Diese Sorgfalt hat manch böse Überraschung verhindert. In den vergangenen Tagen haben Meldungen von Tierheimen, die an ihren Kapazitätsgrenzen angekommen sind, bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. In der Corona-Hochphase ist die Nachfrage nach Hunden in Deutschland drastisch nach oben geschnellt – jetzt zeigen sich die Schattenseiten des Booms. Viele Familien merken, dass sie nicht genug Zeit haben, sich um das Tier zu kümmern – und wollen es wieder loswerden. Im Stuttgarter Tierheim herrscht hingegen Normalbetrieb. Das gilt auch für viele andere Tieraufnahmestationen in der Region – zumindest jetzt noch, denn schon bald dürfte sich das ändern.
„Wir rechnen schon damit, dass wegen des Endes des Homeoffice und wegen der anstehenden Sommerferien in den kommenden Wochen noch einige Tiere zu uns gebracht oder auch von uns vermittelte Tiere zurückgebracht werden“, sagt etwa Torsten Alzinger, der Leiter des Kreistierheims Böblingen. Josefine Bohn, die Sprecherin des Tierheims in Filderstadt, berichtet, dass sich jetzt schon einige Besitzer von Tieren nach Rückgabemöglichkeiten erkundigt haben. Das gilt insbesondere für Tiere, die auf teils dubiosen Wegen erworben wurden.
Vehement warnt Josefine Bohn vor dem Kauf von Welpen, die auf Portalen im Internet angeboten werden: „Oft stimmt die im Internet veröffentlichte Beschreibung der Charaktereigenschaften eines Hundes nicht mit dem tatsächlichen Verhalten überein“, erklärt die Tierheimsprecherin: „Und nicht selten stellen die Besitzer dann fest, dass sie mit der Erziehung des Tieres ganz einfach überfordert sind.“
Das werde sich jetzt, wenn das Homeoffice wieder eingeschränkt wird, auch in den Tierheimen bemerkbar machen: „Da werden in den kommenden Wochen noch einige Tiere zu uns kommen“, mutmaßt sie. Bohns Kollegin Gisela Mayer, die seit Jahren mit riesigem Engagement das Ditzinger Tierheim leitet, will den Besitzern da gar keinen Vorwurf machen: „Viele sind tatsächlich psychisch mit der Erziehung eines Hundes so überfordert, dass sie schwer erkranken. Da müssen wir dann einspringen.“
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Der Haustierboom, den es zu Beginn der Pandemie gab, ist zwar mittlerweile vorbei, berichten alle Tierheime übereinstimmend. Das Interesse an einem tierischen Hausgenossen ist aber immer noch deutlich größer als das Angebot – zumindest an familientauglichen Mitbewohnern.
Diese Tatsache öffne illegalen Tierschleppern, die auch zahlreich in der Region Stuttgart unterwegs seien, Türen und Tore. Die Schattenseiten bekommen die Tierheime zu spüren. „Die Zahl der beschlagnahmten Tiere, die erst einmal gegen Tollwut geimpft werden müssen und dann ihre Quarantänezeit bei uns verbringen, ist gewaltig gestiegen“ erzählt Torsten Alzinger.
Auch Gisela Mayer unternimmt alles, um diesem illegalen Tierhandel einen Riegel vorzuschieben. Oft gebe es in den Verträgen von Tierorganisationen für die neuen Besitzer kein Rückgaberecht. Mayer: „Wenn das zwischen Mensch und Tier nicht klappt, landen diese Tiere dann bei uns in den Heimen.“ Mayer appelliert, besonders aufmerksam zu sein und verdächtige Transaktionen auf Parkplätzen, bei denen Welpen den Besitzer wechseln, sofort der Polizei zu melden.
Josefine Bohn beschäftigt ein ganz anderes Phänomen des Hundebooms der vergangenen zwei Jahre: „Wir wundern uns schon, wer sich alles Hundetrainer nennen darf“, sagt sie. Die vorgeschriebene Ausbildung beziehe sich vor allem auf theoretisches Wissen. Oft hätten sie und ihre Kolleginnen den Eindruck, dass manche Hundetrainer bisher nur selten mit lebenden Tieren gearbeitet hätten. Dabei komme es gerade für neue Hundebesitzer entscheidend darauf an, dass sie vernünftige Tipps zum richtigen eigenen Verhalten bekämen. Gute von nicht tauglichen Hundetrainern zu unterscheiden, sei aber gerade für den Laien nicht leicht. Immerhin, einen Tipp hat sie parat: „Wenn Ihnen Ihr Hundetrainer sagt, vor der ersten Stunde sollten Sie ihrem Hund zwei Tage nichts zu essen geben und dann zum Training viele Leckerlis mitbringen, dann sollte Sie ganz schnell den Trainer wechseln.“