Schreibwarenladen Katze statt Wachhund – thronende Lilly kennen alle in der Stadt

Ganz oben auf dem Regal chillt Lilly besonders gern. Foto: Werner Kuhnle

Der Beilsteiner Unternehmer Uwe Reiss hat sein Herz an eine drei Jahre alte Katzendame verloren. Lilly hat in seinem Geschäft viele Lieblingsplätze. Und nachts wacht sie über die Bücher und Geschenkartikel.

Ludwigsburg: Karin Götz (kaz)

Sie ist der Star der Stadt und ein bisschen wirkt es so, als wisse sie um ihren Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad. Wie eine Königin thront Lilly auf einem der vielen Regale, die Uwe Reiss in seinem Papierwarengeschäft in Beilstein aufgebaut hat. Vor ein paar Minuten hat der 65-Jährige den Laden nach der Mittagspause wieder aufgemacht, doch die dreijährige Katzendame ist noch nicht bereit für neue Abenteuer. Verschlafen blinzelt sie Uwe Reiss an.

 

Auch im Bereich der Kasse ist mit ihr zu rechnen. Foto: Werner Kuhnle

Vier- und Zweibeiner sind ein eingespieltes Team. Dabei ist Reiss eher zufällig Katzenpapa geworden. Ende 2022 zog Lillys erster Besitzer in den Nachbarort. Um eine Katze an ein neues Zuhaus zu gewöhnen, sollte sie ein paar Wochen in der neuen Umgebung gehalten werden, doch das Eingesperrtsein war nichts für Lilly. „Sie ist eine Freigängerin und deshalb fragte mich der Besitzer, ob ich mich um sie kümmern würde. Sie war ja zuvor schon immer in der Stadt unterwegs und es gibt wenige Geschäfte und Lokale, in denen sie nicht schon gewesen ist.“

Seitdem sind die beiden unzertrennlich. Als das Tier einmal vier Tage lang fehlte, war Reiss der Verzweiflung nahe. Umso größer dann die Freude als Lilly wieder auftauchte und ihren Platz im Schreibwarenladen einnahm, so als sei nichts gewesen.

In Beilstein kennt sie fast jeder

Apropos Platz. Einen Lieblingsplatz hat die Katzendame, die in Istanbul neben der Hagia Sophia auf die Welt gekommen sein soll, nicht. Anfangs machte sie es sich in einem Aufsteller gemütlich, aktuell gefällt es ihr ganz oben auf einem der vielen Regale. Auch im Schaufenster fühlt sich Lilly wohl. Und offenbar gibt es doch den einen oder anderen Passanten, der die Katzendame noch nicht kennt.

In der Beilsteiner Facebook-Gruppe wurde ein Foto von der zwischen Ordnern und Osterdeko sitzenden Kätzin gepostet. Verbunden mit der Frage, ob sie in dieses Schaufenster gehöre. Die Antworten ließen nicht lange auf sich warten. Der eine beschrieb sie als Teil des Inventars, der andere als die gute Seele des Hauses, ein dritter augenzwinkernd als Reiss’ Feldwebel, der aufpasst.

Uwe Reiss kann sich die Arbeit ohne Lilly an seiner Seite nicht vorstellen. Foto: Werner Kuhnle

Was sie auch tut. Sogar in der Nacht. Im Sommer ist Lilly meist bis morgens draußen unterwegs, doch ansonsten macht sie es sich auch nach Ladenschluss lieber zwischen Büchern, Schreibwaren und Geschenkartikeln gemütlich. „Ich schließe um 18 Uhr zu, komme dann aber gegen 19.30 Uhr noch einmal in den Laden und lasse sie dann hinaus“, erzählt Uwe Reiss. In der Regel genügt Lilly eine halbe Stunde und bevor der 65-Jährige seine abendliche Arbeitsschicht beendet hat, ist sie auch schon wieder zurück und lässt sich einen Abendsnack schmecken.

Kunden bringen Leckerlis

Apropos Snack. Nicht nur der Selbstständige kümmert sich liebevoll um den Vierbeiner. Auch die Kunden sorgen dafür, dass es ihr an nichts fehlt. „Eine Kundin bringt Lilly immer Leckerlis mit“, erzählt Uwe Reiss. „Eine andere bringt immer die Decken, auf denen sie liegt.“ Etwas kaputt gemacht im Laden hat Lilly noch nie. „Nur mit den offenen Geschenkbändern spielt sie ab und an ganz gern“, sagt Reiss und lacht. Böse sein könnte er ihr vermutlich eh nicht. Er liebt seine tierische Gefährtin – und zwar so sehr, dass er auch schon den Verkehr auf der Hauptstraße angehalten hat, um Lilly ein sicheres Überqueren zu ermöglichen.

Ende 2024 würde er die Verantwortung für sein Geschäft gerne abgeben. Klar ist aber: Lilly muss mitübernommen werden. Denn eine Umgewöhnung in seine Privatwohnung würde schief gehen. Davon ist Uwe Reiss überzeugt. „Die Signale sehen aber gut aus, dass jemand den Laden übernimmt und Lilly mit“, sagt er. „Ich wäre stundenweise dann auch hier.“

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