Tierischer Besuch im Mineralbad Wie der Leuze-Kater Menschen zum Lächeln bringt
Schweres gibt’s genug. Lucky steht für Leichtes. Der Kater, der das Mineralbad Leuze besucht, sorgt für mentale Wellness. Eine Glosse von Jan Sellner.
Schweres gibt’s genug. Lucky steht für Leichtes. Der Kater, der das Mineralbad Leuze besucht, sorgt für mentale Wellness. Eine Glosse von Jan Sellner.
Wenn’s rein nach der Wichtigkeit ginge, dürften die folgenden Zeilen nicht erscheinen. Denn gemessen daran, was die Welt umtreibt, sind sie völlig unbedeutend. Kein Widerspruch also, wenn jemand nach der Lektüre zu dem Schluss kommt, das sei jetzt aber für die Katz gewesen. Denn genau das ist es: für die Katz. Damit sind wir bei Lucky, dem Leuze-Kater.
Das schwarz-weiß gescheckte Tier ist speziell in der kalten Jahreszeit häufiger zu Gast im Mineralbad Leuze, was für seinen ausgeprägten Instinkt für die angenehmen Seiten des Lebens spricht. Im gut geheizten Eingangsbereich fläzt sich der Kater auf dem Boden. Für Lucky sind die warmen Fliesen so etwas wie die Winzersauna für die zweibeinigen Leuze-Gäste. Wellness pur.
Dem zuständigen Bäderamt ist das nicht verborgen geblieben. Bereits vor fünf Jahren hatte Leuze-Fan Lucky Schlagzeilchen gemacht. Und auch aktuell spricht Stuttgart nicht nur über schwere Themen, wie die am Freitag in Kraft getretene Waffenverbotszone, sondern auch über federleichte, wie die Tierverbotszone im Leuze. Laut Badeordnung sollte Lucky sich dort nämlich nicht aufhalten, auch wenn er gern gesehen ist nach dem Motto: Ein Kater am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. In den Gesichtern vieler Badegäste blitzt jedes Mal ein Lächeln auf, wenn sie den Leuze-Tiger erblicken. Mit Fug und Recht darf man deshalb sagen: Stuttgart goes Lucky!
Und nicht nur Stuttgart. Das Einzugsgebiet des Leuze und das Verbreitungsgebiet unserer Zeitung ist groß. So ist es zu erklären, dass Lucky in der Silcherschule in Kornwestheim jetzt sogar Thema im Schulunterricht war. Eine Lehrerin unterhielt sich mit ihren Erst- und Zweitklässlern über die Stuttgarter Katzengeschichte. Anschließend malten sie Bilder für Lucky. Die Botschaft: Es wäre doch schön, wenn er bleiben dürfte. Entstanden sind wunderbare Zeichnungen, die es verdient hätten, im Leuze-Foyer ausgestellt zu werden. Zur Vernissage könnte Lucky dann ja – ausnahmsweise – eine offizielle Einladung erhalten.
So abwegig wäre das nicht. Besagte Lehrerin erinnert an eine Katze namens Sophie Bosch, die dafür bekannt war, dass sie es sich vor mehr als 20 Jahren auf Rollstühlen im Robert-Bosch-Krankenhaus gemütlich machte. Wenn die Erinnerung sie nicht trügt, wurde Sophie Bosch in der Klinik seinerzeit verköstigt und besaß sogar eine Art Zugangskarte. „Vielleicht bräuchte Lucky einen Bäderausweis?“, meint die Katzenfreundin.
Das Bäderamt der Stadt behandelt das Ganze mit dem notwendigen nicht tierischen Ernst. Als Sprecher Jens Böhm jetzt auf die im Januar außergewöhnlich stark gestiegenen Besucherzahlen von 82 797 Gästen aufmerksam machte, führte er das auf die Leuze-Preise zurück, die im Gegensatz zu Bädern außerhalb Stuttgarts stabil geblieben seien. Er schloss augenzwinkernd aber auch nicht aus, dass eine größere Anzahl von Lucky-Fans darunter sein könnte. Gerne werden sie die Botschaft hören – wie auch die Grundschüler aus Kornwestheim –, dass das Bäderamt keineswegs vorhat, den Kater zu vertreiben. Vereinbart ist: Seine Besitzer werden telefonisch verständigt, sobald Lucky im Foyer auftaucht. Er wird dann zeitnah abgeholt.
Sollte Lucky im Leuze allerdings buchstäblich zu weit gehen und die Umkleidekabinen oder gar die Duschen und die Becken betreten, wäre der Spaß schnell vorbei. In weiser Voraussicht macht er keinerlei Anstalten, das Drehkreuz zu passieren. Auf Katzenwäsche muss er hier definitiv verzichten.