bei der Identifizierung der Besitzer und der Rückgabe. Allerdings warnt der Tierheim-Leiter vor einer allzu blauäugigen Handhabung der Chips. Sie müssen zunächst durch eine Registrierung aktiviert werden. Über die zentrale Stelle Tasso, über den Deutschen Tierschutzbund oder andere Portale wie Findefix könnte das geschehen. Die Identifikationsnummer besteht aus einem 15-stellige Zifferncode. Jedes EU-Land hat eigene Anfangsziffern – die Zahlen für Deutschland lauten 2760. Wird nun ein Tier aufgegriffen, setzen sich die Mitarbeitenden des Tierheims über die Chipnummer mit der Registrierstelle in Verbindung – und diese meldet sich wiederum bei dem Besitzer. Eine direkte Weitergabe seiner Adresse ist aus Datenschutzgründen nicht möglich.

Chips sind besser als Tattoos

Chips, so meint Horst Theilinger, haben gegenüber den Tätowierungen einige Vorteile. Die Tattoos würden von Tierärzten vorgenommen – und die meisten Veterinäre hätten ihr ganz eigenes System an Zahlen- und Buchstabenkombinationen. Oft sei detektivische Ermittlungsarbeit nötig, um den Besitzer aufgrund des Tattoos zu erkennen. Manche Tierärzte würden einen Buchstaben verwenden, der auf ihre eigene Identität hinweist. Die Veterinäre aus der näheren Umgebung seien leicht zu finden. Doch weiter entfernte Tierärzte können nur schwer aufgestöbert werden. Außerdem können die Tätowierungen im Laufe der Jahre verblassen oder unleserlich werden. Und wenn nur ein Buchstabe oder eine Zahl nicht erkennbar ist, ist ein Auffinden des Besitzers nahezu unmöglich.

Bei Tina, dem Hund von Horst Theilinger, ist das Problem elegant gelöst worden: An ihrem Halsband steht in großen Ziffern die Telefonnummer ihres Besitzers und der Hundename noch dazu. Aber ein Verlorengehen ist eher unwahrscheinlich, denn Tina folgt ihrem Herrchen auf Schritt und Tritt. Sogar wenn er telefoniert. Ein Katzenbesitzer möchte sein Tier in der kommenden Woche abgeben. Zu kurzfristig, muss Horst Theilinger ablehnen. Bei Katzen und Kleintieren wie Kaninchen rate er sowieso dazu, das Tier während der Abwesenheit der Besitzer zu Hause von einem zuverlässigen Bekannten versorgen zu lassen. Denn ein Ortswechsel sei mit viel Stress verbunden. Anders als Hunde seien Katzen und Kleintiere eher auf die Umgebung als auf den Menschen fixiert. Darum sollten sie lieber im gewohnten Umfeld bleiben. Trotz des Luxus eines Einzelzimmers im Tierheim.

Katzen besser daheim lassen

Infobox

Die Einrichtung
Im Tierheim im Nymphaeaweg 6 auf der Neckarinsel in Esslingen sind permanent etwa 150 Tiere untergebracht. Derzeit ist die Einrichtung wegen Corona geschlossen, doch eine Kontaktaufnahme ist unter der Telefonnummer 0711/311733 oder der E-Mail-Adresse info@tierheim-esslingen.de möglich. Die Notfallnummer zur Tierrettung lautet von 18 bis 8 Uhr 0177/3590902. Mehr Infos stehen unter https://www.tierschutzverein-esslingen.de.

Die Konzerte
Zugunsten des Tierheims Esslingen werden am Sonntag, 18. Juli, um 11 und um 15 Uhr Benefizkonzerte im Bürgersaal des Alten Rathauses in Esslingen veranstaltet. Es musiziert das Duo Gaon mit Tae-Hyung Kim, Musikprofessor für Piano an der Universität Seoul, und Samuel Lutzker, Cellist beim Symphonieorchester des bayerischen Rundfunks. Sie spielen Beethoven, Brahms und Mendelssohn. Karten gibt es im Vorverkauf bei der Stadtmarketing und Tourismus unter 0711/39693969 oder Tierschutzverein Esslingen in der Grabbrunnenstraße 10 unter 0711/3965967 oder tib@tierschutzverein-esslingen.de.

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