Fritz Kuhn möchte den Streit über die Finanzierung des Tierheims in Stuttgart-Botnang so schnell wie möglich beenden. Die Stadt wird binnen zwei Wochen ein deutlich verbessertes Angebot vorlegen.
Botnang - Bis auf einen Wahlkampfauftritt ist der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) noch nie im Botnanger Tierheim gewesen. Sein gestriger Besuch wurde aber vor allem deshalb mit Spannung erwartet, weil die Stadt und der Tierschutzverein Stuttgart, der das Heim betreibt, seit Mai über die Finanzierung der Einrichtung streiten. „Wir werden uns innerhalb der kommenden zwei Wochen einigen“, sagte Kuhn am Donnerstag. Seine konkrete Botschaft: die Stadt wird ein deutlich verbessertes Angebot vorlegen.
Vor vier Monaten hatte Angelika Schmidt-Straube, die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Alarm geschlagen. „Das Geld reicht nur noch für zwei Monate“, sagte sie damals. In der Zwischenzeit konnte sich die Einrichtung durch Spenden über Wasser halten. Wegen der finanziellen Not hatten die Verantwortlichen in Botnang die Vereinbarung mit der Stadt gekündigt, nach der jährlich 200 000 Euro an das Tierheim gingen. Ein Schritt, der zu ernsthaften Verwerfungen zwischen Verwaltung und Tierschutzverein führte.
Von diesem angespannten Verhältnis war beim Besuch von Fritz Kuhn am Donnerstag kaum etwas zu spüren. Schmidt-Straube und der OB spazierten über die Anlage – gefolgt von einem guten Dutzend Reporter, Fotografen und Kameraleuten. „Es ist unverantwortlich, ein Tier aus einer puren Laune heraus anzuschaffen“, sagte Kuhn, als der Tross an den beiden Hundehäusern vorbeikam. „Leider ist es jedoch gang und gäbe, dass wir eine Menge ausgesetzter Tiere hier versorgen müssen“, entgegnete Schmidt-Straube.
Kuhn posiert mit zwei Hunden
Genau diese Tiere waren einer der zentralen Streitpunkte zwischen Stadt und Tierheim. Die Versorgung sogenannter Fund- und Verwahrtieren ist eine kommunale Aufgabe. Die Kosten liegen laut Tierschutzverein bei rund 875 000 Euro im Jahr. „Das kann von Jahr zu Jahr etwas schwanken. Aber mit dem, was die Stadt bislang bezahlt hat, können wir nicht weiterarbeiten“, sagte Schmidt-Straube am Donnerstag.
Der Oberbürgermeister war spürbar um einen glatten Ablauf seines Besuchs bemüht. Kuhn posierte mit zwei Hunden – einem weißen Terriermischling namens „Pimpf“ und einem Boxer mit Namen „Happy“ – für die Fotografen und erzählte von seinem unglücklichen Verhältnis zu Katzen. „Ich bin leider allergisch“, sagte der OB, „dabei mag ich diese Tiere eigentlich sehr. Als Student hatte ich selbst eine Katze namens Katerle.“ Die Allergie sei im Übrigen nicht der Grund gewesen, weshalb er erst jetzt nach Botnang gekommen sei, fügte Kuhn schnell an.
Zuletzt hatte die Verwaltung angeboten, die jährliche Zahlung auf 283 000 Euro zu erhöhen – der Tierschutzverein lehnte, wie berichtet, ab. Der Verein hatte seinerseits 500 000 Euro pro Jahr gefordert, um seiner kommunalen Aufgabe weiter nachkommen zu können. „Wir werden uns bei den kommenden Verhandlungen stärker an Ihren Forderungen orientieren als an dem, was wir bislang angeboten haben“, sagte Kuhn am Donnerstag, „wir sehen den Mehrbedarf, den Sie haben, ein.“
Bisherige Berechnung war nicht realistisch
Bisher wurde der städtische Beitrag berechnet, indem für jedes Tier eine Aufenthaltsdauer im Tierheim von 28 Tagen zugrunde gelegt wurde. „Die Tiere bleiben im Schnitt aber deutlich länger bei uns“, sagte Schmidt-Straube.
Die Chefs der Gemeinderatsfraktionen begrüßten die Entscheidung des Oberbürgermeisters einhellig, kritische Töne bleiben allerdings nicht aus: „Es ist gut, dass der OB zu dieser Erkenntnis gekommen ist“, sagte Alexander Kotz (CDU). „Leider wurde in diesem Streit viel Porzellan zerschlagen, weil Fritz Kuhn zu lange gepokert hat.“
Die SPD finde es „richtig, dass die Stadt dem Tierheim ein realistisches Angebot machen will“, wie die Fraktionsvorsitzende Roswitha Blind sagte. Die 28 Tage seien als Grundlage nicht realistisch. „Das Tierheim ist absolut notwendig“, erklärte Thomas Adler, der Chef der Fraktionsgemeinschaft SÖS und Linke. Der Verein habe glaubhaft nachgewiesen, dass er mehr Geld benötige. „Wir begrüßen den Vorstoß des Oberbürgermeisters, die verfahrene Situation zu lösen“, erklärte auch der Fraktionschef der Grünen, Peter Pätzold. Konrad Zaiß von den Freien Wählern betonte ebenfalls, seine Fraktion werde den Vorschlag der Verwaltung positiv begleiten.