Tiermanagement in der Wilhelma Wie regelt der Zoo die Fütterung fleischfressender Tiere?
In der Wilhelma leben rund 11 000 Tiere. Es gibt fast 1200 Arten, darunter auch zahlreiche Raubtiere. Wie werden sie versorgt?
In der Wilhelma leben rund 11 000 Tiere. Es gibt fast 1200 Arten, darunter auch zahlreiche Raubtiere. Wie werden sie versorgt?
Der Stuttgarter Zoo zählt zu den artenreichsten Zoos weltweit mit seinen etwa 11 000 Tieren. Einen großen Bereich bilden die Fleisch fressenden Raubtiere, die täglich ihr Futter brauchen. Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin erklärt, wie der Stuttgarter zoologisch-botanische Garten dies handhabt. Denn bei der Fütterung greift der Zoo selbstverständlich auch auf die eigenen Bestände zurück. Dies ergebe Sinn und habe viele Vorteile, sagt der Wilhelma-Chef. Etwa bei der Population von Antilopen, Steinböcken oder Rindern. Sie leben im Zoo in einer kontrollierten Umgebung mit ordentlichem Futter. Sie können hier nach Kölpins Auffassung ebenso schmerzfrei und ohne Stress getötet werden, um als Nahrung für die Raubtiere zu dienen. „Es handele sich um bestes Biofleisch.“
Auch der Artenschutz spielt beim Thema Verfütterung eine Rolle. Während Tierschützer dies vehement ablehnen und fordern, wie kürzlich bei einer Demonstration der Tierrechtsorganisation Peta vor der Wilhelma, dass die Tiere nicht für Futterzwecke genutzt werden sollen und dass in Zoos auch keine Reservepopulationen geschaffen werden, sieht Kölpin das grundlegend anders: „Wir haben die Verantwortung, denn wir Menschen sind es, die dafür sorgen, dass die Lebensbedingungen oft nicht mehr gut sind für die Tiere, deshalb müssen wir hier Reservepopulationen schaffen.“ Der Zoo sei die einzige Möglichkeit, wo man die die Tiere ex situ – also außerhalb ihres ursprünglichen Lebensraums – gesund erhalten könne. Das könne keine andere Institution. Ungeachtet dessen kritisieren die Tierrechtler die Lösung unter dem Motto „artgerecht ist nur die Freiheit“ und fordern, die Zucht und Gefangenhaltung aller Tiere in Zoos und Tierparks auslaufen zu lassen.
Der Stuttgarter Zoo will hingegen den Tieren ein soziales Zusammenleben ermöglichen. Sie sollen dort ihrem natürlichen, meist starken Fortpflanzungstrieb nachgehen dürfen und als Eltern den Nachwuchs aufziehen, so Kölpin. Dies sei ebenso wichtig für die Lebensqualität der Tiere und für den Arterhalt. Werden Tiere aus der Population herausgenommen, dann in dem Alter, in dem es auch in der Natur geschieht, erklärt Kölpin. Bei Jungtieren sei das in dem Alter, in dem sie auch in der Natur die Eltern verlassen. Bei der Verfütterung spielt der Schutz bedrohter Arten, die Reservepopulation gesund zu halten, ebenso eine große Rolle.
„Würde die Zucht bei bedrohten Tierarten etwa durch Verhütung stillgelegt, gefährden wir die Population“, sagt Kölpin. Denn es könne sein, dass dann keine Nachkommen mehr gezeugt werden könnten. Die Wilhelma füttert nur gesunde Tiere, wie etwa Zebras und Giraffen beispielsweise an Löwen. Tote Paviane werden von Leoparden gefressen. Krokodile bekommen Ratten und Mäuse. Der Stuttgarter Zoo habe aber auch seine ethischen Grenzen, so würden keine halbwüchsigen Gorillas als Nahrung verwendet. „Menschenaffen verfüttern wir nicht, die bewerten wir positiver als beispielsweise Zwergziegen.“ Übrigens, der kranke Giraffenbulle Tilodi mit seiner Darmverschlingung, der kürzlich gestorben ist, kam in die Pathologie. Er wurde als nicht als Nahrung für andere Tiere verwendet.
Jeder Zoo müsse es für sich entscheiden, wie er das Thema regelt. Kölpin sagt: „Wenn, dann werden die Tiere hier in der natürlichen Umgebung schmerzfrei und ohne Stress getötet.“ Es würden etwas mehr Tiere gezüchtet, damit es genügend Fleisch gebe. Zebras und Antilopen seien Futtertiere. „Denn, wir wollen schon viel über den eigenen Kreislauf abdecken“, so das Ziel des Zoodirektors. Doch die eigenen Futtertiere reichen nicht aus, um genügend Nahrung zu haben. „Wir müssen immer noch Pferde- oder Rindfleisch bestellen, aber die Qualität des eigenen Futters ist höher.“ Die Tiere seien dadurch viel aktiver. Auch die Verfütterung ganzer Tiere sei dabei wichtig, nicht nur wegen der Mineralien. Die Amurtiger bekommen Huftiere, die Seelöwen bekommen Fisch, auch mal eigene Aquariumsfische. Insgesamt eine große Anzahl von Tieren, genaue Zahlen nennt Kölpin nicht.
Auch bei den Fütterungszeiten und den Wilhelma-Talks erklären die Pfleger, warum der Zoo so vorgeht. „Ich bin zufrieden, wenn die Besucher die Gründe nachvollziehen können“, sagt Kölpin. Entgegen anderer Zoos hat er nicht das Problem des Platzmangels, wie etwa der Tiergarten Nürnberg, der Berichten zufolge seine Paviangruppe um rund 20 bis 25 Tiere reduzieren muss. Auf seiner Homepage erklärt der Tiergarten: Aktuell bestehe keine Übernahmemöglichkeit für Guinea-Paviane aus dem Tiergarten – selbst wenn engagierte Influencer anbieten, den Transport zu übernehmen.